TVE bekommt Platz auf der Haardt

Hinter der Sporthalle des Gymnasiums soll der TVE seine „Sport(t)räume“, eine 22 mal 25 Meter große Halle, bauen dürfen.
Hinter der Sporthalle des Gymnasiums soll der TVE seine „Sport(t)räume“, eine 22 mal 25 Meter große Halle, bauen dürfen.
Foto: WP

Netphen..  Der TVE Netphen soll seine von ihm so genannten „Sport(t)räume“ da verwirklichen dürfen, wo er sich das selbst auch wünscht: auf einem Grundstück hinter der Sporthalle des Gymnasiums. Das hat der Hauptausschuss am Dienstag dem Rat mit acht gegen sieben Stimmen bei einer Stimmenthaltung empfohlen.

Die Abstimmung war geheim. In der vorangegangenen Debatte hatte sich die CDU für einen Standort oberhalb des Freizeitbades ausgesprochen; das „Hotelgrundstück“ — so genannt, weil dort einmal ein Hotel errichtet werden sollte — liegt zwischen Bad und Parkplatz 3. UWG und Bürgermeister plädierten für den Standort am Gymnasium, die SPD war sich nicht einig, die Grünen schwiegen, die FDP war nicht da. Rechnerisch könnten die Gegenstimmen von den sieben CDU-Stadtverordneten gekommen sein, die Stimmenthaltung aus den Reihen von SPD oder Grünen.

Unerwünschte Konkurrenz

Manfred Heinz (SPD) warb für den Standort am Gymnasium: Dort befinde sich auch die vom TVE intensiv genutzte Sporthalle, das Grundstück sei ohnehin nicht anderweitig zu verwenden. „Natürlich“ sei der Standort im Freizeitpark allein schon wegen der Verkehrsanbindung günstiger; dort drohten aber „Kollisionen“ mit den Interessen der städtischen Freizeitpark Obernautal GmbH (FON), die Bad und Physio-Aktiv-Zentrum betreibt, und dem Sportpark (SPS) mit Fitnessstudio und weiteren Sportanlagen. Auch Ignaz Vitt (UWG) lehnte „aus Steuergeldern finanzierte Konkurrenz“ ab — die Stadt zahlt 50 000 Euro Zuschuss zu der rund 600 000 Euro teuren Investition. Über Kaufpreis oder Pachtzins für das Grundstück verhandelte der Hauptausschuss in nicht öffentlicher Sitzung weiter.

Alexandra Wunderlich (CDU) führte den „nicht unerheblichen Verkehr“ zu der neuen Sportstätte an, der sich vor allem tagsüber abspiele und sich mit dem Verkehr zum Gymnasium mischen würde. In seinem jetzigen Gesundheitszentrum an der Talstraße biete der TVE immerhin wöchentlich 25 Kurse an. Eine Konkurrenz zu den Angeboten von FON und SPS „sehen wir nicht“ — und wenn es sie gäbe, würde der Abstand zwischen beiden Standort-Alternativen darauf auch keinen Einfluss haben.

„Wir können uns nicht erlauben, dort Konkurrenz herzustellen“, sagte dagegen Klaus-Peter Wilhelm (UWG). Immerhin werde der Verein mit seinem Zentrum als „gewerblicher Geschäftsbetrieb“ aktiv. Es werde nur „ganz minimal“ Überschneidungen im Angebot von TVE und Freizeitpark geben, sagte Wolfgang Decker (CDU). André Neumann (SPD) bezeichnete es als „unsinnig“, auf die nun mögliche Zentralisierung von Sporteinrichtungen zu verzichten.

„Ganz schwierig“ nannte Bürgermeister Paul Wagener die Entscheidung — und begründete, warum er, ebenso wie zuvor die CDU in entgegengesetzter Richtung , seine Meinung ebenfalls geändert habe: Für das Gymnasium sei der TVE-Standort an der Sporthalle „überwiegend von Vorteil“, befürchtete Verkehrsbelastungen auf der Haardt seien „beherrschbar“. Die Bedenken von FON und SPS „nehme ich sehr ernst“, sagte Wagener, der offenkundig aber auch keinen Konflikt mit dem TVE will: Ihm gehe es darum, „eine Befriedung zu erreichen“.

Doppelter Sinneswandel in vier Monaten

Die CDU war nicht immer für den Standort am Freizeitbad. „Außerdem befürworten wir uneingeschränkt den gewählten Standort an der Sporthalle des Gymnasiums“, hatte die frühere Fraktionschefin Iris Cremer in der Haushaltsdebatte gesagt.

Ebenfalls im Februar plädierte Bürgermeister Paul Wagener noch gegen die Haardt: „Zielführender“ sei es, bestehende Strukturen zu nutzen. „Der Sportpark ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln talseitig gut angebunden, sogar fußläufig gut erreichbar.“