Stück steckt nach zehn Minuten fest

Die Komödie „4 nach 40
Die Komödie „4 nach 40
Foto: Wolfgang Leipold
Was wir bereits wissen
Ein vieles versprechender Abend im Apollo Theater war angekündigt. Eine Komödie des renommierten Berliner Theaters am Kurfürstendamm: „4 nach 40“.

Siegen..  Vier 40-Jährige bleiben in einem Aufzug zwischen dem 40. und 41. Stockwerk stecken: Gilbert, Versicherungsmakler, ein großmäuliger Prolet im Nadelstreifenanzug. Die arbeitssuchende Petra, verheiratet mit dem arbeitslosen Schweißer Ronny.

Die Juristin Elvira, soeben von ihrem Gernot verlassen. Und Wolfgang, der Studienrat für Latein und Religion, mit seinen kleinen, dunklen Geheimnissen: Alle auf dem Weg nach oben jäh gestoppt. Doch gleich die erste Enttäuschung. Ingo Naujoks und Nina Hoger sind nicht dabei. Die zweite, noch viel gravierendere: Schon nach zehn Minuten gleiten die Dialoge der fröhlichen Gefangenen in nervende Plattitüden und unerträgliche Albernheiten ab, die Grenze zur Peinlichkeit oft überschreitend. Eingestreute Songs, teilweise im Rap-Format, haben nicht einmal das Niveau von Schultheater, wobei jeder Schüler den Rap-Rhythmus besser beherrscht als die Schauspieler des Abends.

Pause eine Erleichterung

Schlechter wurde auf der Apollo Bühne noch nie gesungen. Der Versicherungskünstler Gilbert erweist sich als Rechenlegastheniker, der Studienrat als ewiger Klugscheißer, der etwas zu verbergen hat. Er bekennt, und das ist noch der lustigste Reim des Abends: „Ich sang im Kirchenchor als Tenor.“ Und: „Ich, der die Unzucht nie geduldet, bin heut in jedem Puff verschuldet.“

Die Pause ist für viele im Publikum eher eine Erleichterung als das Bedürfnis, über das Gesehene zu reflektieren. Danach allgemeine Depression von 40-Jährigen: „Was haben wir in unserem Alter noch vor uns? Das Klimakterium kommt schneller als man denkt.“ Und Unvermeidliches passiert: Annäherungsversuche und ein weiteres Outing: Wolfgang, der Lehrer, gesteht, dass er neben seiner Sexsucht auch eine ausgeprägte Spielsucht hat und nun heillos verschuldet ist. Er wollte nach oben, um sich vom Dach zu stürzen. Gilbert, der Alles-Versicherer, hat andere Mittel. Er trinkt sich sein Leben mit Wodka Gorbatschow schön (diese Chance hatte das Publikum nicht) und wird zunehmend stiller, nachdenklicher, betrunkener. Er muss mal – und traut sich.

Albernheiten auf der Bühne

Aus dem Publikum hört man ein Flüstern: „Noch 5 Minuten.“ Doch auch die können quälend lang werden. Der Aufzug funktioniert plötzlich und alle singen auf ihre Zukunft: Ein Leben im Altenheim. Die Schauspieler, gut, dass Ingo Naujoks und Nina Hoger davon verschont blieben, mühten sich redlich und konnten einem fast leid tun, die vom Autor Fritz Schindlecker und dem Regisseur Jochen Busse geforderten Albernheiten auf die Bühne bringen zu müssen.

Wie sagte Gilbert, der Versicherer: „Hätten Sie eine Versicherung in der Tasche, hätten Sie für diesen Abend und dieses Stück Ihr Geld wiederbekommen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

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