Vor allem die Engländer finden Siegen toll

Am Infostand im Museum für Gegenwartskunst war immer Betrieb.
Am Infostand im Museum für Gegenwartskunst war immer Betrieb.
Foto: Michael Kunz

Siegen..  Zu blöd, dass der Dicke Turm immer noch eingerüstet ist. Da wurde es nichts mit dem dort geplanten Tetris-Spiel. „Aber in zwei Jahren schauen wir mal“, überlegt Dr. Judith Ackermann, mit zuversichtlicher Entschlossenheit. Sie hat gemeinsam mit Anke Lenk das „International Urban Games Festival“ oder kurz „playin’ Siegen“ entwickelt, das von Freitag bis Sonntag die Oberstadt in einen großen Spielplatz verwandelte, im Rahmen eines medienwissenschaftlichen Projektseminars der Universität. Die nächste Auflage ist bereits beschlossene Sache: „Wir wollen das jetzt alle zwei Jahre machen.“

Spielplatz ist vielleicht nicht ganz die richtige Formulierung. „Beim Urban Gaming geht es darum, die alltägliche Raumnutzung umzufunktionieren und den städtischen Raum in ein riesiges Spielfeld zu verwandeln.“ Dazu kommen künstlerische und wissenschaftliche Aspekte. Diese Definition haben die beiden Frauen mit ihren Studenten selbst entwickelt und wollen damit den Menschen in Siegen und vor allem auch im Umfeld des neuen Campus Oberstadt signalisieren: „Wir sind da!“ Mit Erfolg offenbar, denn viele Geschäftsleute haben positiv reagiert. Im Supermarkt bekam das Orga-Team Brötchen geschenkt, in einem Geschäft gab es die Möglichkeit, das Internet zu nutzen, andere haben Suppe gespendet. „Ich hatte schon befürchtet, es kommen nur Medis“, gibt Spieleforscherin Dr. Judith Ackermann zu.

Moderne Schnitzeljagd

Jedenfalls waren zur Eröffnung nicht nur Studierende des Fachgebietes dabei. Ackermann und Lenk haben zu ihrer großen Freude auch „viele unbekannte Gesichter gesehen“, und letztlich haben auch nicht nur Studenten an den Spieleangeboten teilgenommen, die vom City-Dashing, einer modernen Form der Schnitzeljagd mit ungeahnten Hindernissen, bis zu Vorträgen im Hübbelbummler reichten. Bei „8 menschliche Kreise“ ging es darum, bestimmte Objekte mit dem Team einzuschließen. „Die werden dann im größer und die Spieler müssen auch Passanten dazu bringen, ihnen beim Kreis zu helfen“, erklärte Anke Lenk . Das große Ziel sei die Nikolaikirche, „die haben wir noch nicht geschafft“.

Die Idee kam „im vorletzten Sommersemester“, da hat Dr. Judith Ackermann mit ihren Studenten im Bachelor- und Masterstudiengang erste Vorarbeiten geleistet. „Wenn man schon in einer Stadt wohnt, die Siegen heißt und sich mit Spielen beschäftigt“, zuckt sie lachend die Schultern und kann auch nicht umhin, den berüchtigten Satz („Was ist schlimmer als verlieren...?“) aus der Süddeutschen Zeitung zu zitieren. Dass aus der Idee „jetzt ein internationales Festival geworden ist, kann ich noch gar nicht richtig fassen“, sagt sie dann.

Internationale Partner

Partner wurden in Wien und auf der britischen Insel gefunden, „City Dashing“ etwa wird vom britischen Game-Designer Gwyn Morfey betreut. Die Studierenden selbst haben für das Marketing gesorgt, die Möglichkeiten der sozialen Netzwerke ausgeschöpft und einen You-Tube-Kanal geschaltet. „Sonst geht es in den Kursen immer um fiktive Aufgaben, hier hatte alles einen praktischen Hintergrund“.

Es gehe doch letztlich darum, Siegen für junge Menschen attraktiv zu machen, „dass sie auch nach der Uni hierbleiben“, finden Ackermann und Lenk. Mit diesem Argument hatten sie auch kein Problem, den Bürgermeister von der Qualität der Idee zu überzeugen. „Nachdem wir ihm erklärt haben, was Urban Gaming denn ist“, grinst Dr. Judith Ackermann. Siegen ist jedenfalls auf gewissen Landkarten wieder prominenter geworden. Vor allem die Engländer hätten den Namen Siegen und dessen Übersetzung einfach nur toll gefunden.

in der Art „Urban Gaming“ habe es in Deutschland schon in Berlin oder Hamburg gegeben, berichten Dr. Judith Ackermann und Anne Lenk. Für Nordrhein-Westfalen aber sei Siegen Vorreiter.