Urteil im größten Siegener Amphetamin-Prozess ist gefallen

Amphetamine sind ein verbotenes und mitunter gefährliches Aufputschmittel.
Amphetamine sind ein verbotenes und mitunter gefährliches Aufputschmittel.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Ein Zufallsfund hat zum bislang größten Amphetamin-Prozess der Siegener Justizgeschichte geführt. Es ging um insgesamt zehn Kilo Drogen.

Siegen.. Am 5. März durchsuchte die Siegener Polizei die Wohnung eines Mannes, dem Eigentumsdelikte vorgeworfen wurden. Dabei warfen die Beamten einen Blick in den Keller – und fanden eine Sporttasche, bis an den Rand gefüllt mit zehn Kilo Amphetamin. Fingerabdrücke und DNA-Spuren führten zum Bruder Hasib C., der wegen Besitzes von und Beihilfe zum Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge von der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts zu vier Jahren Haft verurteilt wurde.

Ausführliches Geständnis

Der 32-Jährige schwieg bis zur Hauptverhandlung, legte dann aber ein ausführliches Geständnis ab. Er sei von seinem Cousin nach einem Depot für dessen Drogen gefragt worden, habe kurz überlegt und dann an den Keller seines Bruders gedacht. Er besorgte sich dessen den Schlüssel, ohne das Amphetamin zu erwähnen, brachte die Tasche im Februar im Keller unter und ließ es zu, dass der Cousin im Laufe der nächsten Tage das Lager noch aufstockte. „Dabei hat er den Schlüssel immer behalten und damit auch die Verfügungsgewalt.“, so die Vorsitzende Richterin Sabine Metz-Horst.

Der Syrer war mit seiner Mutter und zwei Brüdern als Kind nach Deutschland gekommen. 1997 wurde die Familie abgeschoben, nur der älteste Bruder durfte bleiben. Später reiste der Angeklagte unter einem türkischen Namen mit falschem Pass wieder ein und lebte seither im Siegerland. Er hatte Gelegenheitsjobs, lebte im Frühjahr „von Hartz IV und einem kleinen Autohandel“. Für die Aufbewahrung des Amphetamins erhielt er 500 Euro von seinem Cousin.

32 000 Konsumeinheiten

Staatsanwalt Manfred Lischeck hatte viereinhalb Jahre gefordert. Verteidiger Rimmel wollte eine Aussetzung des Haftbefehls und bot eine Kaution an. Die Vorsitzende begründete das Urteil von vier Jahren mit dem Geständnis und dem Eindruck, „dass der Angeklagte einen Schlussstrich ziehen will“. In Zusammenhang mit seiner Scheidung wurde Hasib C. einmal wegen Körperverletzung verurteilt, ansonsten gab es keine Vorstrafen.

Allerdings lasse seine Bemerkung zu einem der Polizisten, „ausgerechnet heute“ sei die Drogenmenge so groß, die Vermutung zu, „dass Sie doch ein bisschen mehr über die Sache wissen“. Zehn Kilo Amphetamin sei vor der Siegener Kammer noch nie verhandelt worden, „das sind rund 32 000 Konsumeinheiten“.

10 000 Euro Kaution vor Ort bar bezahlt

Die Umstände erlaubten dem Gericht aber eine positive Prognose, befand Sabine Metz-Horst und setzte den Haftbefehl unter engen Auflagen außer Vollzug. Hasib C. musste seinen syrischen Pass abgeben und 10 000 Euro Sicherheitsleistung hinterlegen. Seine Lebensgefährtin hatte Ausweis und Geld in der Tasche. Außerdem muss sich der Verurteilte zweimal wöchentlich bei der Polizei melden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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