Vögel zwitschern zum Fortissimo im Siegener Schlosspark

Am Ende summen die Zuschauer mit: Die Open-Air-Gala der Philharmonie Südwestfalen taucht den Schlosspark in eine zauberhafte Stimmung.
Am Ende summen die Zuschauer mit: Die Open-Air-Gala der Philharmonie Südwestfalen taucht den Schlosspark in eine zauberhafte Stimmung.
Foto: Wolfgang Leipold
Was wir bereits wissen
Der Abend bleibt in Erinnerung: Temperaturen von fast 40 Grad bei einer Operngala im Siegener Schlosspark. Die Musiker der Philharmonie Südwestfalen sprachen später von „Arbeit".

Siegen.. Dieser Abend wird den Musikern der Philharmonie Südwestfalen noch lange in Erinnerung bleiben. Temperaturen von fast 40 Grad. Nicht etwa bei einer Konzerttournee durch Afrika, sondern bei einer Operngala im Siegener Schlosspark. Selbst Cellist German Prentki, von seinem Heimatland Uruguay Hitze gewöhnt, kann sich nicht daran erinnern, jemals bei solchen Temperaturen „gearbeitet“ zu haben.

Denn das Programm des Abends ist keineswegs sommerlich leicht, sondern zumindest am Anfang ziemlich inhaltsschwer. Mit Richard Wagners „Meistersingern“, „Lohengrin“ und „Tannhäuser“ geht es los: Saftig, opulent, mit großen Klängen. Fanfaren, die selbst auf dem gegenüberliegenden Lindenberg noch zu hören sind. Dazu mit dem kurzfristig eingesprungenen Frank Blees von der Staatsoperette ein prachtvoll-voluminöser Bass, dem Tenor Michael Zabanoff, der bei aller Stimmkraft sehr lyrisch singt und mühelos zwischen Kopf- und Bruststimme wechselt. Die Sopranistin Julia Borchert von der Staatsoper Stuttgart und München beeindruckt mit ihrer Vielseitigkeit zwischen Wagnerscher Dramatik und sehr zarten, wunderbar gefühlvollen Tönen.

Vom Drama zur Komik

Ungewöhnliche Nebengeräusche begleiten die Musik: Vogelgezwitscher aus den Schlosspark-Bäumen, das bei Fortissimo-Passagen besonders intensiv wird, als wollten die gefiederten kleinen Künstler in Konkurrenz mit ihren menschlichen Kollegen treten. Auch dass sich die Klänge von der Bühne bisweilen mit den Martinshörnern auf Siegener Straßen mischen, stört nicht weiter. Das ist Open Air. Von Wagner musikalisch nicht weit entfernt ist Giuseppe Verdi, zumal beide 1813 geboren sind. Ausschnitte aus „Aida“ und „Die Macht des Schicksals“ kommen ähnlich groß und dramatisch daher wie die Werke Wagners. Der musikalische Bogen geht zum Ende des Programms von der Dramatik in die Komik. Smetanas „Verkaufte Braut“ bietet ein hinreißendes Duett beider männlicher Solisten. Die streiten sich lautstark um Maria, die für 300 Gulden verkauft werden soll. Und auch das Orchester, temperamentvoll geleitet von Wagnerspezialist Martin Hoff, darf noch einmal seine beeindruckende Spielfreude, Virtuosität und Klangfülle zeigen, bevor es in die Sommerferien geht.

Traumhafte Kulisse

Das Publikum spürt die Magie des Augenblicks, das Entrücktsein von der Hektik des Alltags in einem wunderbaren Park vor der traumhaften Kulisse der Siegener Schlossmauern mit Musikern, die einen einzigartigen schönen, entspannenden Abend geschenkt haben. Als bei der Zugabe die drei Solisten singen „Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist“, summen einige Zuhörer glücklich mit. Bei einer Open-Air-Gala darf man auch das.

Souveräne Leistungen

Intendant Michael Nassauer, der souverän-informativ durch das Programm führt, darf ebenso wie Sommerfestival-Organisator Stephan Schliebs und sein Team hoch zufrieden sein angesichts der mit begeisterten Zuschauern überfüllten Wiese im Park des Oberen Schlosses.

Schwerarbeit ist der Abend auch für die Tontechnik. Ein Orchester, Instrumental- und Gesangssolisten so auszusteuern, dass ein transparenter Gesamtklang entsteht und etwa die Harfe noch im letzten Winkel des Parks gehört wird, ist eine Herkulesaufgabe. Tonmeister Sebastian Wittenberg und seine Mannschaft haben diese mit Bravour bestanden.