Verkehrswegeplan ist kein Bauplan

Bad Berleburg..  Die Verkehrsanbindung Wittgensteins an das Siegerland, die Route 57, hat einen engagierten Streiter verloren, nachdem Paul Breuer sich nicht mehr als Landrat für das Projekt engagiert. Wir sprachen mit dem heimischen Bundestagsabgeordneten Volkmar Klein über die Chancen.

Frage: Als Mitglied des Haushaltsausschusses des Bundestags können Sie finanzielle Zwänge gut beurteilen. Welchen Einfluss haben die auf eines der wichtigsten Zukunftsprojekte der Region, die Route 57?

Volkmar Klein: Die Straße muss zunächst mal im Bundesverkehrswegeplan berücksichtigt sein, der Ende des Jahres neu aufgestellt wird. Ich kämpfe dafür, aber es ist auch schwierig, weil unser Raum bei der Kosten-Nutzen-Analyse deutlich im Nachteil ist. Darin wird beispielsweise bewertet, wie viel Autos in welchem Zeitraum die Strecke nutzen oder welche Zeitersparnis pro Tonne Lkw-Ladung erreichbar wäre. An solchen Parametern wird die Bedeutung gemessen. Wenn die strukturelle Aufstellung einer Region einfließen würde – wir haben als Kreis immerhin eine Exportquote von 52 Prozent – dann würden unsere Projekte weit höher bewertet als bisher.

Welche Chancen bestehen denn tatsächlich, wenn die Verkehrsanbindung Siegen-Wittgenstein im Bundesverkehrswegeplan berücksichtigt wird?

Der Bundesverkehrswegeplan ist ja kein Bauplan. Sicher ist nur, dass nicht gebaut wird, was nicht drin ist. Umgekehrt heißt das aber nicht, dass auch alle Projekte gebaut werden, die enthalten sind. Die Chancen ständen auf jeden Fall besser, wenn die wirtschaftlichen Stärken der Region in den Parametern berücksichtigt wären. Dazu ist es aber jetzt zu spät. Darum haben sich zu wenige Menschen gekümmert.

Und letztlich hängt der Bau dann auch noch am Land NRW, das in Sachen Straßenbau wohl nicht unbedingt eine Vorreiterrolle einnimmt. Ist da nicht auch eine ideologische Hürde?

In der Vergangenheit ist das für NRW vorgesehen Geld vom Bund durch das Land nicht ausgeschöpft worden. Die anderen Bundesländer haben sich darüber gefreut. NRW könnte mehr bekommen, blockiert aber. Natürlich gibt es da eine große ideologische Kluft. Ich hoffe, dass sich die Vernünftigen durchsetzen. Es scheint aber so, als ob die Grünen in solchen Fragen das Sagen haben und weniger passiert als für das Land gut ist.

Nachdem Landrat Paul Breuer als starker Verfechter Wittgensteiner Interessen und insbesondere der Route 57 nicht mehr im Amt ist, könnte man meinen, dass die Interessen des Altkreises im Kreis nicht mehr ganz so wichtig sind. Stimmt dieser Eindruck?

Ich denke, dass die Siegerländer die Wittgensteiner Interessen auch mit berücksichtigen. Ich würde mir aber noch den ein oder anderen Wittgensteiner wünschen, der sich auf Kreisebene engagiert. Ich persönlich mache jedes Jahr eine Mountainbike-Tour nach Wittgenstein, und versuche auch ansonsten Kontakte hierher zu pflegen und zu stärken und einen emotionalen Schulterschluss hinzukriegen. Wittgenstein ist schließlich ein typisches Stück Deutschland mit dem höchsten Wald- und Exportanteil.

Wenn die gute Fee käme und Ihnen drei Wünsch mit Bezug auf Wittgenstein erfüllen würde, welche wären das?

Zunächst natürlich einmal eine bessere Verkehrsanbindung. Und dann würde ich mir wünschen, dass in Sachen Klima und Emissionen der Wald stärker berücksichtigt würde. Das würde den Mittelfluss nach Wittgenstein deutlich stärken. Und ganz persönlich wünsche ich mir, dass ich noch mehr Zeit für die Region hätte als bei einer dreitägigen Mountainbike-Tour, die ich in jedem Jahr von Burbach nach Wittgenstein mache.