Das aktuelle Wetter Siegen 6°C
Tod

Viele Menschen können sich eine Beerdigung nicht leisten

17.02.2013 | 17:59 Uhr
Viele Menschen können sich eine Beerdigung nicht leisten
Für manchen ist ein Begräbnis unbezahlbar - dann muss die Kommune einspringen.Foto: Fabian Strauch

Siegerland Die Zahl der Sozialbestattungen steigt. Immer mehr Menschen sind auf Unterstützung angewiesen, wenn sie einen nahen Verwandten zur letzten Ruhe betten wollen. Oder aber sie sind selbst nicht in der Lage, für ein eigenes Begräbnis angemessen vorzusorgen.

1998 verzeichnete die Stadtverwaltung Siegen 25 Fälle „in denen die Polizei, Altenheime, Betreuer oder sonstige Personen zumindest zunächst keine Angehörigen ermitteln konnten, sodass die Ordnungsbehörde […] von den Sterbefällen in Kenntnis gesetzt worden ist“, wie es in einer städtischen Statistik heißt. In sieben dieser Fälle wurde die Bestattung dann doch durch Angehörige veranlasst. 18 Mal musste die Kommune einspringen. Dann waren entweder keine Familienmitglieder zu ermitteln, die Angehörigen konnten sich nicht einigen oder ihnen war die Bestattung nicht zuzumuten. Im vergangenen Jahr lag diese Zahl bei 37.

Anonyme Urnenbegräbnisse

5000 bis 7000 Euro werden üblicherweise für ein komplettes Begräbnis fällig. Die Sozialbestattung nach Siegener Modell kostet zwischen 2900 Euro (Feuerbestattung) und 4900 Euro (Erdbestattung). Lässt sich kein Angehöriger ermitteln oder wollen sie partout nicht zahlen, werden die verbrannten Überreste des Toten in der Regel auf dem Lindenbergfriedhof beigesetzt – anonym. Der Bestatter stellt seine Leistungen der Stadt in Rechnung. „Anschließend“, so heißt es in dem Papier weiter, „wird versucht, die entstandenen Kosten zu decken“. Zum Beispiel aus dem etwaigen Vermögen des Gestorbenen. Sind bestattungspflichtige Angehörige zu ermitteln, „wird geprüft, ob die Kosten per Leistungsbescheid gefordert werden können“.

In Kreuztal ist die bevorzugte Bestattungsvariante ebenfalls das anonyme Urnengrab. Die Kosten: circa 3500 Euro. Auch in der Stadt im Siegerländer Norden gilt es, Angehörige aufzutreiben. „Sobald wir von einem entsprechenden Todesfall erfahren, wird versucht, bestattungspflichtige Hinterbliebene zu ermitteln“, teilt die Verwaltung mit. Sie sollen die Begräbniskosten tragen oder Bestattung selbst veranlassen. Im Jahr 2012 zählte Kreuztal zehn Sozialbestattungen. 2011 waren es vier, im Jahr zuvor doppelt so viele.

Zuschuss zu Bestattungskosten hängt von wirtschaftlichen Verhältnissen ab

In Wilnsdorf hingegen sind weitgehend konstante Zahlen dokumentiert. In den zurückliegenden fünf Jahren sind nach Angaben der Gemeindeverwaltung jährlich drei bis fünf Anträge auf Übernahme der Kosten für eine Sozialbestattung eingegangen. „Hierbei halten sich Feuer- und Erdbestattungen die Waage“, heißt es von offizieller Seite. Ein Trend zu einer bestimmten Art des Begräbnisses sei nicht zu erkennen. Die Höhe der Zuschüsse falle unterschiedlich aus. Schließlich ist der Nachlass „vorrangig einzusetzen“. Ein Zuschuss werde „in Abhängigkeit von den wirtschaftlichen Verhältnissen der Antragsteller gezahlt“.

Jens Plaum



Kommentare
18.02.2013
12:18
Auch hier die Kommunalisierung der Risiken des Humankapitals
von meigustu | #2

Was heute die Kommune zahlen muss wurde früher durch die Sozialversicherung beglichen, sprich es wurden landesweit alle Unternehmer beteiligt, die mal davon profitierten, diesen Menschen einen Hungerlohn gezahlt zu haben.

18.02.2013
11:39
Viele Menschen können sich eine Beerdigung nicht leisten
von puffi | #1

Wo soll das Geld auch herkommen, wenn man z.B. bei Amazon beschäftigt ist????

1 Antwort
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #1-1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Aus dem Ressort
Siegener Studenten entwickeln die NRWCampusRadioApp
Campusradios
Studenten der Uni Siegen haben eine neue App entwickelt. Damit ist es möglich, das aktuelle Programm von insgesamt 13 Campusradios in NRW auf dem Smartphone zu hören. Anfang dieser Woche ist die App an den Start gegangen. Der Download ist kostenlos.
Eine Gala für 17 muntere Dörfer mit Zukunft
Siegerehrung
„Mein Papa packt sich gerade an den Kopf.“ „Der sollte sich lieber die Ohren zuhalten“, rät Moderatorin Anne Willmes. Roxana Küthe, mit 18 Jahren die Jüngste im Beienbacher Sieger-Team, hat gerade aus dem Nähkästchen des Golddorf-Lebens geplaudert. Dass die Dorfjugend den Erlös vom selbst...
Kuhmichel-Reliefs im Geisweider Rathaus
Geschichte
Die Reliefs, die Künstler Hermann Kuhmichel schuf und die bis zu seinem Abriss 2009 im Krupp-Hochhaus an der Geisweider Straße hingen, haben eine neues Zuhaus gefunden. Und zwar nur wenige hundert Meter entfernt.
Weidenauer Hallenbad geschlossen
Freizeitsport
„Das war natürlich ein Schock, dass der Betrieb hier direkt eingestellt wird.“ Steffen Pietschmann ist Jugendwart beim DLRG. Normalerweise bietet die Organisation jeden Dienstag im Hallenbad Weidenau Schwimmtraining an. Rund 250 Kinder nehmen daran teil. Das ist in der nächsten Zeit nicht mehr...
Kleinwagen fährt auf HTS in Leitplanke und überschlägt sich
Polizei
Gegen acht Uhr morgens ist ein 59-jähriger Mann aus Bergheim am Montag mit seinem Auto von der Fahrbahn ab. Er war auf der HTS in Richtung Kreuztal unterwegs.
Fotos und Videos
Forschung über Streetart
Bildgalerie
Streetart
WP-Schützenköniginnen
Bildgalerie
Preisverleihung
Bürgerfest in Geisweid
Bildgalerie
Fotostrecke
Kurden demonstrieren in Siegen
Bildgalerie
Konflikt