Stahlwerk soll Geisweid heizen

In diesem Gebäude befindet sich der Elektro-Ofen, der die Abwärme produziert. Von dort aus soll die Wärme abgeleitet werden, um Geisweid zu versorgen.
In diesem Gebäude befindet sich der Elektro-Ofen, der die Abwärme produziert. Von dort aus soll die Wärme abgeleitet werden, um Geisweid zu versorgen.
Foto: Maximilian Amos
Was wir bereits wissen
Die Deutschen Edelstahlwerke in Geisweid sollen mit ihrer Abwärme dem nördlichen Siegener Stadtteil Energie liefern.

Geisweid..  Schon die alten Römer nutzten das heiße Wasser ihrer Thermen nicht nur zum Baden, sondern leiteten es durch Rohre zu Heizzwecken in andere Gebäude.

Der Grundgedanke der Fernwärme ist also nicht neu. Gleichwohl könnte sie eine Technologie der Zukunft sein, um eine sauberere und günstigere städtische Wärmeversorgung zu ermöglichen. Dies glaubt zumindest Dr. Jochen Grisse, Geschäftsführer der Energie für Geisweid GmbH. Am Montag präsentierte die Gesellschaft ihr Projekt zum Aufbau eines Nah- und Abwärmenetzes zur lokalen Wärmeversorgung in Geisweid.

Lebendige Entstehungsgeschichte

In seinem Vortrag schildert Grisse sehr lebendig die Entstehungsgeschichte und die Vorteile der Technik. Der Grundgedanke ist einfach: Die bei industriellen Fertigungsprozessen entstehende Abwärme wird umgeleitet und über ein Rohrnetzwerk an lokale Abnehmer weitergegeben. Im westlichen Ruhrgebiet beispielsweise wird diese Technologie bereits in großem Umfang genutzt.

Mitgesellschafter der Energie für Geisweid GmbH sind die Deutschen Edelstahlwerke, aus deren Stahlwerk die Abwärme bezogen werden soll. „Der Elektroofen produziert große Mengen an Abwärme“ erklärt Grisse, „diese soll genutzt werden. Innerhalb der Werksgrenzen ist das aber nicht rentabel.“

Aus diesem Grund habe man sich an die Stadt Siegen gewandt, um ein Konzept zur Nutzung der verfügbaren Abwärme zu erarbeiten. Zum Zweck der Umsetzung wurde schließlich die GmbH gegründet, welche das Projekt aus einer neutralen Position vorantreiben soll. Geht es um die Profiteure des Vorhabens, spricht Grisse von einer „mehrfachen Win-win-Situation“.

Drei Millionen Euro investiert

Günstige Energie für den Verbraucher sowie die Förderung der lokalen Wirtschaft seien Vorteile, doch „Hauptgewinner ist die Umwelt“. Mit der ausgekoppelten Leistung ließen sich 500 Haushalte versorgen. Gegenüber einer Heizversorgung mit Öl könne man in der ersten Ausbaustufe bis zu 1800 Tonnen CO² pro Jahr sparen.

Große Zustimmung

Die Idee stieß von Anfang an auf große Zustimmung. So fanden sich in der BEG Südwestfalen, der SVB, der TMT GmbH, sowie Sparkasse und Volksbank wichtige Unterstützer. Aber es gibt auch Zweifel am Projekt, wie Grisse ebenfalls einräumt: „Die Frage ist immer, wie lange alle mitmachen. Es gibt keine Garantie für die Umsetzung, aber wir sind guter Dinge.“ Alles steht und fällt schließlich mit dem wirtschaftlichen Interesse der Beteiligten. Das anfängliche Investitionsvolumen von rund drei Millionen Euro sollte sich besser früher als später amortisieren. Anvisiert sind fünf bis sieben Jahre.

Kreisklinikum und Uni als Abnehmer

Als Vorprojekt und Praxistest für das Vorhaben wurde bereits eine Anlage zur Trocknung von Holzhackschnitzeln erfolgreich in Betrieb genommen. Natürlich fühle man auch eine gewisse Verantwortung, das Projekt zu einem Erfolg zu führen, so Grisse, doch die wirtschaftlichen und juristischen Risiken sind noch nicht ausgeräumt. „Wir haben viel Arbeit und Geld investiert“ erklärt dazu Jürgen Alex, Geschäftsführer im Ressort Technik der DEW. „Jetzt sind wir optimistisch, denn wir haben viele positive Voraussetzungen, den ersten Schritt zu tun.“

Erste Abnehmer sind möglicherweise schon gefunden. So hat außer dem Kreisklinikum auch die Universität Siegen Interesse signalisiert. Die erste angedachte Trassenführung soll daher von den Stahlwerken über den Adolf-Reichwein-Campus am Haardter Berg bis zum Hölderlin-Campus verlaufen. Bereits Ende des Jahres könnte der Bau beginnen.

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