Was tun bei Bandscheibenvorfall?

Siegen..  Wer es mit der Bandscheibe hat, der hat es nur selten im Rücken. Stattdessen schmerzt es an ganz anderer Stelle. Was die typischen Anzeichen für einen Bandscheibenvorfall sind und was dagegen hilft, erklärte Professor Dr. Veit Braun rund 80 Zuhörern beim Siegener Forum Gesundheit im Jung-Stilling-Krankenhaus.

Selten muss sofort operiert werden

„Etwa 95 Prozent der Vorfälle betreffen die untersten drei Bandscheiben“, sagt der Chefarzt der Neurochirurgie in der Wichernstraße. „Dann strahlen die Schmerzen in die Beine aus.“ Liegt der Vorfall im oberen Rücken, kommt es zu Beschwerden in den Armen. Auch Gefühlsstörungen und Lähmungen können auf einen Bandscheibenvorfall hinweisen. Die Bandscheibe selbst tut nicht weh, weil sie kaum Schmerzfasern hat.

Braun vergleicht Bandscheiben mit Luftballons, die mit Marmelade gefüllt sind. Fließt ein Teil des Kerns heraus weil die Hülle einen Riss hat, drückt das mitunter auf einen Nerv – und der verursacht die Schmerzen. Aber selten muss sofort operiert werden, in vielen Fällen überhaupt nicht. „Manchmal schafft der Körper es, den Vorfall einzuschrumpfen und aufzulösen“, schildert Braun. „Die Beschwerden vergehen und es genügt Gymnastik, um den Rücken zu stärken.“ Sechs bis acht Wochen sollten vor einem Eingriff abgewartet werden, empfiehlt der Experte. Verbessern sich die Beschwerden in dieser Zeit nicht und der Patient leidet stark, hilft eine Operation.

Oft wird Braun dann um einen minimal-invasiven Eingriff gebeten. Darunter verstehen die meisten Patienten kleine Hautschnitte und die Nutzung von Endoskop sowie Laser. Doch davon rät der Neurochirurg bei Bandscheibenvorfällen ab. Die Schnitte macht er ohnehin bei jedem Eingriff so klein wie möglich, nutzt bei einer herkömmlichen Operation aber die Vorteile eines Mikroskops: Im Gegensatz zum Endoskop sieht Braun damit dreidimensional.

Lieber zupfen als lasern

Endoskopische Eingriffe seien besser für andere Erkrankungen – beispielsweise von Darm oder Lunge – geeignet. Auch vom Verdampfen des Bandscheibenvorfalls mit einem Laser hält er nichts. „Die Gefahr mit der Hitze des Lasers den Nerven zu schädigen, ist groß“, sagt der Chirurg. „Wenn wir den Vorfall herauszupfen, passiert das nicht so leicht.“

Damit es gar nicht erst zu einem Bandscheibenvorfall kommt, rät Neurochirurg Braun vor allem zu möglichst viel Bewegung. „Kräftigen Sie die Rückenmuskulatur, damit entlasten Sie die Bandscheiben. Auch Sport der nicht rückenschonend ist, ist besser als gar kein Sport.“