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Verschmuster Polarfuchs in Siegen erschossen

17.08.2012 | 06:00 Uhr
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Verschmuster Polarfuchs in Siegen erschossen
Carmen und Wolfgang Wagener halten einen zahmen Fuchs in Siegen. Smirre ist bereits der zweite Fuchs. Der Vorgänger Efel wurde erschossen.

Siegen.   Carmen und Wolfgang Wagener aus Siegen halten sich ein nicht alltägliches Haustier - einen Polarfuchs. "Smirre" lebt auf der Fischbacherberg. Wageners erster Polarfuchs, "Efel", war vor Monaten bei einem eigenmächtigem Spaziergang erschossen worden.

Er sieht aus wie ein Hund, verhält sich aber wie eine Katze. Kuschelig und groß, aber dennoch mit einem ausgeprägten Willen ausgestattet. Liebevoll streichelt Carmen Wagener den kleinen Fuchs auf ihrem Schoß. Smirre lebt seit Juni auf dem Fischbacherberg in Siegen. Direkt am Waldrand, im alten Hühnerstall. Es ist nicht der erste Fuchs der Wageners. Smirres Vorgänger, Polarfuchs Efel, wurde der eigener Wille zum Verhängnis. Er wurde auf einem Spaziergang durch die Nachbarschaft erschossen.

„Am 21. Mai, das war ein Montag, ist uns Efel ausgebüxt“, erinnert sich Carmen Wagener. Der junge Fuchs mit dem prächtigen silberfarbenen Fell war ein Freigänger, ließ sich nicht gern das Geschirr anlegen und war dennoch ein liebenswerter Kerl. „Er hat jede Menge Blödsinn angestellt und war sehr verschmust“, sagt Wolfgang Wagener. Noch am Abend als Efel verschwand hatte er in der Nachbarschaft Vermissten-Plakate ausgehängt und Polizei und Tierheim informiert. „Zwei Tage später hat uns die Polizei bestätigte, dass der Fuchs nicht mehr lebt. Er soll vom Jagdpächter erschossen worden sein“, sagt Wolfgang Wagener und ist immer noch sauer. Vor allem deshalb, weil er keine Chance hatte, das Tier noch einmal zu sehen.

Kadaver in Arnsberg untersucht

Bei der Polizei ist der Vorgang zwar bekannt, Polizeisprecher Georg Baum verwies jedoch auf unsere Anfrage an die Kreisverwaltung. „Wir wurden informiert, als das Tier schon tot war und gefragt, was nun zu tun sei“, erklärt Stefanie Wagner, Sprecherin der Kreisverwaltung Siegen-Wittgenstein. „Das geregelte Verfahren ist, dass der Kadaver in Arnsberg als Vorsichtsmaßnahme auf eventuelle Krankheiten untersucht und dann entsorgt wird.“ Zurück komme von dort kein Tier mehr. „Efel sah aber auch nicht aus wie ein normaler Fuchs. Es muss doch jedem klar gewesen sein, dass es sich hierbei nicht um einen gewöhnlichen Fuchs gehandelt haben kann“, wirft Wagener den Behörden vor. Von ihnen fordert er nun 4000 Euro Schadensersatz. So viel, wie ihn die Anschaffung des silberfarbenen Polarfuchses gekostet hat.

Und allein diese Geschichte wie der Fuchs nach Siegen kam, ist erzählenswert. Sie führt von Nowosibirsk über Moskau nach Frankfurt auf den Fischbacherberg. Wageners werden durch einen Artikel im National Geographic im April 2011 auf die zahmen Füchse in Nowosibirsk aufmerksam, schrieben gleich an das Institut in Russland und bekamen eine Zusage. Kosten: 3000 US-Dollar.

