Umzug: Mit Sack und Pack von Berg zu Berg

Nichts als Kisten: Martin Bertelmann, Hausmeister auf der Haardt (2. von links) hat den Überblick. Bürgermeister Paul Wagener (links) ist dankbar für den Einsatz.
Nichts als Kisten: Martin Bertelmann, Hausmeister auf der Haardt (2. von links) hat den Überblick. Bürgermeister Paul Wagener (links) ist dankbar für den Einsatz.
Foto: WP

Netphen..  Noch mehr Kisten. „Wahnsinn“, rauft sich Hausmeister Reinhard Zickhard die Haare, „das kriegen wir doch gar nicht alles unter.“ Dabei ist der Möbelwagen doch gerade weggefahren. Vollgepackt, so dass die Zimmerpalme aus dem Schulleiterzimmer eben noch rein passte. Die einen ziehen ein, die anderen aus. Gleichzeitig. Wie im richtigen Leben. Mit dem Unterschied, dass dieser Umzug nie zu enden scheint. Die ersten beiden Ferienwochen sind hin.

Seit fast einem Jahr planen Heike Büdenbender, Leiterin des Bereichs Schulen und Soziales im Netphener Rathaus, und ihr Team den Mega-Umzug: Die Hauptschule Deuz zieht nach Netphen auf den Kreuzberg zur Sekundarschule. Und die Realschule verlässt den Kreuzberg und zieht mit sechs Klassen auf der Haardt ein, wo das Gymnasium den Trakt C freigeräumt hat. Nichts einfacher als das.

Um die 250 Umzugskartons werden seit Tagen befüllt, befördert, geleert und wieder neu gefüllt. Sechs Touren hat die Spedition schon gefahren, mindestens drei kommen noch. Denn gleichzeitig ist ja auch die Förderschule auf dem Deuzer Sterndill zu räumen. Ob alles richtig ankommt? „Das wird sich zeigen“, sagt Heike Büdenbender. „Bisher gab es keinen Irrläufer“, sagt jedenfalls Martin Bertelmann, Hausmeister auf der Haardt.

Urlaubssperre für Hausmeister

Paul Wagener begeht ein Wiedersehen: „Das war vor 39 Jahren meine Klasse. “ Mit Heike Büdenbender und Johnny Taugerbeck von der Schulverwaltung hat sich der Bürgermeister mit auf den Weg zu den Umzugs-Baustellen gemacht. Tatsächlich: Der C-Trakt des Gymnasiums war einst der Neubau der Hauptschule.

„Willkommen in unserem neuen Zuhause“, steht auf dem Transparent, vor dem zukünftigen Büro von Realschulleiterin Silvia Glomski. Auch an den Eingangstüren und im Lehrerzimmer, das beide Schulen gemeinsam nutzen, sind die Schilder für die „Realschule Netphen“ schon angebracht, die auch in Zukunft“ „Realschule am Kreuzberg“ heißt. Ja, der Schulname bleibt — auch die „Hauptschule Deuz“ heißt weiter so, selbst wenn sie gar nicht mehr in Deuz ist. Ändern könnten das die Schulkonferenzen, wenn sie das für die letzten zwei Jahre noch wollen.

Bürgermeister Wagener dankt den Hausmeistern in Netphen und dem Team in Deuz — Volker Dreyer bleibt für die Grundschule dort, Günter Moersch wechselt von der Hauptschule in den Baubetriebshof; sie mussten für die Umzugsaktion sogar eine Urlaubssperre hinnehmen. „Ich bin froh, dass wir schon so weit sind“, sagt Wagener, der wohl eher den Blick aufs Große und Ganze richtet. Karin Stahl dürfte das etwas anders sehen. „Ich versuche da gerade etwas Struktur reinzubringen“, sagt die Schulsekretärin der Sekundarschule, „damit die Frau Nöh einräumen kann.“

Inge Nöh, Schulsekretärin der Hauptschule, wird ihre neue Büronachbarin. Auch Julia Cruz Fernandez und Jürgen Weber, Rektorin und Konrektor der Sekundarschule, sind an Bord: Räumen, räumen, räumen... „Nächste Woche ist Abflug“, kündigt die Schulleiterin an. Die Sehnsucht nach Ferien ist groß.

Reinhard Zickhardt, Hausmeister auf dem Kreuzberg, ist noch nicht ganz zufrieden: „Die müssen nächste Woche draufhalten“, sagt er und meint die Firma, die die Technik der Deuzer Naturwissenschaften in Netphen installieren müssen.

Zwei Welse warten noch

Die Kunst besteht darin, den Überblick zu behalten: Die Sekundarschule nutzt die Umzüge, um den ehemaligen Verwaltungsflur in einen Trakt nur für das Darstellen und Gestalten umzubauen. Viele Musikinstrumente und auch das Schwarzlichttheater der Förderschule finden hier Platz. Auf diese Weise kommt die Sekundarschule auch wieder zu einem Musikraum. Die alte Realschul-Aula, die früher dafür genutzt wurde, musste längst zum Lehrerzimmer für das wachsende Sekundarschul-Kollegium umgebaut werden.

Das Aquarium im Treppenhaus, das die Realschule zurücklässt, ist dunkel. Aber nicht tot. „Die meisten Fische haben die Kinder schon rausgeholt“, berichtet Reinhard Zickhardt. Zwei Welse sind noch drin. „Die sind hart im Nehmen.“ Nicht nur die.

Die Stadt nutzt die Schulumzüge auch für den Einrichtungstausch: Ältere Tafeln, Möbel, Küchen werden gegen neuere aussgetauscht. Kleinere Renovierungsarbeiten und Anstriche werden miterledigt. Insgesamt 220 000 Euro stehen im Haushalt für den Umzug und die damit verbundenen Umbauten bereit.

Über 200 Schüler wechseln den Standort

Nach den Ferien werden rund 130 Realschüler aus den Jahrgängen 9 und 10 ihre neue Schule auf der Haardt besuchen. Um die 100 Hauptschüler werden nicht mehr nach Deuz oder Weidenau, sondern nach Netphen fahren.

Während die Realschule und Gymnasium sich längst auf die Zusammenarbeit eingerichtet haben, ist die Stimmung in der Hauptschule eher gedrückt: Man wäre gern bis zum Schluss in den modern ausgestatteten Räumen in Deuz geblieben. Die Schulaufsicht spielte aber nicht mit.