Spritztour nach Holland bringt Trio vor Gericht

Vor Gericht: Drei Siegener fahren mit einem gestohlenen Schrottauto in die Niederlande.
Vor Gericht: Drei Siegener fahren mit einem gestohlenen Schrottauto in die Niederlande.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
„Wer ist denn auf die dusselige Idee gekommen“, fragt Richter Kolb. Sein Blick geht auf drei Männer, die vor dem Jugendschöffengericht in Siegen stehen.

Siegen..  Die Siegener sind 23, 21 und 22, wirken deutlich jünger und geben vor, den Grund für ihre sommerliche Spritztour nicht mehr so richtig zu wissen.

So lief die Tat ab

Am 22. Juni klaut Sven J., der Älteste, einen schrottreifen Caddy bei einem Eiserfelder Autohändler. Mit dem kennzeichenlosen Wagen durchbricht er den Zaun des Unternehmens und fährt zum Mitangeklagten Dustin K. Der ist zu diesem Zeitpunkt 20 Jahre und 10 Monate alt, wird vom Gericht noch als Heranwachsender behandelt. Nach einer kurzen Nachtfahrt Richtung Daaden, beide haben keinen Führerschein, holen sie am nächsten Tag Dominik S. ab, der ebenfalls keinen Führerschein hat. Das Trio schraubt Kennzeichen von einem fremden Wagen ab, tankt den Caddy in Neunkirchen für 76,86 Euro voll.

Die Rechnung zahlen die jungen Männer nicht. Sie machen sich auf den Weg nach Amsterdam. Bei der Rückkehr nach Siegen wartet schon die Polizei. Sven J. sitzt am Steuer. Er stand bereits ein halbes Dutzend Mal wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis vor Gericht.

In Gegenwart des Gerichts sind die drei Angeklagten still, fast in sich gekehrt. Auf dem Flur und auch beim Warten im Gerichtssaal zeigen sie sich indes unbeeindruckt. Die Planung der nächste Wochenendparty steht im Fokus. Sie sprechen über nötige Einkäufe und das dabei im Wege stehende Hausverbot von Dominik S. in einem Supermarkt.

„Ich gebe die Tat vollkommen zu“, sagt der junge Mann gestern, der nach eigenen Angaben unter ADHS „und einem Trauma aus einer anderen Sache“ leidet und in ärztlicher Behandlung ist. Auch die anderen beiden Männer sind geständig. „Was wollten Sie denn in Holland? Tulpen in Amsterdam kaufen?“, fragt der Richter etwas zynisch. Grummeln auf der Anklagebank. „Tulpen, die man rauchen kann“, wird Kolb präziser. Das sei schon möglich, antwortet Sven J. zögerlich.

Es sei eigentlich auch egal, verzichtet der Vorsitzende auf eine Vertiefung des Themas. Ein Drogenzusammenhang ist nicht angeklagt, nur die Diebstähle von Auto, Benzin und Kennzeichen sowie Fahren ohne Fahrerlaubnis und Versicherung. Auch diverse weitere Tankdiebstähle auf dem Weg nach Holland und zurück wurden nicht weiter ermittelt.

So urteilt der Richter

Die Aussagen der Angeklagten haben es ermöglicht, auf Zeugen zu verzichten. Alle drei sind vorbelastet und -bestraft, allerdings im eher niedrigen Bereich. Alle drei kommen aus schwierigen familiären Verhältnissen. Für den Heranwachsenden Dustin K. schlägt ein Vertreter der Jugendgerichtshilfe einen Jugendarrest vor. Er wirke noch wie ein Jugendlicher. Staatsanwältin Vogelsang tendiert zu einer Jugendstrafe von sechs Monaten und 120 Sozialstunden.

Am Ende kommt der junge Mann mit zwei Wochen Dauerarrest davon. Dustin K. sei nach Ansicht des Gerichtes „auf dem Weg zu einer Jugendstrafe, aber noch nicht ganz angekommen“, erläutert Peter Kolb und hofft, dass dieser „letzte Warnschuss“ Wirkung zeigt. Ansonsten gehe es „das nächste Mal in die Kiste“.

Sven J., der den Wagen klaute und überwiegend auch fuhr – also den wesentlichen Tatbeitrag lieferte – wird zu acht Monaten mit Bewährung verurteilt. Seine bereits bestehende Führerscheinsperre wird um ein weiteres Jahr verlängert. Zudem soll er 120 Sozialstunden leisten. DominikS. schließlich kommt mit einer Geldstrafe von 600 Euro davon.

Er und Sven J. akzeptieren ihre Strafe, Dustin K. will „noch überlegen“.

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