Tote Babys – Angeklagte bricht ihr Schweigen im Prozess

Erstmals sprach im Siegener Babyleichen-Prozess die Angeklagte vor Gericht.
Erstmals sprach im Siegener Babyleichen-Prozess die Angeklagte vor Gericht.
Foto: Jens Plaum
Was wir bereits wissen
Am siebten Verhandlungstag im Prozess um die in Kühltruhen gefunden Babyleichen spricht erstmals die Angeklagte – über ihre Sucht und das Verhältnis zur Mutter.

Siegen.. Es ist Tag sieben im Prozess um die Babyleichen, die im vergangenen August in Siegen und in Bonn gefunden wurden. Und es ist das erste Mal, dass die Angeklagte im Verfahren selbst spricht. Sie lässt nichts verlesen, sie äußert sich nicht über ihre Anwälte. Sie redet selbst.

Probleme in der Familie gab es. Sicher. Aber: „Ich weiß nicht, ob ich ein Gehör gefunden hätte“, sagt die 32-jährige Promotionsstudentin. „Bei uns wären Probleme nie besprochen worden.“

Staatsanwaltschaft glaubt an zweifachen Totschlag

Die Staatsanwaltschaft wirft der Mutter der beiden Säuglinge zweifachen Totschlag vor. Nach den Geburten soll sie sich entweder nicht um die Kinder gekümmert haben, so dass sie starben. Oder sie soll sie „auf medizinisch nicht nachweisbare Weise“ erstickt haben. Zwar sagt die Frau nichts zu den Tatvorwürfen an sich. Aber sie äußert sich zu ihrer Alkoholsucht und insbesondere zum Verhältnis zu ihrer Mutter.

Prozess Die Mutter soll versucht haben, sich selbst zu töten, als sie mit der Beschuldigten schwanger war. Sie habe, sagt die 32-Jährige, sie immer eine Art „Bringschuld“ spüren lassen. Anspruchsvoll sei sie, ehrgeizig. Die Freunde, der Job, alles habe den Ansprüchen der Mutter genügen müssen. Psychische Probleme? Das Stigma, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen? Für ihre Mutter ein Unding, sagt die Beschuldigte. Eher im Gegenteil.

Gutachterin spricht von Personlichkeitsstörung der Angeklagten

Kontrolle sei wichtig gewesen. Insbesondere als die Alkoholsucht der 32-Jährigen immer offensichtlicher gewesen sei. Die Eltern nehmen ihr die EC-Karten weg, geben ihr täglich fünf bis zehn Euro mit und verlangen auch noch Belege für die Ausgaben. Experten ziehen sie nicht zu Rate.

Babyleichen Dass deren Hilfe allerdings notwendig sei, betont Gutachterin Professorin Anke Rohde. Sie attestiert der Angeklagten eine Persönlichkeitsstörung. Sie leide unter einer „abhängigen, selbstunsicheren Persönlichkeit“. Sie treffe keine eigenen Entscheidungen, versuche, die Erwartungen anderer zu erfüllen. „Mir fällt es oft schwer, mich nicht anzupassen“, sagt die Angeklagte.

Schwangerschaften verdrängt

Die Schwangerschaften habe sie negiert, sagt die Gutachterin. „Sie hat verdrängt, dass sie schwanger war.“ Allerdings hat das keinen Einfluss auf die Schuldfähigkeit der 32-Jährigen. Es würden sich keine Belege für eine erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit zur Zeit der Geburten finden.

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