Steuerbetrüger in Siegen plagte das schlechte Gewissen

Ein unbekannter Steuersünder hat beim Finanzamt Siegen sein Gewissen erleichtert.
Ein unbekannter Steuersünder hat beim Finanzamt Siegen sein Gewissen erleichtert.
Foto: Finanzamt Siegen
Was wir bereits wissen
Ein anonymes Schreiben sorgte im Finanzamt Siegen für Freude: Ein unbekannter Mitbürger wollte sein Gewissen erleichtern und "spendete" dem Finanzamt rund 2000 Euro, die er durch falsche Angaben bei seiner Steuererklärung hinterzogen hatte. Der Unbekannte hat dadurch zwar ein reines Gewissen, aber immer noch keine weiße Weste.

Siegen.. Normalerweise ist das Öffnen und Bearbeiten eingehender Briefe im Finanzamt Siegen nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig. Dass die Post gar regelrechte Freude auslöst, kommt so gut wie niemals vor. Ganz anders jedoch am Montag: „Die Arbeitswoche begann für Amtschef Günter Michel erfreulich: In einem an ihn persönlich adressierten Briefumschlag befanden sich vier gebrauchte 500-Euro-Scheine, also 2000 Euro in bar“, erklärt Heiko Müller, Geschäftsstellenleiter und Sprecher des Finanzamts Siegen.

Dem beigefügten Anschreiben ist zu entnehmen, dass ein „reuiger Steuerzahler“ sein schlechtes Gewissen erleichtern wollte. Durch Falschangaben bei den Werbungskosten in der Einkommensteuererklärung habe er oder sie im Jahr 2004 rund 2000 Euro an Steuern und Zinsen zu wenig gezahlt.

Geld wird zugunsten der Steuerzahler verbucht

„Die anonyme Steuernachzahlung wird nun im Haushalt unter Einkommensteuer zugunsten aller Steuerzahler verbucht, und der einzahlende Bürger hat ein ruhiges Gewissen“, sagt Müller hörbar amüsiert. Auch der Direktor des Amtes habe laut lachen müssen, als er seine Post sichtete und den wertvollen Inhalt des Briefes entdeckte.

Nur einmal dürfte das Öffnen der Briefe im Finanzamt mehr Spaß gemacht haben. „1997“, erinnert sich Müller, fanden 20.000 DM auf diese ungewöhnliche Weise ihren Weg zum Fiskus. Wer diese großzügige „Spende“ seinerzeit über den Postweg ablieferte, ist nicht klar. Denn im Gegensatz zum aktuellen Fall gab es vor 15 Jahren kein Begleitschreiben.

Der „reuige Steuersünder“ jedenfalls hat jetzt zwar ein reines Gewissen, aber keine weiße Weste. „Klüger wäre es gewesen, sich selbst anzuzeigen und dann zu zahlen“, so Müller. Sollte das Steuervergehen doch mal aufgedeckt werden, muss er oder sie noch mal zahlen.