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Konzert

Tangoklänge sinfonisch und solistisch

05.07.2010 | 17:55 Uhr
Tangoklänge sinfonisch und solistisch
2000 Besucher spendeten viel Beifall, denn die Philharmoniker und ihr Chefdiregent spielten Tango.

Kreuztal.„Es ist schon verrückt: Gestern haben die deutschen Fußballer die argentinischen 4:0 geschlagen, und heute spielen wir...“ und bevor Russell N. Harris den Satz ­vollenden konnte...

...kam schon aus dem Publikum in Dreslers Park, das den Programmzettel offenbar gut gelesen hatte, die Ergänzung „... argentinische Tangos.“

„tango. sinfonisch“ war das Programm überschrieben. Solist bei dem von Sonne überstrahlten Open-Air-Konzert war der Bandoneonkünstler Raul Jaurena (aus Uruguay, dessen Fußballer noch Deutschlands Gegner im Endspiel werden können). Jaurena kennen nicht nur europäische Fachleute, sondern auch Freunde der Philharmonie Südwestfalen, die das gemeinsame Tangofest bei KulturPur 2005 erlebt haben. Und einige haben ihn sicher auch schon als Konzertpartner des philharmonischen Cellisten German Prentki erlebt.

Eine eigene Welt fernab
des Standardtanzes

Gleich der erste Komponist auf dem Programmzettel war ein Argentinier: Alberto Ginastera; und mit Angel Viloldo und Edgardo Donato sollten im Eröffnungsteil gleich zwei weitere Landsleute kommen – noch gar nicht gerechnet die Rolle von Astor Piazzolla, der im zweiten Teil gleich mit vier Titeln vertreten war. Bei einigen Stücken war auch Raul Jaurena als Komponist angegeben.

Jaurena steht natürlich in der Tradition des südamerikanischen Tangos, mit dem der europäische Standardtanz nur noch entfernte Ähnlichkeit aufweist, wenngleich er dessen Abkömmling ist. Südamerikanischer Tango ist eine ganz andere Welt, eine eigene Welt, was in dem Konzert der Philharmonie auch sehr deutlich zu bemerken war.

Starker Ausdruck
seelischer Zustände

Es dauerte lange, bis das Publikum im sonnigen Park mit der konzertanten Tango-Musik ganz warm wurde, die mit dem ursprünglichen Tango fast nur noch durch den spezifischen Klang des Bandoneons, die charakteristischen Rhythmen, die auffallenden Staccatoelemente und die durchgehende Melancholie ihres Ausdrucks verbunden ist.

Das ist keine Tanzmusik mehr, sondern expressive Mitteilung seelischer Zustände in der Form sehr anspruchsvoller Konzertmusik, die in einem argentinischen Nacht-Club anders erlebt wird als in Dreslers Park. Eine interessante Beobachtung im zweiten Teil: Bei dem Orchestertango „Jalousie“ von Jacob Gade, den man als eine geniale Europäisierung des südamerikanischen Urphänomens betrachten darf, begann ein Paar zu tanzen. Man war bei dem bekannten Tango angekommen!

Etwa 2000 Besucher saßen und standen vor dem Musikpavillon – zweifellos weniger als in manchen früheren Jahren. Aber angesichts vieler Parallelveranstaltungen und eingedenk der Hitze war Kulturamtsleiter Holger Glasmachers mit diesem Sachstand absolut zufrieden.

Knut Lohmann

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