Wohnheim – Uni und Studentenwerk sollen nach Konsens suchen

Nach dem Wunsch des Gestaltungsbeirats soll der Campus Richtung Norden/Halde der Edelstahlwerke erweitert werden. Der derzeitige Schotterparkplatz ist im linken oberen Bildbereich erkennbar.
Nach dem Wunsch des Gestaltungsbeirats soll der Campus Richtung Norden/Halde der Edelstahlwerke erweitert werden. Der derzeitige Schotterparkplatz ist im linken oberen Bildbereich erkennbar.
Foto: Hans Blossey
  • Kanzler bietet Studentenwerk Alternativlösung auf dem Gelände an
  • Unverständnis aus der Lokalpolitik über späte Bedenken
  • Gestaltungsbeirat plant Campus nach amerikanischem Vorbild

Siegen..  Die Universitätsleitung bietet dem Studentenwerk Siegen an, für Umplanungsvorhaben beim Neubau des Wohnheims auf dem Schotterparkplatz am Campus Adolf-Reichwein-Straße (wir berichteten) in die Bresche zu springen. „Wir möchten einen gemeinsamen Campus als einen attraktiven Standort“, betont Kanzler Ulf Richter, „eine langfristige Bauplanung aus einem Guss.“ Um sich mit dem Studentenwerk auf eine gemeinsame Lösung zu verständigen, hat Richter den Siegener Rat gebeten, die für Mittwoch, 30. November, vorgesehene Entscheidung über den Plan des Studentenwerks zu vertagen. Dem werden die Fraktionen der Jamaika-Koalition heute wohl zustimmen.

„Wir wollen, dass sich beide Seiten verständigen, bevor die Politik eingreift“, so Klaus-Volker Walter, Fraktionschef der FDP. Er äußerte allerdings Unverständnis darüber, dass die Uni erst jetzt Bedenken anmeldet: „Die Beschlüsse standen längst fest, wenn jetzt alles wieder aufgerollt wird...“ Spätestens in der folgenden Ratssitzung am 12. Dezember müsse die Entscheidung endgültig fallen.

Campus nach amerikanischem Vorbild

Eine Absetzung des Tagesordnungspunktes Ergänzungssatzung „Studentisches Wohnen am Campus Nord“ bedeutet, dass die Satzung nicht beschlossen und somit kein Baurecht geschaffen wird, so dazu die städtische Liegenschaftsabteilung, der Schotterparkplatz bleibt rechtlich weiterhin Außenbereich. Bei der Ergänzungssatzung handele es sich zudem um die Ausweisung von Bauflächen, nicht um die Genehmigung eines konkreten Bauvorhabens. Dies bedarf einer späteren Baugenehmigung.

Laut des Masterplans, der als eine Vision für den Standort dient, wünscht sich der Gestaltungsbeirat der Uni langfristig einen Campus nach amerikanischem Vorbild (siehe Grafik): Um eine zentrale Freifläche als „grüner Mitte“ gruppieren sich Gebäude, in denen Hochschuleinrichtungen und universitätsnahe Forschungseinrichtungen (Science Campus) untergebracht sind. Ein wichtiger Baustein, betont Kanzler Richter, ist in diesem Zusammenhang auch studentisches Leben auf dem Campus, das in ein Wohnheim im westlichen Teil des Gesamtkomplexes einziehen könnte.

Kapazitäten sicherstellen

Würde das Studentenwerk auf den Neubau in seinem derzeitigen Planungszustand verzichten, so das Angebot der Uni, würde in einem Alternativszenario ein Gebäude des entstehenden Komplexes zur Verfügung gestellt, das den benötigten Kapazitäten des Studentenwerks entspricht. „Wir würden weitere Flächen zur Verfügung stellen, um die Kapazität sicherzustellen. Auch zusätzliche Kosten durch die Planungsänderung könnte die Universität übernehmen“, so Richter.

Das derzeitige Bauvorhaben, so die Befürchtung, würde wie ein Riegel in die zentrale grüne Mitte hineinragen und Linienführung sowie Trassenverlauf beeinträchtigen. Straßen- und Gebäudefluchten orientieren sich in weiten Teilen an der bestehenden Bebauung sowie Straßenverläufen, an denen künftige Bauvorhaben hin zu einem Großcampus am Haardter Berg ausgerichtet werden.

Externe Moderation angeregt

Unter Umständen, auch das eine Befürchtung der Universität, müssten auch Fluchtwege anders verlaufen, wenn das Wohnheim als „Sperrriegel“ in die Pläne der Uni hineinrage. „Unsere Sorge ist es, dass Fakten geschaffen werden, die den Masterplan negativ beeinflussen können“, so Richter. Seine Hoffnung: Mit dem Studentenwerk zu einer Konsenslösung kommen, möglicherweise durch eine externe Moderation.

In der Vergangenheit hatte es offenbar Kommunikationsprobleme in der Sache zwischen Universitätsleitung und Geschäftsführung des Studentenwerks gegeben, Gespräche fanden nicht statt. Die Siegener Ausschüsse hatten einmütig zugestimmt, die Uni hat nun den Rat, der heute über den Bauantrag des Studentenwerks entscheiden soll, um Aufschub gebeten – in der Hoffnung, in der Zwischenzeit eine einvernehmliche Lösung zu finden.

„Wir liegen eigentlich nicht so weit auseinander“, so das Friedensangebot des Kanzlers in Richtung Studentenwerk, man wolle sämtliche Möglichkeiten ausschöpfen, um eine juristische Auseinandersetzung zu vermeiden.

HINTERGRUND: DER MASTERPLAN

Der Masterplan ist auf Grundlage eines Werkstattverfahrens im Gestaltungsbeirat der Uni entstanden. Das Gremium setzt sich aus Städte- und Verkehrsplanern sowie Vertretern von Stadt, Studentenwerk und Uni zusammen.

Außer Studentenwerks-Geschäftsführer Detlef Rujanski stimmte der Beirat grundsätzlich für die derzeitigen mehrstufigen Planungen; die Gestaltung von Fassaden, Oberflächen und Straßenbelägen werden in einem zweiten Schritt festgelegt.

„Wir lassen uns unser Wohnheim nicht kaputt machen“, stellt Burkhard Lutz, Abteilungsleiter Wohnen beim Studentenwerk klar: Man sei bereit, auch Kindertagesstätte und die Kinderbetreuung „Flexi“ aufzugeben – wenn es gleichwertige Gebäude als Ersatz gebe. Im Masterplan seien einfach vorhandene Gebäude und Grundstücke des Studentenwerks überplant worden, ohne vorher zu fragen.

Die Lokalredaktion Siegen ist auch bei Facebook.