„Walter Krämer ist ein großer Sohn der Stadt“

Klaus Dietermann (links), Leiter des Aktiven Museums Südwestfalen, und Prof. Karl Prümm stellen ihr neues Buch „Walter Krämer. Schlosser - Politiker - Arzt von Buchenwald“ vor.
Klaus Dietermann (links), Leiter des Aktiven Museums Südwestfalen, und Prof. Karl Prümm stellen ihr neues Buch „Walter Krämer. Schlosser - Politiker - Arzt von Buchenwald“ vor.
Foto: Florian Adam
Was wir bereits wissen
Tausende verdanken ihm ihr Leben. Ein Denkmalensemble vor dem Kreisklinikum in Weidenau erinnert heute an ihn.

Siegen..  Dabei war Walter Krämer bis in die 1980er Jahren in West-Deutschland so gut wie vergessen, als Kommunist „totgeschwiegen“, wie Klaus Dietermann, Leiter des Aktiven Museums Südwestfalen, sagt.

In einem neuen Buch arbeiten der pensionierte Lehrer und Prof. Karl Prümm Leben und Wirken auf: „Walter Krämer. Schlosser – Politiker – Arzt von Buchenwald“.

„Er ist ein großer Sohn der Stadt Siegen. Das kann man jetzt erst richtig ermessen“, sagt Karl Prümm. Das Autorenduo hat bereits 1986 gemeinsam ein Buch zum Thema geschrieben: „Walter Krämer – von Siegen nach Buchenwald“. Jetzt, fast 30 Jahre später, legen sie „ein neues Buch mit ganz neuen Erkenntnissen“ vor, verspricht Prümm.

Großen Anteil hätten zwei Faktoren: Einerseits sei die Forschung zu den Konzentrationslagern in den 1980er Jahren noch sehr überschaubar gewesen – aber Krämers Wirken sei auch vor dem Hintergrund der Bedingungen zu sehen, unter denen er leben und arbeiten musste. Andererseits gab es 1986 die DDR noch, womit etliche Unterlagen unzugänglich waren.

Klaus Dietermann begab sich für die neuerliche Recherche für mehrere Tage ins Bundesarchiv in Berlin: „Ich habe viele neue Quellen eingesehen.“ Das Bild des Mannes, der 1892 in Siegen geboren wurde, der KPD beitrat und von 1933 bis zu seiner Ermordung im November 1941 keinen Tag mehr in Freiheit verbrachte, wird präziser. Der Schlosser, dem als Arbeiterkind um die vorletzte Jahrhundertwende herum nur begrenzte Möglichkeiten offenstanden, war überaus intelligent und besaß enormen „Bildungshunger“, ist Klaus Dietermann überzeugt.

Funktionshäftling im KZ Buchenwald

Die KPD ermöglichte ihm die Entwicklung einiger seiner Potenziale, doch selbst unter den entsetzlichen Zuständen des Konzentrationslager Buchenwald trieb Krämer seine persönliche Entwicklung voran. Nur so ist zu erklären, wieso er sich das Wissen und die Fähigkeiten aneignen konnte, die ihm schließlich den Beinamen „Arzt von Buchenwald“ einbrachten.

Krämer übernahm als so genannter Funktionshäftling die Leitung des Krankenreviers im Konzentrationslager. „Vorher hatte er nie etwas mit medizinischen Dingen zu tun“, sagt Karl Prümm. „Aber er hat sich mit einer Intensität, die beispiellos ist, im Selbststudium das Wissen angeeignet.“

Als Behandler und Operateur erlangte Krämer rasch einen so guten Ruf, dass selbst SS-Leute sich in seiner Hände begaben – einschließlich des Lagerkommandanten Karl Otto Koch, der sich wegen Syphilis an ihn wandte.

Auch als Organisator, so Prümm, habe Krämer Großes geleistet: So stellte er die Errichtung einer Erweiterung des Krankenbaus ohne Billigung der SS auf die Beine. Und es gelang ihm, nach einer Ruhr- und Bauchtyphus-Epidemie Impfungen durchzusetzen.

Blick auf das Umfeld

Die Autoren widmen auch der politischen Lage in Siegen in den ersten Jahren der Weimarer Republik einige Ausführungen. Ebenso befassen sie sich mit der Rolle, die Krämer in der DDR zugedacht wurde und die dazu beitrug, dass der Westen ihn ignorierte.

„Er war ein gläubiger, idealistischer Kommunist“, sagt Karl Prümm. Vor allem aber habe er „unter den Bedingungen des Lagers eines großartige Menschlichkeit entwickelt. Er hat allen Menschen geholfen, die Hilfe nötig hatten, und brachte sich selbst dabei oft in größte Gefahr.“

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