Walzer, Märsche und ein toter Vogel

Siegen. Kaum sind die Weihnachtskonzerte, die sich im abgelaufenen Jahr über fünf Wochen ausdehnten, vorbei, beginnen die Neujahrskonzerte. Und auch die dauern einige Zeit und verlangen von den Musikern der Philharmonie Südwestfalen bei 14 Terminen jede Menge körperliche und mentale Kondition, damit die Zuhörer den Eindruck haben, gerade dieser Abend sei der wichtigste. Doch das können die Musiker und ihr Chef Charles Olivieri-Munroe.

Frisch und leicht auf hohem Niveau

Der Konzertreigen beginnt wie jedes Jahr im Apollo-Theater. Das Programm ist leicht, unterhaltsam, abwechslungsreich und frisch, ohne dass das Niveau, das man von diesem Orchester gewöhnt ist, auch nur für Sekunden leidet. Ganz im Gegenteil: Wenn Melodien des „Walzerkönigs“ Johann Strauß – dieser Titel ist oft nicht als Kompliment gemeint – so schwungvoll und doch transparent dargeboten werden, geraten selbst Walzerhasser ins Grübeln, schmunzeln und klatschen mit.

Doch es gibt viel mehr als Walzer. So die „Ungarische Rhapsodie“ des großen Komponisten, Klaviervirtuosen und Frauenliebhabers Franz Liszt. Oder die hinreißende „Humoresque“ des ansonsten eher schwermütigen Tschechen Antonin Dvořák, die wohl jeder Musikliebhaber schon einmal gehört hat, aber bis dahin nicht so recht einordnen konnte. Nicht zu vergessen der „Florentiner Marsch“ von Dvořáks unbekannterem Landsmann Josef Fucik, bei dem die Blechbläser so richtig aus sich herausgehen dürfen. Da ist es gut, wenn zwischendurch auch einmal nachdenklichere Melodien erklingen wie bei Giacomo Puccinis „Suor Angelica“, die den Freitod einer Nonne musikalisch beschreibt und beklagt.

Der Abend lebt aber auch wesentlich von der erfrischenden, charmanten Leichtigkeit der Moderatorin Beate Schmies, Leiterin des WDR-Studios Siegen. Ihre prägnanten, informativen, oft augenzwinkernden Aussagen über die Komponisten und ihre Stücke lassen Programmhefte vergessen, die oft allzu sehr belehrend daherkommen. Und Beate Schmies versteht es, einige Protagonisten auf der Bühne den Zuschauern näherzubringen. Sie kitzelt aus Charles Olivieri-Munroe so manches ­heraus, was man über den auf Malta geborenen, in Kanada aufgewachsenen und derzeit in Prag wohnenden Weltbürger noch nicht wusste. Er gibt erhellende, mit Humor gewürzte Informationen über das Musikerleben und erweist sich als charmanter Plauderer: „Wo es gutes Bier gibt, gibt es gute Musik.“ Deswegen liebt er auch das Siegerland, aber vor allem die Spielstätte des Abends: „Das Apollo-Theater ist ein großes Plus für die Region.“

Erlegter Fasan auf der Bühne

Auch der frisch gewählte Intendant der Philharmonie Südwestfalen, Michael Nassauer, kommt zu Wort: „Ich bin seit 15 Jahren Musiker in diesem Orchester. So ganz von der Bühne verschwinden werde ich durch meine neue Aufgabe nicht.“

Zum Schluss spricht wieder die Musik: Bei der schnellen Polka „Auf der Jagd“ landet ein erlegter Fasan auf der Bühne und beim Radetzky-Marsch dürfen auch die Zuschauer ihren Mitklatsch-Anteil einbringen. Die Siegerländer tun dies mindestens ebenso gut wie wenige Stunden zuvor die Wiener bei ihrem Neujahrskonzert.

Das Jahr 2015 fängt gut an.