Theaterleiter holt Verstärkung

Theaterleiter auf der Theater-Leiter: Intendant Magnus Reitschuster reicht Dr. Christine Tretow die Hand: Frühlingsblümchen inklusive! Tretow soll und will dem Apollo in den kommenden Jahren reichlich neue Impulse geben.
Theaterleiter auf der Theater-Leiter: Intendant Magnus Reitschuster reicht Dr. Christine Tretow die Hand: Frühlingsblümchen inklusive! Tretow soll und will dem Apollo in den kommenden Jahren reichlich neue Impulse geben.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Das Apollo-Theater holt ein neues Gesicht in die Leitungsebene. Dr. Christine Tretow tritt am 1. August die Stelle der stellvertretenden Geschäftsführerin an. Sie hat viel vor.

Siegen..  Auch rein formal sind daran zwei Dinge neu: Einerseits gibt es diese Stelle bisher nicht. Und andererseits besetzt das Siegener Theater erstmals eine Führungsposition mit einer Person von außerhalb. Aktuell ist Tretow stellvertretende Intendantin des Hessischen Landestheaters Marburg.

Warum will das Apollo die Neue überhaupt haben?

Intendant Magnus Reitschuster will der Gefahr vom Schmoren im eigenen Saft schon vor dem Schmoren den Saft abdrehen. „Wir hätten sagen können: Wir machen weiter wie bisher“, sagt Reitschuster. Die jüngste Spielzeit sei sehr erfolgreich gewesen, „im Sommer werden wir tolle Zahlen vorlegen können“. Allerdings mache die aktuelle Theaterleitung ihren Job seit neun Jahren; da sei es Zeit für frischen Wind, bevor sich durch die Hintertür eine Flaute einschleicht. Dass Tretow kommt, sei „ein Zeichen, dass wir trotz des Erfolgs neue Impulse setzen, neu Gas geben wollen. Mit allen Risiken.“

Wer ist Christine Tretow?

Dr. Christine Tretow, geboren 1967 in München, hat einen ellenlangen, sehr vollen – und sehr spannenden – Lebenslauf. Sie war Regie- und Dramaturgieassistentin am Theater Hagen, freie Mitarbeiterin der Neuen Ruhr Zeitung Essen, studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Germanistik und Sozialpsychologie an der Ruhr-Universität Bochum, promovierte dort am Institut für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft. Sie stand als Schauspielerin auf der Bühne, arbeitete als Dramaturgin und Pressereferentin unter anderem an der Komödie Frankfurt, am Theater Oberhausen und am Theater Ulm, hatte und hat Lehraufträge an Universitäten.

Was zieht jemandem mit so einem Profil ans Theater in Siegen?

„Ich habe sie erst mal wegen Überqualifikation abgelehnt“, sagt Magnus Reitschuster. Nachdem die Stelle der Ausstattungsleiterin seit Oktober mit dem Ausscheiden von Petra Georg-Achenbach vakant ist, war eigentlich eine Referentenstelle ausgeschrieben. „Wir stellten aber fest: Christine Tretow hat genau das, was wir brauchen.“ Tretow wiederum kann genau begründen, was sie an Siegen reizt, wieso sie vom Ensembletheater in Marburg den Schritt in ein Haus ohne festes Ensemble machen möchte. „Es ist kein reines Bespieltheater“, betont sie. „Es gibt eigene Produktionen, klar durchdachte Programme – und mit der Biennale holt das Apollo die deutschen Topproduktionen.“ Zudem sei es ein Bürgertheater und fest in der Bevölkerung verankert. 2010 habe sie das Haus kennengelernt, die Atmosphäre genossen. „Hier kann ich meine gesamten Erfahrungen einbringen – und auch sehr viel lernen. Ich schwärme wirklich dafür.“

Welche Aufgaben wird Christine Tretow übernehmen?

„Sie soll ein neues Gesicht des Theaters werden“, sagt Reitschuster. Sie soll die Zusammenarbeit mit der Uni, den Schulen und Sponsoren pflegen, wird Projekt- und Produktionsleitung übernehmen, auch die Organisationsleitung der Biennale. Die Uni wird in der künftigen Apolloplanung generell eine stärkere Rolle spielen. „Ich möchte die Kooperation von Theater und Universität vorantreiben“, sagt Tretow. Dies könne durch eine deutlichere Berücksichtigung studentischer Interessen im Programm sein. Immerhin soll 2016 der Campus-Mitte die Uni in die Stadt holen – und durch ihre Zeit in Marburg kennt Tretow sich mit Studentenstädten aus. Ein Projekt bringt sie direkt mit: Der „Marburger Science Slam“ wird in Zukunft zum „Siegener Sciene Slam“. Wissenschaftler können in zehnminütigen Vorträgen ihre Forschungsgebiete vorstellen, das Publikum kürt anschließend einen Sieger. „Es ist die kleine Schwester vom Poetry Slam“, erklärt Tretow. Schwesterchen hat Lerneffekte: Nach eigener Aussage hat die neue Apollo-Frau in den 13 Durchgängen in Marburg gerade in den Naturwissenschaften teilweise mehr gelernt als in Jahren in der Schule.

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