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Strafe für Kreuztal nicht vor 2010

07.08.2008 | 20:30 Uhr

Im Nachbarkreis Olpe „aktiviert” der Zweckverband Personennahverkehr Westfalen-Süd (ZWS) mit dem Schulbeginn seine „Linienbündel”: Schulkinder müssen sich an neue Busfahrpläne gewöhnen. Und Kreuztal?

Die Stichworte „Nahverkehrsplan”, „Linienbündelung” und „Schulzeitenstaffelung” sind in der Stadt am Kindelsberg schon seit zwei Jahren Aufreger. Der Nahverkehrsplan schneidet den Bus-Nahverkehr neu zu, die neuen Linien werden zu „Bündeln” zusammengefasst, um die sich Verkehrsunternehmen bewerben können. Und damit die nicht auf Zuschüsse der Kommunen angewiesen sind, sondern „eigenwirtschaftlich” fahren können, sind die Bündel so geschnürt, dass Verluste auf der einen durch Gewinne mit der anderen Linie aufgefangen werden können. Und da kommt die Schülerbeförderung ins Spiel, die mittlerweile fast überall Teil des Linienverkehrs ist. Für Kreuztal machten die Nahverkehrsplaner Einsparpotenzial aus: indem dort der Schulanfang nach hinten verlegt wird, im Schulzentrum etwa um eine halbe Stunde von 7.40 auf 8.10 Uhr. Dann nämlich könnten dieselben Busse eingesetzt werden, die zuvor die Kinder zu den Schulen nach Hilchenbach (Beginn in der Regel: 7.45 Uhr) gebracht haben.

Die Kreuztaler Schulen sind gegen diese Art der Verlängerung des Schultages, und sie wissen den Rat der Stadt hinter sich. Bürgermeister Rudolf Biermann unternahm zwischenzeitlich einen vergeblichen Versuch, die Mehrheit umzustimmen: Wenn die Ersparnisse nicht beim Schüler,- sondern beim „Jedermannverkehr” erzielt werden, sind andere Bevölkerungsgruppen, die auf den Bus angewiesen sind, hart getroffen. Inzwischen ist der Nahverkehrsplan geändert worden: Weil Kreuztal die Schulanfangszeiten nicht ändern will und auch nicht den Betrag von rund 80 000 Euro als Ausgleichszahlung auf den Tisch legen will, wird die Linie R 10 zwischen Geisweid und Littfeld und die L 140 zur Erlersiedlung auf einen Stundentakt ausgedünnt.

Auf dem Papier: „Es liegt an den Verkehrsunternehmen, das umzusetzen”, sagt ZWS-Geschäftsführer Günter Padt der WR. Im Falle Wittgenstein (Linienbündel Ost) und Olpe (Linienbündel Nordwest und Nordost) haben die Unternehmen, also Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd (VWS) und Busverkehr Ruhr-Sieg (BRS), den ZWS gebeten, die Linienbündel vorzeitig zu „aktivieren” - in Olpe eben jetzt, zum Schuljahresbeginn. In Sachen Linienbündel „Mitte” mit dem Kernraum (Siegen, Kreuztal, Hilchenbach, Freudenberg, Netphen) seien die Unternehmen aber „noch nicht an uns herangetreten”, sagte Padt der WR. Somit läuft es auf den Umstellungstermin im Jahr 2010 hinaus, den der ZWS vorgegeben hat. Möglicherweise löst der Zeitgewinn bei der Umsetzung des Nahverkehrsplans doch noch ein Problem: Denn 2010 wird der Schultag zumindest für die Gymnasiasten, die nur noch acht Jahre Zeit bis zum Abitur haben, länger sein, als das 2005 oder 2006 der Fall war. Und auch an anderen Schulformen geht der Trend, wie seit jeher bei der Gesamtschule, zum Ganztag: In die nötige Infrastruktur mit Bistros oder Mensen wird derzeit an vielen Stellen investiert.

Im Kreis Olpe übrigens, wo sich der Widerstand gegen die geplante Vorverlegung des Schulanfangs auf 7.30 Uhr richtete, wurde im Verlauf der Auseinandersetzung eine andere Lösung gefunden: Die Einsparungen werden mit den Heimfahrten erzielt. Zusätzliche Busse für Schüler werden nur noch nach der sechsten und achten Stunden eingesetzt; wer früher Schluss hat, kann versuchen, mit dem „Jedermannverkehr” nach Hause zu kommen.

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