Viel zu nett für ein Duell

Irgendwann sind die Bierdeckel aufgebraucht, auf denen die Anhängerschaften ihren Frontmännern die Stichworte aus den Wahlprogrammen in den Mund gelegt haben. Es folgt: der Klartext. „Langweilig“ seien die beiden, behauptet jemand. Ob sie sich auch für irgendetwas begeistern können? Holger Menzel erzählt von Fahrradtouren mit einem Kumpel, oben auf dem Berg — „oah, ist das schön hier.“ Sven Wengenroth spricht vom Feiern, am besten und am liebsten in Müsen. Was, wenn sie das Füllhorn voller Geld ausschütten könnten? Den Kulturellen Marktplatz realisieren, „damit das Thema vom Tisch ist“, sagt Wengenroth sofort. „Eigentlich brauchen wir kein Füllhorn“, sagt Menzel, „wir schaffen das auch allein.“

Die erste öffentliche Begegnung der Kandidaten ist kein Duell — dafür sind beide zu nett. Vor allem Sven Wengenroth, der sich immer wieder auf Antworten seines Mitbewerbers bezieht, während Menzel das tunlichst vermeidet. Bestimmt ist Wengenroth größer als Menzel. Man sieht das nur nicht, solange der eine immer steht und der andere immer auf der Tischkante sitzt.

Überraschung mit Vorbildern

Langweilig? Man müsste den beiden auf den ersten Blick grundverschiedenen Typen nur die richtigen Fragen stellen. Die nach ihren Vorbildern zum Beispiel. Beide nennen, durchaus anrührend belegt, ihre Eltern. Und in der Politik? Da überraschen beide. „Wie soll’s anders sein für einen Sozi?“, fragt Wengenroth zurück und nennt — nicht Willy Brandt („Mehr Demokratie wagen“), sondern Helmut Schmidt, den autoritären Dauer-Quarzer. Menzel bekennt sich zu Heinrich Weiss, dem Hilchenbacher Unternehmer mit „Weitblick“, sagt er. Ob das auch dessen Tändelei mit der AfD gilt, könnte man ja beim nächsten Mal fragen.