Uni und Museum mit digitalen Schritten ins Gedenken

Das Aktive Gedenkbuch für NS-Opfer ging am Montag online.
Das Aktive Gedenkbuch für NS-Opfer ging am Montag online.
Foto: Jens Plaum
Was wir bereits wissen
Universität Siegen, Kreis Siegen-Wittgenstein und Aktives Museum Südewestfalen zeigen seit Montag die digitale Seite des Erinnerns.

Siegen..  Zu den prominenteren Einträgen gehört die Biografie Walter Krämers.

Der als Arzt von Buchenwald bekannt gewordene Humanist und in Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern Geehrte ist aber bei Weitem nicht die einzige Persönlichkeit, die im Aktiven Gedenkbuch für NS-Opfer, www.aktives-gedenkbuch.de, auftaucht. In dieser digitalen Version des Nichtvergessens wird der Siegerländer und Wittgensteiner gedacht, die von Nationalsozialisten umgebracht wurden oder an den Folgen ihrer Haft starben. Die Seite ging am Montag online.

Wer ist der Adressat?

Das Angebot richtet sich an eine „heterogene Zielgruppe“, erläutert Professorin Angela Schwarz, Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte Uni Siegen. Es ist sowohl an Schulklassen, Studenten, interessierte Laien sowie Fachleute adressiert. Hochschule, Aktives Museum Südwestfalen und Kreis erarbeiteten gemeinsam die Konzeption und technische Umsetzung. In einem ersten Schritt legten Fachleute 1476 Datensätze an. 1386 davon sind öffentlich zugänglich. Wer etwa im Namensverzeichnis nach einer Alexandra Korsak sucht, erfährt, dass sie als Kind sowjetischer Zwangsarbeiter am 5. März 1945 in Langenau starb und in Buschhütten beerdigt ist. Ausführlichere Biografien finden sich zu den Opfern, an die bereits ein Stolperstein erinnert, zum Beispiel die Holländers aus Hilchenbach, im April 1942 nach Zamosc deportiert.

Woher stammen die Informationen, die bereits verfügbar sind?

Im Wesentlichen sind bislang Informationen verarbeitet, die das Aktive Museum seit 1973 gesammelt hat, heißt es von offizieller Seite. Museumsleiter Klaus Dietermann und der Historiker Ulrich F. Opfermann sammelten über Jahre hinweg Namen und Daten von Opfern. Ein wichtiger Teil sind die Stolperstein-Erkenntnisse. Das Gedenkbuch ist allerdings lebendig – im digitalen Sinn. Das bedeutet, es wird vermutlich nie fertig. Dennoch formuliert Angela Schwarz das „utopische Ziel, irgendwann alle NS-Opfer aus Siegen-Wittgenstein verzeichnet“ zu haben. „Die Nutzer sollen uns unterstützen“, sagt Klaus Dietermann. „Sie sollen Biografien oder Texte zu Opfern schreiben, zu denen noch nichts geschrieben steht.“

Angebot mit didaktischem Anspruch

Die Seite will jedoch nicht nur sammeln. Die Macher verfolgen auch didaktische Ziele. Schüler etwa sollen sich mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzen können. Der Geschichte werde mit Hilfe der Opferschicksale ein Gesicht gegeben, jenseits von Statistiken und dergleichen, betont Professorin Bärbel Kuhn, Didaktik der Geschichte an der Uni Siegen. Sie sollen mit unterschiedlichen – auch ungewöhnlichen – Arten des Gedenkens vertraut gemacht werden. Die Homepage bietet Quellen, Literatur und andere Arbeitsmaterialien. Auf der anderen Seite sollen auch Studenten vom digitalen Erinnern profitieren. Die Seite ist Thema eines Seminars für Lehramtsstudenten im kommenden Semester und spielt bei der Lehrerfortbildung eine Rolle.

Ist das digitale Angebot das Ende der gedruckten Gedenkblattsammlung, die anlässlich der Stolpersteinverlegungen erstellt wurde?

Nein, sagt Klaus Merklein, Vorstandsmitglied des Aktiven Museums. Ein zweiter, aktualisierter Band ist in Arbeit. Das Veröffentlichungsdatum ist allerdings noch ungewiss. Sein Kollege Klaus Dietermann weist auf den Vorzug der digitalen Ausgabe hin, die die gedruckte Version nur eingeschränkt bieten könne. Sie ist weltweit verfügbar.

Wie können Interessenten mitarbeiten?

Die Verantwortlichen sind auf redaktion@aktives-gedenkbuch.de zu erreichen. Wer Informationen zu Opfern hat, die bisher noch nicht in der Übersicht berücksichtigt sind, kann sich an die Fachleute wenden.

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