Tote Babys – Anwälte zweifeln Schuld der Mutter (32) an

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Was wir bereits wissen
Im Prozess um die zwei Babys, die im August 2014 in Wohnungen in Siegen und Bonn gefunden wurden, wird die Bewertung rechtsmedizinischer Befunde im Fokus stehen.

Siegen..  Davon gehen die Verteidiger der Beschuldigten, einer Frau (32) aus Siegen, aus. „Es gibt zum Teil widersprüchliche Aussagen in den Gutachten“, sagt Rechtsanwalt Daniel Nierenz.

Anklage wegen zweifachen Totschlags

Die Staatsanwaltschaft Siegen hatte (wie berichtet) Anklage wegen zweifachen Totschlags gegen die Mutter erhoben. Die Frau aus Siegen hatte die Leichen der Babys in Kühlfächern versteckt. Die Schwangerschaften hatte sie vor ihrer Familie und dem Vater der Kinder verheimlicht.

Der Prozessbeginn vor der 1. Großen Strafkammer am Landgericht ist für Mitte März geplant. Die Staatsanwaltschaft hat im Dutzend Gutachten in Auftrag gegeben: medizinische, toxologische, psychologische. Aus Sicht der Verteidiger wird sich die Anklage schwer tun nachzuweisen, dass die Mutter für den Tod der Kinder verantwortlich ist.

Die junge Frau wird in dem Prozess von drei Rechtsanwälten vertreten: Daniel Nierenz und Katharina Batz von der Kanzlei Nierenz und Batz aus Dreis-Tiefenbach sowie von dem Fachanwalt für Medizinrecht, Boris Segmüller, aus Nürnberg.

„Aus den Gutachten ergeben sich Varianten im Handlungsablauf, die straffrei wären“, sagt Nierenz. Das Gericht wird an den zunächst sechs angesetzten Verhandlungstagen komplexe medizinische Fachfragen zu klären haben. Der Tod der Kinder trat laut Gutachten jeweils innerhalb von wenigen Minuten nach der Geburt ein. Die Kinder seien im Mutterleib unterversorgt gewesen, so Nierenz. Eine zentrale Frage, die das Gericht klären muss: Waren die Kinder nach der Geburt lebensfähig. Laut Nierenz geben die Sachverständigen darauf keine eindeutige Antwort: „Dass unsere Mandantin für den Tod der Kinder verantwortlich ist, ist alles andere als klar. Die Todesursache konnte bis heute nicht festgestellt werden.“

Die Einschätzung der Staatsanwaltschaft ist eine andere: Sie nimmt laut Anklageschrift an, dass die junge Frau die Kinder entweder erstickte, indem sie ihnen auf nicht mehr feststellbare Art die Atemwege verschloss oder dass die Siegenerin die gerade geborenen Säuglinge sterben ließ, obwohl sie in der Lage gewesen wäre, den Notarzt oder andere anderweitig Hilfe zu holen.

Anwalt: Versäumnisse der Ermittler

Die Anwälte werfen den Ermittlern auch Versäumnisse vor. Die polizeiliche Vernehmung der 32-Jährigen etwa sei rechtswidrig zustande gekommen. „Wir haben dieser Vernehmung widersprochen“, so Nierenz. Die Frau habe bei ihrer vorläufigen Festnahme Mitte August einen Blutalkoholwert von 2,2 Promille gehabt. „Sie war nicht vernehmungsfähig zu diesem Zeitpunkt“, so Nierenz. Danach hatte sie sich nicht mehr zu den Vorwürfen geäußert. Die Siegenerin sitzt seit der Festnahme in Untersuchungshaft.

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