Terrorakt kein großes Thema bei den Schülern

Siegerland..  Wie werden die Terroranschläge in Paris an den heimischen Schulen wahrgenommen? Wie verarbeiten die Kinder und Jugendlichen Bilder von Gewalt, haben sie Redebedarf? Verändert sich das Verhältnis zu den muslimischen Klassenkameraden? Diese Fragen haben wir gestellt.

Z Unsere Fahrt nach Paris findet statt.

Schulleiterin Gymnasium Wilnsdorf

Am 22. Januar bricht der Französischkurs der Jahrgangsstufe 11 vom Gymnasium Wilnsdorf nach Paris auf. Die viertägige Parisfahrt gehört seit Jahren fest ins Programm, die Schüler freuen sich darauf. „Sollten Eltern oder Schüler Bedenken äußern, werden wir selbstverständlich darauf eingehen und eine Lösung finden“, erklärt Sybille Hensel-Knappstein. „Wir müssen als Lehrer immer einen klaren Kopf behalten und dürfen uns nicht zu sehr von Emotionen leiten lassen“, so die Schulleiterin. Generell sei der Terrorakt kein großes Thema bei den Schülern, gerade bei den jüngeren. In Politik und Sozialwissenschaften sprechen die Lehrer darüber. Auch die Bilder in den Medien beschäftigen die Schüler kaum, das sei anders als beim 11. September 2001. „Damals stand in den Medienberichten tagelang die Grausamkeit der Taten im Vordergrund. Diesmal wurde die Berichterstattung sehr schnell von der Solidarität der Menschen und dem Gefühl: ,Wir gehören zusammen’ überdeckt“, sagt Sybille Hensel-Knappstein. Auch von Ressentiments gegenüber den muslimischen Mitschülern sei nichts zu spüren. „Wir sind hier ein kleiner Schmelztiegel. Für die Schüler ist das gelebter Alltag.“ 7 bis 8 Prozent der Schüler an dem Wilnsdorfer Gymnasium haben einen Migrationshintergrund.

Z Die Schüler nehmen das wenig bis gar nicht zur Kenntnis.

didaktische Leiterin der Bertha-von-Sutter Gesamtschule Siegen


Den Lehrern der Bertha-von-Suttner Gesamtschule steht es frei, die Anschläge von Paris im Unterricht zu thematisieren, erklärt Heike Siebel. Das ist davon abhängig, ob die Schüler darüber sprechen wollen oder nicht. Bisher habe kein Gesprächsbedarf bestanden. „Wir haben eine sehr heterogene und multikulturelle Schülerschaft“, so Siebel. Das Zusammenleben funktioniere gut. Anfeindungen habe es im Zuge der jüngsten Ereignisse nicht gegeben. „Die Schüler erkennen, dass das eine Einzelaktion war“, sagt Siebel. Zudem haben viele es nur teilweise zur Kenntnis genommen. Sie seien zu sehr mit dem schulischen Alltag beschäftigt.

Z Letzte Woche Freitag haben Schüler mich gefragt, wie ich dazu stehe.

Schulleiter der Clara-Schumann Gesamtschule Kreuztal


Auch an der Clara-Schumann Gesamtschule findet keine gezielte Auseinandersetzung mit dem Thema statt. Die Schüler reagierten wenig darauf, so Schulleiter Christian Scheerer. Es seien hauptsächlich die älteren, die sich dafür interessieren. „Letzte Woche Freitag haben Schüler mich gefragt, wie ich dazu stehe“, sagt Scheerer. „Wir haben dann über Demokratie und Pressefreiheit gesprochen.“ An der Schule gebe es viele Schüler mit Migrationshintergrund. Es habe keine Vorwürfe gegenüber muslimischen Mitschülern gegeben. Auch fühle sich niemand bedroht. Das Motto der Schule lautet: „Verschieden, aber miteinander.“