Vom Knast zum Campus
10.02.2012 | 00:00 Uhr 2012-02-10T00:00:00+0100
Siegen. Auf sehr positive Resonanz sind die 37 Millionen Euro schweren Planungen für den Altstadt-Campus am Unteren Schloss bei den ersten Beratungen in den politischen Gremien gestoßen. Die „Jahrhundertchance“ für Stadt und Kreis wurde fraktionsübergreifend gelobt.
Allerdings gab es auch Kritik am Land, weil das Studentenwerk kein Geld für den Kauf und Umbau des Stadtkrankenhauses bekommt. Hier springen nun Siegener Baufirmen in die Bresche und nehmen 17 bis 18 Millionen Euro in die Hand.
Investoren hoffen noch auf Studentenwerk
Daher verabschiedeten der Siegener Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung und der Ausschuss für Wirtschaft und Regionalentwicklung des Kreises einstimmig den Auftrag, dass Landrat, Bürgermeister und Uni-Kanzler nochmals gemeinsam beim Finanzminister vorsprechen sollen.
Denn durch öffentliche Förderung könnten die Mieten für studentisches Wohnen deutlich geringer ausfallen. Die privaten Investoren kalkulieren mit bis zu elf Euro pro Quadratmeter. Und das, obwohl ein Drittel der in Siegen wohnenden Studierenden einen Bafög-Antrag stellt, machte Tanja Wagener (SPD) deutlich. Daher hatte sie den Antrag gestellt. Die Investoren würden gerne das Projekt ans Studentenwerk abtreten, betonte Reinhard Quast. „Bei diesem Projekt braucht man die Hoffnung der Siegerländer Waldbauern. Erst nach Jahrzehnten wird man sehen, ob Stürme darüber gezogen sind.“
Joachim Boller (Grüne) stellte die Frage, warum nicht die Betriebs- und Beteiligungsgesellschaft des Kreises einsteigen würde. „Die schwimmt doch im Geld“, spielte er auf den Kauf von RWE-Aktien im Wert von 18 Millionen Euro an. Oder die Stadttochter KEG, wenngleich diese nicht so finanzstark ist. „Wenn man damit doch Geld verdienen kann, können wir das doch auch selbst.“ Dies wies jedoch Landrat Paul Breuer zurück – der Kauf sei ein Beitrag zur Entlastung des Haushaltes.
Gleichwohl wurde das Engagement des Landes aber auch gelobt: Schließlich gibt es neben den 14 Millionen Euro für das Regionale-Projekt „Siegen – Zu neuen Ufern“ auch 15,9 Millionen Euro aus dem Hochschulmodernisierungsprogramm für den Umbau des Unteren Schlosses. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes NRW hat dies zu verantworten.
Allerdings hatten nicht wenige Politiker Zweifel, ob der ambitionierte Zeitplan mit dem Einzug der Uni bis Herbst 2014 zu halten ist.„Man könnte meinen, BLB steht für Bin lahmer Betrieb“, so Breuer.
Kein kostenloses Parken am Campus
Zweifel am Verkehrskonzept meldete Hans-Peter Kunz (FDP) an. Für die bis zu 4000 Menschen gebe es nicht genügend Parkplätze. Die Studenten seien es gewohnt, kostenlos zu parken, entsprechende Parkmöglichkeiten müssten vorgehalten werden. Dafür gab es von verschiedenen Seiten Absagen. „Wir setzen auf die ÖPNV-Anbindung“, so Bürgermeister Steffen Mues. Bus- und Hauptbahnhof seien fußläufig zu erreichen. Außerdem würde die Bushaltestelle am Kölner Tor ausgebaut und in Gegenrichtung an der Sandstraße eine neue angelegt. Und für die Grünen war es geradezu absurd, in der Innenstadt kostenlose Parkplätze anbieten zu wollen.
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