Wärme und Strom aus dem eigenen Keller

Siegen..  Eine erdgasbetriebene Brennstoffzellenheizung erproben die Siegener Versorgungsbetriebe (SVB) in der alten Hagelauer-Villa an der Sandstraße. Es handelt sich um eine Testanlage, wie SVB-Betriebsleiter Peter Weil erklärt. Die Kosten dafür liegen „im mittleren fünfstelligen Bereich“, womit die relativ umweltfreundliche Technik für den Endverbraucher finanziell noch keine attraktive Alternative sei. Ziel des Praxistestes ist es nun, Erkenntnisse für „marktreife Lösungen zu marktreifen Preisen“ zu gewinnen.

Selbstversorgung als Ziel

Der Vorteil der Anlage liegt laut Weil darin, dass sie außer Wärme auch Strom erzeugt. Die SVB haben eine Brennstoffzellenheizung der Firma Baxi Innotech aus Hamburg eingesetzt. Die Maschine gewinnt aus Erdgas Wasserstoff. In der Hagelauer-Villa, die derzeit von der Zoz Group aufwändig saniert wird (wir berichteten), liegt die Kapazität bei 1,0 Kilowatt Strom- und 1,7 Kilowatt Wärmeleistung. Das reicht zwar nicht aus, um das gesamte Gebäude zu versorgen; das allerdings liegt vor allem in der Größe der Immobilie begründet. Eine zusätzliche herkömmliche Therme füllt die Lücke.

„Die Technologie ist in der Entwicklung“, sagt Weil. Im Idealfall, so die SVB, kann ein Haushalt mit einer modernen Brennstoffzelle „100 Prozent seines Wärme- und bis 75 Prozent seines Strombedarfs decken“. Überschüssiger Strom, so er denn auftritt, könnte gegen eine Vergütung ins Verteilnetz eingespeist werden. Der Sinn, so der Vertriebsleiter, „liegt aber in der Selbstversorgung, nicht so sehr in der Abgabe ans Netz“.

Mit der Villa an der Sandstraße, in der Interessenten die Anlage nach vorheriger Absprache besichtigen können, hat das Projekt einen prominenten Standort, an dem bewusst alte und moderne Elemente aufeinandertreffen, wie Prof. Henning Zoz sagt. Am denkmalgeschützten Gebäude kommen diverse innovative Baustoffe zum Einsatz. Die Brennstoffzelle passt da gut ins Profil, auch wenn ihre Leistung (noch) nicht ausreicht, um das Gebäude komplett zu versorgen. „Es geht darum, Technologievorreiter zu sein“, sagt Zoz. „Das zahlt sich langfristig immer aus.“

Bundesweiter Praxistest

Das Projekt ist Teil des bundesweiten Praxistests „Callux“ für Brennstoffzellenheizgeräte. Er wird vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung innerhalb des Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie unterstützt.