Von der großen Politik in die kleine Welt der Stammtische

Kreuztal..  Gerade haben die Zuschauer noch fröhlich gelacht, plötzlich ist es still geworden in der Stadthalle. „Sie sind hier im Kabarett. Da kriegen Sie auch schon mal einen Brocken hingeworfen. Wer in den Puff geht, muss damit rechnen, dass er nackte Leute sieht.“ Der das sagt, heißt Helmut Schleich und gehört seit Jahren zu den Besten seiner Zunft in der Republik. Vor allem im Süden allerdings.

In Kreuztal war die Nachfrage nicht so groß wie bei anderen Namen, wurde eine kleine Bestuhlung gestellt; was dem Künstler aber gar nicht unangenehm sei, ist vom Veranstalter zu hören. „Ehrlich“ hat Schleich sein aktuelles Soloprogramm genannt, und manchmal ist er das in einem Maße, mit dem nicht jeder im Auditorium sofort zurechtkommt. Helmut Schleich schlüpft in verschiedene Figuren, wechselt mühelos von der großen Politik in die kleine Welt der Stammtische.

Bitterböse Wahrheiten

Er schlägt den Zuhörern seine ganz persönliche Sicht der Politik in Berlin, München und Brüssel um die Ohren und geht dann auf die Alltagsprobleme ein, entlarvt in genialen Sketchen die Verdummung der Menschen durch den Einfluss des Internets und andere Quellen. Gleich am Anfang sinniert Schleich als Strafgefangener über die Hintergründe seines Amoklaufes, der ihm den Beinamen „Bestie von Dottelbach“ eingebracht hat.. Der Wirt, der hatte Pech, weil den ein Querschläger getroffen hat. Er sei ja kein gewalttätiger Mensch, „aber wenn ich hier wieder rauskomme…“, brummelt er und findet seinen Charakter absolut passend für das Programm: „Weil er eben ehrlich ist.“

Der Mann aus Bayern schiebt eine seiner umwerfenden Franz-Josef-Strauß-Parodien ein, mokiert sich über die SPD und Sigmar Gabriel, schwenkt dann zu Jean-Claude Juncker und der EU-Kommission über. Mit dem Oettinger auch noch, „Digitalisierungskommissar, dabei ist der doch auf dem Stand von Konrad Zuse. Der Bildschirmschoner für Europa!“ Weiter geht es mit der „Panzer-Uschi“, die mit ihrer Truppe ausfahre, die eher an einen Ausflug des Militärhistorischen Museums erinnere.

Aus alten Programmen bekannt ist Heinrich van Horchen, der „Gesangslehrer von Marika Rökk und Jopie Heesters. Scheinbar harmlos, verpackt Helmut Schleich auch in diesen Charakter bitterböse Wahrheiten. Um dann als Regierungschef von „Kitchagirsisien“ den Eintritt in die EU anzukündigen, mit östlichem Akzent und Begeisterung über die dortige Demokratie, die durch regelmäßiges Putschen jung gehalten wird und in der das Rentenalter immer über der Lebenserwartung liegt. Alles „ehrlich“ eben.