Trübe Erinnerungen an einen Faustschlag

Siegen..  Lässig fläzt er sich in den Stuhl, hängt eher als dass er sitzt. Turnschuhe, Trainingshose und Schlabberpulli. Der 27-Jährige wirkt mehr als entspannt. Wären da nicht die beiden Justizbeamten, die den Angeklagten in den Verhandlungssaal begleiten.

Er soll am 15. Juli gegen 6.30 Uhr einen Bekannten vor der City-Galerie mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben, lautet der Vorwurf. Das mutmaßliche Opfer trug eine Lippen- sowie eine Thoraxprellung davon, bestätigt ein ärztliches Attest. Daran jedoch kann sich der 31-Jährige nicht so genau erinnern. Ihn schmerzte lediglich das Gesicht, sagt er im Zeugenstand aus. Auch das genaue Datum des Übergriffs scheint ihm weniger klar zu sein. Er ist davon überzeugt, dass der 28. Juli der Tag der Attacke war.

Der Anzeige allerdings gab er am 15. Juli auf. Zudem verstrickt er sich in Widersprüche. Den Tatverdächtigen will er nur flüchtig gekannt haben, hatte aber offenbar engeren Kontakt zu dessen Schwester. Zudem wusste er, dass der Beklagte öfter alkoholisiert durch die Stadt zieht. Und der 27-Jährige, der zur Zeit in der JVA Attendorn einsitzt? Er kann wenig zur Aufklärung beitragen. Er ist am Morgen noch betrunken gewesen, sagt er. „Wir haben Koks und Alkohol konsumiert.“ Er erinnere sich nicht, klassischer Blackout. „Ich bin zu Hause aufgewacht, sonst weiß ich nichts.“

Dennoch entschuldigt sich der Angeklagte beim mutmaßlichen Opfer. Amtsrichterin Scheffer stellt das Verfahren ein.