Tiertrainer Marco Heyse hilft mit "Smirre"

Das Ehepaar erkundigte sich zunächst beim Veterinäramt in Siegen, was bei der Einfuhr zu beachten ist. „Die Antwort war dort, er könne entsprechend der EU-Vorschriften für Hunde eingeführt werden“, so Wagener. So wurde das Tier geimpft und gechipt. Der erste Einfuhrversuch nach Frankfurt scheiterte, weil das Umweltamt Hessen feststellte, dass „ein Fuchs ist kein Hund ist“. Beim zweiten Anlauf klappte es: Wolfgang Wagener flog selbst nach Moskau, um Efel abzuholen. Und so betrat der russische Fuchs am 27. April zum ersten Mal deutschen Boden. Und starb nur einen Monat später.

Wageners ließen sich nicht unterkriegen. In ihr Haus gehört ein Fuchs. Deshalb erkundigten sie sich bei dem deutschen Tiertrainer Marco Heyse, ob er noch einen Fuchs übrig habe. Für den Nils-Holgersson-Film hatte er zwei zahme Füchse aus Nowosibirsk gekauft. Und so zog der echte Smirre aus dem Kinofilm bei Wageners ein. das Ehepaar hat jetzt ein bisschen Sorge, dass Smirre das gleiche Schicksal ereilt wie Efel.

Ilka Wiese

Kommentare
17.09.2012
19:29
Verschmuster Polarfuchs in Siegen erschossen
von Wildtierschutz | #8

Polarfüchse unterliegen in Deutschland nicht dem Jagdrecht. Sie dürfen somit nicht bejagt werden. In der Liste des BJagd §2 steht Vulpes vulpes L aber nicht Vulpes lagopus, syn. Alopex lagopus.
Somit liegt mindestens ein Tierschutzvergehen wenn nicht sogar Naturschutzvergehen vor. Dem Jäger ist der Jagdschein zu entziehen.

17.08.2012
12:51
Thema ausgegraben
von r2d2amrum | #7

Sommerlochthema? Praktikantenschreibe?

Um diesem Thema gerecht zu werden, hätte man den Jäger auch einmal fragen sollen, wie sich der Schmusefuchs denn überhaupt verhalten hat. Die meisten Jäger haben Hunde und ballern nicht ohne Weiteres in der Gegend herum.

Dann ist der Halter dafür verantwortlich, dass das Tier nicht ausbüchst. Die möglichen Konsequenzen sind bekannt. Zudem sehe ich den Trend zu immer exotischeren Haustieren sehr, sehr kritisch. Vom Polarfuchs bis zur Python gab es in dieser Woche Meldungen von verendeten Tieren.

Tierliebe oder Egomanie ist jeweils die Frage? Bei etwas kritischer Distanz hätte die Autorin diese sicherlich auch aufwerfen können. "Das arme Tier .. " hilft dem zweiten sibierischen Fuchs auch nicht wirklich.

17.08.2012
11:11
Verschmuster Polarfuchs in Siegen erschossen
von Catman55 | #6

Alles wird abgeballert, was den Beuteneid der Jägerschaft erregen könnte.

17.08.2012
10:39
Verschmuster Polarfuchs in Siegen erschossen
von Harry.Hirsch | #5

Es wird höchste Zeit, das das Jagdrecht mal geändert wird.....

5 Antworten
Verschmuster Polarfuchs in Siegen erschossen
von Unverkennbar | #5-1

Damit wir demnächst allen möglichen Mist in unseren Wäldern rumlungern haben? Was glauben Sie was die Leute alles einführen würden.

Verschmuster Polarfuchs in Siegen erschossen
von Wildtierschutz | #5-2

Dann geht am 22 Sept. in Düsseldorf auf die Gegendemo. Ein paar Jäger demonstrieren dort für die Beibehaltung tierquälerischer Praktiken wie Haustierabschuss, Hundeausbildung an lebenden Tieren, Fallenjagd usw. Es ist eine Gegendemo angemeldet die sich für ein neues Jagdrecht einsetzt. Angesicht des tragischen Todes eine unbeteiligten Waldspaziergänger in Franken der eine Verlobte und ein Kind zurück läßt ist eine Änderung dringender denn je. Auch hier konnte ein Jäger nicht unterscheiden auf was er scheißt. Hauptsache abgedrückt und tot.

