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Wittgensteiner verfolgte...

Ungesunde Liebe führt in die Psychiatrie

13.01.2009 | 19:08 Uhr

Siegen. Seit acht Jahren kennt der Angeklagte die Frau, vor drei Jahren verliebte er sich. Das Problem ist, sie liebt ihn nicht. Das konnte er aber nicht akzeptieren. Deshalb steht er jetzt vor Gericht, wird wahrscheinlich in die Psychiatrie eingewiesen.

Der 20-Jährige Wittgensteiner hatte fünf Monate bei der jungen Frau (24) gelebt, als in seiner eigenen Wohnung der Strom abgestellt war. Für sie war es ein Freundschaftsdienst, einer mit bösen Folgen. Seit dieser Zeit bekommt der Angeklagte sie nicht mehr aus dem Kopf. Bis heute nicht. „Ich sehe sie in jedemFilm, höre sie auf jeder CD”, sagt er. Deshalb könne er nicht aufhören, sie zu lieben.

„Seit neuestem” wisse er, dass er an einer Schizophrenie leide. Bis dahin „war meine Welt in zwei Lager gespalten. Eine Hälfte misshandelte Frauen, die andere nicht”. Er glaubte, die Frau liebe ihn, ihr Opa halte sie gefangen, ihr Freund vergewaltige und halte sie gefangen, habe sie gegen ihren Willen geschwängert. Deshalb griff er den Großvater tätlich an, als der ihn nicht ins Haus lassen wollte. Deshalb bedrohte er den Freund der jungen Frau mit dem Messer, schrieb ihr bis zu 180 SMS täglich, dazu kombinierte Liebes- und Drohbriefe in kaum leserlicher Orthographie („fehrpies dich, ich liebe Dich”).

Er sei „nicht mehr aggressiv”, versicherte der Angeklagte. Wenn er allerdings vor einem Jahr den Freund der Frau allein getroffen hätte „hätte ich ihn wohl abgestochen”, gab er zu. Er habe vor Liebe nicht klar denken können, sich zu Hause selbst und den Kopf gegen die Wand geschlagen. Als ihm später klar geworden sei, dass seine Sicht der Dinge nicht stimme, „war ich sauer, weil ich quasi wegen eines Berges von Lügen in der geschlossenen Abteilung saß”. Auch aus der Psychiatrie hatte er weiter Briefe geschrieben, noch bis in den Dezember. Mittlerweile ist er in Eickelborn untergebracht, erst einmal vorläufig. „Was würden Sie denn tun, wenn Sie freikämen”, fragte der Vorsitzende Richter Wolfgang Münker. „Ich würde ihr wieder Briefe schreiben”, kam die klare Antwort.

„Ich will nichts von ihm wissen, von mir aus kann er sich aufhängen”, schüttelte die junge Frau den Kopf. Der Angeklagte hatte seit dem 13. Lebensjahr Drogen genommen, von Hasch bis zu Heroin, dazu getrunken. Auch Vorstrafen hatte es schon gegeben. Die Verhandlung wird im Februar fortgesetzt.

Michael Kunz

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