Süßer und seltener Nachwuchs auf Hohenroth

Mesopotamisches Damwild auf Hohenroth hat Nachwuchs
Mesopotamisches Damwild auf Hohenroth hat Nachwuchs
Foto: Friedhelm Stark
Was wir bereits wissen
Im ersten Golfkrieg fast ausgerottet: Das seltene Mesopotamische Damwild fand im Siegerland eine neue Heimat. Nun gibt es sogar Nachwuchs.

Hohenroth..  Da sind sie: zwei Kälbchen, die die Herzen von Forstamtsleiter Diethard Altrogge und seinem Kollegen Reinhard Winter höher schlagen lassen: Jetzt sind sie zu acht in ihrer kleinen Damwild-Herde im Gehege von Hohenroth. Allerjüngste Triebe eines Stammbaums, der in den Iran und die Türkei zurückreicht, als dort noch Mesopotamien auf der Landkarte stand. Weltweit gibt es nur noch, oder inzwischen wieder, um die 300 von ihnen.

Eigentlich ist Egnar, der Wisentbulle, schuld. Heino Krannich, der Förster, der die Wisentherde nach Wittgenstein brachte, traf bei dieser Gelegenheit den Chef des Regionalforstamts und erzählte vom Mesopotamischen Damwild. Er suche noch ein Gehege, das sich an einem europäischen Erhaltungs-Zuchtprogramm beteilige. „2011 landeten die Ersten“, erzählt Diethard Altrogge, zwei Hirsche, drei Weibchen, ein Kalb. Drei von ihnen überleben den folgenden Winter nicht. Die drei neuen Tiere, die daraufhin nachkamen, hätten sich „unheimlich gut eingelebt“, berichtet Altrogge, „vielleicht waren sie einfach abgehärteter.“

Ein Idyll auf 50 Hektar

Der Bericht über das Herdenleben hört sich idyllisch an. 25 Rotwildhirsche, -kühe und -kälber teilen sich mit der Damwildherde das 50 Hektar große Gehege. „Die vertragen sich total gut.“ Ab und zu ziehen ein paar Wildschweine durch. Und das war es dann auch. Die Hirsche bilden gerade ihre neuen Geweihe aus, im Spätsommer werden sie die schützende Basthaut abstreifen. Fegen, sagen die Forstleute. Die Mesopotamier haben kleinere Geweihe als das Rotwild, auffällig sind die Schaufeln und der schwarze „Aalstrich“ auf dem Rücken. Auch ihr Brunftlaut ist anders. Der spielt in jenen 14 Tagen im Herbst eine Rolle, in denen Hirsche und Kühe sich füreinander interessieren. „Dann laufen die Damen auf Zehenspitzen“, weiß Diethard Altrogge schmunzelnd zu berichten, „die verlagern als sexuelles Signal wirklich den Hüftschwung.“

Im Blick des Weltzooverbands

Irgendwann sind sie dann wieder da und präsentieren ihren Nachwuchs, „stolz wie Oskar“, hat der Förster beobachtet. Das große Publikum bekommt davon wenig mit, denn das Gehege bietet Rückzugsräume. „Wir wollen die Tiere zeigen. Aber sie sollen selbst entscheiden, ob sie gesehen werden wollen oder nicht.“ In diesen Wochen eher nicht.

Friedhelm Stark, der Fotoamateur, der sich beim Verein Waldland Hohenroth engagiert, hat Geduld und Glück. Vor seiner Kamera posieren Mütter, Onkel und Tanten mit dem Nachwuchs; eine Auswahl der Fotos ist auf dieser Seite abgedruckt. Natürlich sind auch die Väter darunter, zwei oder auch nur einer – dann wären die Kälbchen Halbgeschwister. „Irgendwer ist der Papa“, stellt Diethard Altrogge klar. Nur wer? Die Hirsche selbst interessieren sich nicht sonderlich für ihre Vaterschaften.

Was aus den Kälbchen wird? „Das entscheidet Berlin“, sagt Diethard Altrogge. Der dortige Tierpark ist vom Weltzooverband mit der Führung des Zuchtbuchs beauftragt, im Forstamt wird es von Forstamtsrat Reinhard Winter auf dem aktuellen Stand gehalten. Irgendwann wird die Aufforderung nach Hohenroth kommen, die Kälber an ein anderes Gehege abzugeben, um die nächsten Generationen zu bilden.

Was noch?
- Die Mesopotamier auf Hohenroth sind etwas Besonderes: Nachkommen der Hirsche, die sozusagen die Urväter aller Damwildarten waren.
- Lange Zeit verschollen, um 1875 im südwestlichen Iran wieder entdeckt, dort nachgezüchtet, nach dem Sturz des letzten Schah im ersten Golfkrieg zu Beginn der 1980er Jahre fast ausgerottet. In israelischen Reservaten überlebten die beinahe Letzten ihrer Art.
- Die neue Heimat Hohenroth
ist mehr als nur ein kleines Wildvergnügen. Sondern, wie Diethard ­Altrogge betont, „ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz.“

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