Studenten zeigen Kunst im Brauhaus

Eine Struktur aus Fäden, die wie eine Wolke schwebt, von Anna Herrmann.
Eine Struktur aus Fäden, die wie eine Wolke schwebt, von Anna Herrmann.
Foto: WP
Kunststudenten der Uni Siegen zeigen Arbeiten aus so ziemlich allen Sparten: Von Fotografie über Malerei und Skulptur bis zu Drucktechniken.

Weidenau..  Mit heimeligen Familienbildern hat Gunter Ruckes nichts am Hut. Seien es gestellte Aufnahmen oder Schnappschüsse beim Weihnachtsessen.

„Ich unterstelle den Leuten, dass sie eigentlich keinen Bock drauf haben“, sagt der Student. Er nimmt alte Originalfotos, die er unter anderem auf Flohmärkten findet, und malt danach seine Bilder, gibt den Gesichtern aber leicht zombiehafte Züge. Das Ergebnis ist gruselig bis verstörend – und in seiner Eigenheit ein gutes Beispiel für das, was die Besucher der Ausstellung „Rundgang.15“ im Brauhaus noch bis Sonntag erwartet.

Kunststudenten der Uni Siegen zeigen Arbeiten aus so ziemlich allen Sparten: Von Fotografie und Video über Malerei und Skulptur bis zu Drucktechniken. Sogar eine Regenmaschine gibt es. Das Fach Kunst gewährt mit der Präsentation einmal im Jahr Einblick in die kreativen Prozesse junger Menschen während des Studiums. Spannend ist das nicht nur wegen der Vielfalt der Genres, sondern vor allem wegen der Bandbreite der Ansätze, die sich in den Werken zeigen.

Beichtstühle und Schnittmuster

Wie bei Ruckes’ gegen den Strich gebürsteten Familienporträts ist es oft der spezielle Dreh des Standpunkts – inhaltlich oder ganz physisch – der den Blick gefangen nimmt. Leo Schürmann, Gaststudent aus Brasilien, fand in Siegen Fotomotive, die das Dargestellte wie eine Favela erscheinen lassen.

Mirjam Weygandt fotografierte Zwischenräume zwischen Häusern mit einer so streng-sachlichen Klarheit, dass die Bilder fast Mondrian-haft geometrisch wirken. Carmen Müller nahm Beichtstühle, überwiegend aus dem Sauerland, aus der immer gleichen neutralen Perspektive von vorne auf. Im Gesamtkomplex aus vier mal vier Bildern sticht das Gemeinsame heraus, aber auch die große Varianz.

Kai Gieseler gewinnt RWE-Preis

Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind auf mehrere Ebenen mit Arbeiten aus unterschiedlichen Bereichen vertreten. Kai Gieseler, die mit dem diesjährigen RWE-Förderpreis zur Brauhaus-Ausstellung auszeichnet wurde, ist bei Video, Fotografie, Malerei und Skulptur dabei. Unter der Decke in einem Raum hat sie eine lange Reihe von Originalschnittmustern von Hochzeitskleidern aufgehängt. In Zuckerwasser getaucht und getrocknet, steif, ätherisch und von oben beleuchtet strahlt die Reihe, weckt Assoziationen an Engel oder Geister – im Hochzeitskontext beides interessant.

Gizem Urhan nutzt einen formbedingten Widerspruch und löst ihn gleichzeitig auf. Aus langen, eckigen Styroporstreifen baut sie einen hohen Turm – Titel der Arbeit: „Wirbel“ – und erzielt durch die Anordnung den Eindruck einer dynamischen Drehbewegung.

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