Ungesungenen Claudius gesungen

Siegen..  „Am liebsten würde ich ihn duzen“, sagt Jan Vering über den von ihm hochverehrten Matthias Claudius, dessen 275. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird. Zudem jährt sich der Todestag des Dichters zum 200. Mal. Der Musikdramaturg des Siegener Apollo-Theaters hat im Herbst 2014 eine CD eingespielt, den „ungesungenen Claudius“, mit Kompositionen seines Freundes „und Herzensbruders“ Siegfried Fietz und Vokalbegleitung von TonArt.

Am Donnerstag brachten sie das Projekt als ihren Beitrag zum Gedenkjahr gemeinsam auf die Apollo-Bühne, mit Oliver Fietz als Produzent und am Keyboard, als Liederabend, als musikalische Biografie des Dichters; und natürlich duzt der Sänger „seinen“ Autor doch immer wieder.

Jede Menge Berufe

Der „ungesungene Claudius“, das sind Texte über Menschen, über Gott, über die geliebte Familie vor allem. Claudius hat über seine jung verstorbene Tochter Christiane geschrieben, über den Wert der Freundschaft. Ein Höhepunkt des Abends ist ein bemerkenswerter Brief an den Sohn Johannes, den Jan Vering zu stiller Klavierbegleitung rezitiert, ein eindrucksvolles Bekenntnis zu Bescheidenheit, Ehrlichkeit und Anständigkeit, das bis in die Gegenwart wirkt; mit Sätzen wie „Die Wahrheit richtet sich nicht nach uns, lieber Sohn, sondern wir müssen uns nach ihr richten“.

Aber wer war das eigentlich, dieser Dichter? „Matthias Claudius hatte in seinen knapp 75 Lebensjahren viele Berufe: Er war Verwalter, Sekretär, Redakteur, Oberlandeskommissar, Rezensent, Erzieher, Amateurtheologe, Gärtner, Übersetzer, politischer Kolumnist, Herausgeber, Philosoph – aber seine eigentliche Profession war Lebenskünstler“, beschreibt ihn der Dramaturg. Vielleicht liegt da auch die Erklärung, warum Weltenbummler und Sänger Jan Vering früher selbst Redakteur, eine solche Affinität zu Claudius hat. Für ihn ein „lebenslang Verliebter. Ein zärtlicher Poet, der unter jedem Bachkiesel, hinter jeder Tanne Geheimnisse entdeckte. Und ein Spaßmacher, der dem Ernst des Lebens mit Vergnügen seinen Humor entgegenstellte“. Weil es da durchaus Ähnlichkeiten gibt, außer der gemeinsamen norddeutschen Abstammung und der frühen Begegnung mit den Gedichten durch die Bemühungen von Verings Tante Gertrud.

TonArt mit von der Partie

Die fünf „TonArtler“, Landrat Andreas Müller war bei der CD dabei, hatten für das Bühnenprojekt die nötige Zeit nicht, liefern die ideale „Klangtapete“, Christiane Wenmakers sticht deutlich heraus, als Alter Ego von Claudius Ehefrau Rebecca mit einigen wunderschönen Soli und Duetten mit Jan Vering.