Viel mehr Lehrstellen als Bewerber

Der Kampf um Auszubildende wird härter: Erstmals gab es in der Region deutlich mehr Bewerber auf Lehrstellen als Ausbildungsplätze.
Der Kampf um Auszubildende wird härter: Erstmals gab es in der Region deutlich mehr Bewerber auf Lehrstellen als Ausbildungsplätze.
Foto: picture alliance / dpa
Was wir bereits wissen
Trendwende soll sich schon bald bemerkbar machen. Kammern, Gewerkschaft und Arbeitsagentur richten deshalb einen Appell an Unternehmen.

Siegen-Wittgenstein/Olpe..  Bewerber um eine Lehrstelle können sich jetzt den Ausbildungsplatz aussuchen: In den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe gibt es erstmals deutlich mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. Die Zahl der bei der Arbeitsagentur registrierten Lehrstellen stieg um 423 auf 2944. Gleichzeitig schlagen sich die geburtenschwächeren Jahrgänge in geringeren Bewerberzahlen nieder: Die Zahl der registrierten Ausbildungssuchenden ging um 294 Jugendliche auf 2714 zurück. Die Zahl der unversorgten Bewerber sank auf 1408 junge Männer und Frauen, die Anzahl der bisher unbesetzten Ausbildungsplätze stieg auf 1431 Lehrstellen.

Potenzial junger Migranten nutzen

IHK-Geschäftsführer Klaus Fenster rechnet damit, dass die Trendwende künftig wesentlich deutlicher zu Tage treten wird. „Nicht mehr die Probleme Jugendlicher eine freie Ausbildungsstelle zu finden, prägen die Situation“, so der Leiter des Geschäftsbereichs berufliche Bildung: Zukünftig sei der Markt von der Schwierigkeit der Unternehmen geprägt, ihre freien Ausbildungsstellen mit geeigneten Bewerbern zu besetzen.

„Kampf um die Köpfe wird härter“

Es gelte, Abiturienten für den Wert einer dualen Ausbildung zu begeistern und das Potenzial junger Migranten zu erschließen. Ähnlich äußerte sich Jürgen Haßler, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Westfalen-Süd: „Der Kampf um die Köpfe wird härter.“

Im Kreis Siegen-Wittgenstein stieg die Anzahl der gemeldeten Ausbildungsstellen um 279 Lehrstellen an, ein Plus von 20,7 Prozent. Gleichzeitig sank die Zahl der Bewerber um 7,2 Prozent auf 1808 Jugendliche. „Im Kreis Siegen-Wittgenstein gibt es zurzeit noch mehr Bewerber als Ausbildungsstellen. Da für die jungen Menschen Grenzen bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle keine große Rolle spielen, gleicht sich dieser Effekt aus“, so Dr. Bettina Wolf, Leiterin der Arbeitsagentur. Wolf rechnet außerdem damit, dass auch in Siegen-Wittgenstein eine vollständige Trendwende bald vollzogen sei. Werner Leis, Vorsitzender des DGB im Kreis Siegen-Wittgenstein, forderte vor diesem Hintergrund die Unternehmen auf, ihre Ausbildungsplätze der Agentur für Arbeit zu melden. Wie Klaus Fenster weist er darauf hin, dass die duale Berufsausbildung in einer zunehmenden Konkurrenzsituation stehe, „mit sonstigen Ausbildungen, z.B. der universitären.“

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