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Name von Moderation entfernt | #5-4

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Verschmuster Polarfuchs in Siegen erschossen
von Wildtierschutz | #5-5

Geht am 22 Sept ab 11:00 Uhr zum Düsseldorfer Landtag und demonstriert für die Änderung der Jagdgesetze. Jäger demonstrieren auf der anderen Seite für die Beibehaltung ihrer tierquälerischen Praktiken. Haustierabschuss, Hundeausbildung an lebenden Tieren, Schliefenanlagen, Fallenjagd usw.

17.08.2012
09:50
Verschmuster Polarfuchs in Siegen erschossen
von michaelliedtke | #4

Ein Fuchs für 3.000 Dollar wird vom Jagdpächter erschossen und der Besitzer will 4.000 € von den "Behörden"?
Was ist das denn für eine Geschichte?

2 Antworten
Verschmuster Polarfuchs in Siegen erschossen
von Unverkennbar | #4-1

Die ganze Arbeit muss sich doch auch lohnen oder?

Verschmuster Polarfuchs in Siegen erschossen
von missmarple59 | #4-2

3.000 Dollar waren an das Institut zu bezahlen in Novosibirsk. Und von dort mußte der Fuchs nach Deutschland. Das kostet extra. Und dann sind da noch Einfuhrgebühren, Gebühren für die Genehmigung, Gebühren für die Überweisung von 3.000 Dollar. Deswegen 4.000 €

17.08.2012
09:32
Verschmuster Polarfuchs in Siegen erschossen
von mirabiledictu | #3

Da geht es Familie Wagener leider wie vielen tausenden Katzen- und Hundehaltern jedes Jahr in Deutschland. Gerade als Halter eines Tieres, welches das Grundstück selbständig ohne Begleitung verlässt, muss man sich über die Gefahren im Klaren sein, die so ein ungeschützter Freigang nach sich zieht. Offizielle Zahlen sprechen leider für sich.

Mit Sicherheit wird aber niemand den Kaufpreis erstatten, falls unser schweineteurer Rassekater (gerne mal für einen kleinen Luchs gehalten) sich wieder auf Fasanjagd begeben hat und dabei vom Jäger erwischt wird.... So bescheiden wie man es findet: leider hat der Jagdpächter unter gewissen Voraussetzungen das Recht dazu, allein herumstreifende Raubtiere zu erschießen. Traurig ist es allemal. Aber es sollte zum Nachdenken anregen - und dazu, das Tier in einem gesicherten Garten zu halten. Ohne Freigang.

1 Antwort
Verschmuster Polarfuchs in Siegen erschossen
von missmarple59 | #3-1

Das haben wir gemacht. Aber so ein Fuchs ist schlau. Deswegen kann man nie ausschließen, dass er mal ausbüxt. Allerdings jagt der Fuchs nicht. Das kann er nicht.

17.08.2012
09:13
Verschmuster Polarfuchs in Siegen erschossen
von Unverkennbar | #2

Ich halte im Gemeinschaftsgarten des Mietshauses ein Rudel verschmuste Hyänen. Wehe, denen passiert etwas.

1 Antwort
Verschmuster Polarfuchs in Siegen erschossen
von missmarple59 | #2-1

Das wird nicht passieren. Denn die Polizei hielt den Fuchs für heimisch und krank. Das Hyänen nicht heimisch sind, müßte jedes Kind wissen. Wenn sie niemanden angreifen, wird man sie einfangen und in ein Tierheim bringen

17.08.2012
09:01
Verschmuster Polarfuchs in Siegen erschossen
von holmark | #1

O weh, hoffentlich muss ich nicht damit rechnen, dass meine verschmuste Klapperschlange demnächst erschossen wird...

1 Antwort
Verschmuster Polarfuchs in Siegen erschossen
von Wildtierschutz | #1-1

Sie sollten sich lieber darüber Gedanken machen ob nicht ihre spielenden Kinder einem Jäger zum Opfer fallen könnten wenn ein Jäger einen Polarfuuchs nicht von einem normalen Fuchs unterscheiden kann oder will. Abwegig? Dann schauen sie nach Bayern.

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