Uni Siegen erforscht neue Medien aus allen Perspektiven

Warum sitzen Menschen zusammen – und jeder schaut auf sein Smartphone? Der Sonderforschungsbereich „Medien der Kooperation“ will Antworten finden.
Warum sitzen Menschen zusammen – und jeder schaut auf sein Smartphone? Der Sonderforschungsbereich „Medien der Kooperation“ will Antworten finden.
Foto: WP
Die Allgegenwart digitaler Medien verändert den Alltag. Ein neuer Sonderforschungsbereich der Uni Siegen untersucht, was genau geschieht.

Siegen.. Warum werden Fotos nicht mehr in Alben geklebt, sondern öffentlich auf Facebook präsentiert? Wieso jagen plötzlich alle virtuellen Pokémons hinterher? Und wie kommt es, dass Menschen heute ganz viele Nachrichten in WhatsApp schreiben statt direkt miteinander zu reden? Diesen und ähnlichen Fragen geht die Universität Siegen im neu eingeworbenen Sonderforschungsbereich (SFB) „Medien der Kooperation“ nach.

Zehn Millionen Euro fließen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) nach Siegen. Sie unterstützen nicht nur die Medienforschung, sondern kommen allen vier Fakultäten und rund 60 Forschern in 16 Teilprojekten zugute. Zunächst ist der SFB auf vier Jahre angelegt, eine Verlängerung bis zu zwölf Jahre ist möglich.

Einzigartige Besetzung

Der Medienwissenschaftler und Sprecher des SFBs, Prof. Dr. Erhard Schüttpelz, sieht die Besonderheit vor allem in der engen Zusammenarbeit der Forscher aller vier Fakultäten. Wissenschaftler aus den Fächern Sozialwissenschaften, Germanistik, Geschichte, Medienwissenschaften, Wirtschaftsrecht, mehreren Teildisziplinen der Informatik und der Pädagogik stehen hinter dem Verbund. „Der SFB ist in seiner Zusammensetzung einzigartig und eröffnet uns neue Forschungsfelder“, sagt Prof. Dr. Schüttpelz.

Zwei Schwerpunkt-Themen gibt es: Das erste behandelt Infrastrukturen, die erheblichen Einfluss auf unseren Alltag haben. Der SFB begleitet sie in Form historischer Entstehungsgeschichte, Telekommunikation, Verkehr (wie werden Betriebsausfälle kommuniziert?), im Umgang einer alternden Gesellschaft mit neuen Medien und über die digitale Aufarbeitung der Zeit- und Geldnot in der Patientendatenerfassung.

Die zweite Säule betrifft Öffentlichkeiten: Wie verändert sich etwa das familiäre Zusammenleben, wenn Kleinkinder Umgang mit Smartphones haben? „Der Wandel der Selbst- und Fremddarstellung off- und online ermöglicht neue Freiheiten, aber wird auch reguliert“, erläutert die Uni in einer Mitteilung. Mit den Öffentlichkeiten seien die Forscher „mitten im alltäglichen Geschehen – ihre Wissenschaft ermöglicht das Verständnis digitaler Medien“.

Region soll profitieren

Der SFB will seine Erkenntnisse nicht nur an der Uni lassen, sondern will durch eine „Öffnung nach außen hin“ für Innovationen und Diskussionen in der Region sorgen. Zentral sind dabei drei geplante Ausstellungen zu „Öffentlichen Infrastrukturen“ mit den Arbeitstiteln „Telekommunikation seit dem 19. Jahrhundert als Kooperation von Medien“, „Werkstatt Wittgenstein wortlos (WWw): Smartphonegebrauch und familiäre Interaktion“ und „Fliegende Kameras: Drohnende Praktiken“. Zudem sind Eine Vortragsreihe zu „Kontroversen Öffentlichkeiten“ sowie die Einrichtung einer „Dialogplattform Schule“ vorgesehen.

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