Tom Gaebel und seine Band verzaubern mit Swing

Sinatra legte großen Wert darauf, seine Songs von den besten Big Bands begleiten zu lassen: In gleicher Manier überzeugt Tom Gaebel.
Sinatra legte großen Wert darauf, seine Songs von den besten Big Bands begleiten zu lassen: In gleicher Manier überzeugt Tom Gaebel.
Foto: Wolfgang Leipold
Was wir bereits wissen
Musiker präsentieren große Frank-Sinatra- Songs im Apollo

Siegen..  Er passt in keine Schublade und entzieht sich allen Klischees: Frank Sinatra. 100 Jahre wäre er in diesem Jahr geworden. Unzählige Frauenaffären pflastern seinen Weg. Von Ava Gardner bis Mia Farrow, aber keine Verbindung hält. Seine Verbindungen zur Mafia allerdings sind ein offenes Geheimnis. Sinatra war politisch. Er unterstützte Martin Luther King genauso wie den Wahlkampf des Demokraten Kennedy, befreundet war er aber mit dem Republikaner Ronald Reagan. Als Schauspieler wirkte er in über 40 Hollywood-Produktionen mit und bekam einen Oscar für den Kriegsfilm „Verdammt in alle Ewigkeit“.

Star ohne Ausbildung

Frank Sinatra hatte nie eine Gesangsausbildung und kaum Notenkenntnisse, gilt aber unbestritten als größter Entertainer aller Zeiten. Kollegin Dionne Warwick befand: „Er könnte den Menschen das Telefonbuch vorsingen und es würde ihnen gefallen.“

Welch große Aufgabe hat sich Tom Gaebel vorgenommen, das Werk dieser Legende vorzustellen. Er schafft es beeindruckend, indem er Sinatras Songs nicht kopiert sondern interpretiert. Dabei hilft ihm vor allem seine Stimme und sein untrügliches Gefühl für Swing. Schließt man die Augen, könnte man meinen, der kleine Frank mit der großen Stimme sei wiederauferstanden. Und so reiht er im Laufe des Konzerts eine kostbare musikalische Perle an die andere zu einer bunten Kette aneinander. Da fehlt absolut kein Hit: Vom bösen, bösen Leroy Brown über „Strangers in the Night“ bis hin zum Mackie-Messer-Song bekommt das Publikum im restlos ausverkauften Apollo-Theater genau das, was es erwartet. Und reichlich Bonus-Material: Beeindruckend sein in den letzten Lebensjahren entstandener melancholischer Lebensrückblick „When I was 17“ mit nachdenklichen Moll-Harmonien. Überraschend sein postumer musikalischer Beitrag zum aktuellen Kino-Erotik-Erfolg „50 Shades of Grey“: Jemand schmiert der Hauptdarstellerin mit Senf die Achseln ein und Frank singt dazu. Das hätte ihm gefallen.

Der letzte Vorhang fällt

Sinatra legte großen Wert darauf, seine Songs von den besten Big Bands begleiten zu lassen. Auch da wandelt Tom Gaebel auf den Spuren seines Vorbilds. Denn seine zwölf Musiker können alles: Sich begleitend in den Dienst des Sängers stellen, um dann wieder knallende Bläserriffs loszulassen, dass die Fetzen fliegen. Das Fundament gibt ein Rhythmusensemble, das atemberaubende Tempi vorgibt, aber auch die langsamere Gangart beherrscht. Tom Gaebel lässt seinen vor swingender Spielfreude nur so sprühenden Musikern jede Menge Spielraum, aber allen auch die Möglichkeit, solistisch zu glänzen. Und weiß deren Leistung zu würdigen. Denn er selbst beherrscht Schlagzeug, Posaune, Geige und Klavier perfekt. Perfekt ist auch seine Gabe, die Zuschauer in die Show einzubeziehen.

Am Ende die musikalische Liebeserklärungen an das Publikum und Sinatras Heimatstadt New York und ganz zum Schluss die Lebensbeichte „My Way“: Nun ist das Ende nah und der letzte Vorhang fällt… Da wird es ganz still im Saal.

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