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Sprachhelfer

Starthilfe für Flüchtlinge auf Neunkirchener Art

18.02.2016 | 22:00 Uhr
Starthilfe für Flüchtlinge auf Neunkirchener Art
Sprachhelferin Katrin Sauer mit Tymek und Amir: Hier geht es um die Jahreszeiten.Foto: Grundschule Neunkirchen

Neunkirchen.   15 Kinder asylsuchender Eltern besuchen die Neunkirchener Grundschule. Ehrenamtliche Helfer betreiben mit ihnen täglich Spracharbeit.

Seit etwa anderthalb Jahren kommen im Schnitt einmal im Monat asylsuchende Eltern in die Neunkirchener Grundschule. Sie bringen Kinder mit, die in der Regel kein Deutsch sprechen. „Mittlerweile haben sich 15 nicht deutsch sprechende Kinder bei uns eingefunden“, berichtet Rektor Günter Bieler. Sie verteilen sich gleichmäßig auf die vier Jahrgänge, bis zu drei Kinder aus den Familien Geflüchteter sind in einer Klasse zusammen.

Bieler kennt die Schlagzeilen. „Fast täglich liest man von der bedrohlichen Anzahl der Zuwanderer und von den Problemen, die ihre Unterbringung und Integration begleiten. Da tut es Not, dem immer mal wieder auch positive Eindrücke entgegenzusetzen.“ Eindrücke, wie sie die Neunkirchener Schule vermittelt, die Tag für Tag mit Kindern zugewanderter Familien arbeitet.

Grundschule mit Sprachhelfern

„Es gibt sicher keine gesellschaftliche Gruppe, die Fremden ähnlich unvoreingenommen, neugierig und interessiert begegnet wie Kinder im Grundschulalter“, stellt der Schulleiter fest. „Hier zählt nicht, wie einer aussieht, ob er gut in Mathe ist oder deutsch spricht, allenfalls seine Qualitäten im Fuß- und Völkerball.“ Damit seien die Rahmenbedingungen für gelingende Integration gut. Hierzu kommen nun in Neunkirchen ehrenamtliche Helfer, die täglich eine Stunde mit diesen Kindern Spracharbeit betreiben, indem sie mit ihnen spielen, erzählen oder vorlesen — jedes Kind mit einem eigenen Sprachhelfer.

Erfahrungen mit Lesepaten

Die Idee zu dem Sprachhelfer-Projekt entstand im Schuljahr 2014/15, als der Grundschule Lehrerstunden für die Einzelförderung von Schülern fehlten. Zurückgreifen konnte die Schule auf die Erfahrungen mit ihrem Lesepaten-Projekt und die Zusammenarbeit mit der Senioren-Service-Stelle.

Diese Arbeit läuft seit 15 Monaten. Sie stellte für die ehrenamtlichen Helfer eine besondere Herausforderung dar, berichtet Günter Bieler. Zu Beginn müsse ein Vertrauensverhältnis zu den Kindern hergestellt werden, die aufgrund ihrer Erlebnisse und Erfahrungen nicht ohne weiteres auf Fremde zugehen können. Die Sprache als Mittel gegenseitiger Verständigung ist häufig noch nicht einmal in Ansätzen vorhanden. „Lernfortschritte sind nach einer Stunde gemeinsamen Arbeitens nicht unbedingt messbar, sie werden erst nach längeren Zeiträumen deutlich.“

Kleine Dolmetscher

Gleichwohl sind viele Sprachhelfer über die gesamten 15 Monate im Team geblieben. Wer aufgehört hat, tat dies aus gesundheitlichen Gründen oder wegen Veränderungen in den persönlichen Lebensumständen. „Das liegt sicherlich zum Teil daran, dass die Sprachhelfer engagierte und beharrliche Überzeugungstäter sind“, vermutet Bieler, „zum Teil aber auch daran, dass wir es mit liebenswerten, lernwilligen und dankbaren Kindern zu tun haben.

Sie kommen gerne in die „Sprachhelferstunden“, genießen die Einzelbetreuung. Und sie lernen ständig dazu, wie zum Beispiel Shpend, der vor anderthalb Jahren aus dem Kosovo kam und kein Wort Deutsch sprach. Heute ist er unentbehrlicher Dolmetscher, bei der Verständigung mit Rasim, dem Mitarbeiter des Hausmeisters, der vor zwei Monaten mit seiner Familie aus Albanien gekommen ist — und seinerseits kein Wort Deutsch spricht.

Die kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen Sprachhelfer und Schützling führt auch zu emotionalen Bindungen, die ein sehr günstiges Lernklima schaffen und zugleich auch das Gefühl von Sicherheit und Akzeptanz vermitteln. „Wir haben so viel Spaß bei unserer Beschäftigung mit diesen Kindern“, sagt eine der Sprachhelferinnen, „das sollte man eigentlich mal der Öffentlichkeit vorstellen.“

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2016-02-18 22:00
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