SPD und UWG für Paul Wagener

Manfred Heinz,  Annette Scholl,  Klaus-Peter Wilhelm (von links), Manfred Schröder und Helmut Buttler (von rechts)  unterstützen Paul Wagener.Foto:Steffen Schwab
Manfred Heinz, Annette Scholl, Klaus-Peter Wilhelm (von links), Manfred Schröder und Helmut Buttler (von rechts) unterstützen Paul Wagener.Foto:Steffen Schwab
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Netphen..  Vier Gruppierungen hatte Paul Wagener 2009 hinter sich, als er als Einzelbewerber in den Bürgermeisterwahlkampf zog. Zwei davon sind übrig: SPD und UWG wollen sich für seine Wiederwahl einsetzen. Grüne und FDP, so kommentiert SPD-Fraktionschef Manfred Heinz, das sehr bald nach der Wahl von 2009 formierte Jamaika-Bündnis, seien „auf der Strecke geblieben. Das hat ihnen nichts genutzt und der CDU auch nicht.“ Niedergeschlagen habe sich das im Ergebnis der Kommunalwahl von 2014, findet SPD-Vorsitzende Annette Scholl: Alle drei Fraktionen hätten Stimmen eingebüßt, der Konfrontationskurs gegen den Bürgermeister sei von den Wählern nicht honoriert worden.

Paul Wagener sei ein „kompetenter Jurist und Verwaltungsfachmann“, sagt Helmut Buttler, Vorsitzender von Ratsfraktion und Ortsverein der UWG, „wir haben ihn kennen- und schätzen gelernt, und wir wünschen ihm sehr viel Erfolg bei seiner Wiederwahl.“ Buttler hebt Wageners „Ohr am Bürger“ und seinen Widerspruchsgeist gegenüber übergeordneten Behörden hervor, macht aber auch kein Geheimnis aus Differenzen. „Ich hätte die auslaufenden Schulen“ — also Real- und Hauptschule, die jetzt für ihre letzten beiden Schuljahre umziehen — „gern an ihren Standorten gehalten.“ Und auch die Beigeordnetenstelle sähe Buttler gern wiederbesetzt — noch.

Sein Fraktionskollege Klaus-Peter Wilhelm zum Beispiel ist anderer Meinung: „Einen Beigeordneten brauchen wir nicht.“ Zumal die Ratsmehrheit einen Kandidaten ihrer Couleur durchsetzen könnte: „Das gibt dann immer wieder Konfrontation.“ Die Turbulenzen im Rathaus selbst sieht Wilhelm gelassen: Wagener habe „seit Jahrzehnten bestehende Verkrustungen“ aufgebrochen. „Dass da Widerstände kommen, ist klar.“ Manfred Heinz spricht sogar von einem „Aufblühen“ der den Dezernenten unterstellten Bereichsleiterinnen und -leiter: „Die leisten ihre Arbeit ganz hervorragend.“

Sechs Jahre „unter Dauerfeuer“

Der SPD-Fraktionschef nennt Stichworte: das Leitbild, die Schulorganisation, Kultur- und Tourismuskonzepte, die Stiftung „Gut für Netphen“, das städtische Vorkaufsrecht für Immobilien in der Stadtmitte („neue Chancen“), die „grandiose 775-Jahrfeier“ („die hat der Stadt sehr gut getan“), die Innenstadtentwicklung, die neuen Wohnviertel auf dem Feldwasser und dem früheren Susan-Gelände an der Netphe, vor allem aber auch soziale Themen von der Förderung des Ehrenamts bis zum neuen Familienbüro. „Wir konnten unsere Themen relativ leicht durchsetzen“, sagt Manfred Heinz, „es ist für uns kein Problem, weiterhin mit Paul Wagener zusammenzuarbeiten.“ Wagener habe sechs Jahre „unter Dauerfeuer“ gearbeitet, sagt Manfred Heinz, „das muss einer erst mal durchstehen“.

Erbracht sei damit damit auch der Beweis, dass der parteilose 53-Jährige fit für die Aufgabe sei. „Kein Nebenjob für Altersteilzeitler und keine Pensionserhöhungsmaschine für Fachfremde“, schiebt die SPD in einer Pressemitteilung nach. Der Seitenhieb gilt offenkundig Bruno Glomski, den die CDU als Herausforderer des Bürgermeisters ins Rennen schickt.

Drei Fragen an Paul Wagener

Paul Wagener wurde 2009 als parteiloser Einzelbewerber zum Bürgermeister gewählt. Jetzt bewirbt er sich für eine zweite Amtszeit.

1 Wie geht’s Ihnen nach fünfeinhalb Jahren Amtszeit als Bürgermeister?

Die Arbeit macht mir großen Spaß, für mich ist das eine spannende Zeit. Anders als im Ministerialdienst ist man den Empfindungen und Emotionen der Menschen unmittelbar ausgesetzt. Dadurch habe ich sehr viel gelernt über Sachzusammenhänge, Menschen und Kommunikation. Das Wichtigste ist die Präsenz bei den Menschen.

2 Wie hat sich die Zusammenarbeit mit dem Rat gestaltet, in dem sich sehr früh eine Mehrheit gegen Sie formiert hat?

Das war in der Tat eine Herausforderung. Von den Grünen und der FDP, die meine Wahl unterstützt hatten, bin ich politisch enttäuscht. Dennoch habe ich die Ziele, die ich hatte, erreicht: auch gegen Widerstände die Gründung der Sekundarschule, die Planung der Windkraft-Vorrangzonen und die Beschlüsse zur Rekommunalisierung des Stromnetzes, Kostensenkungen beim Straßenbau K11/Werthenbach. Darüber hinaus haben wir Runde Tische für die Belange der Menschen mit Behinderung, für die Betreuung der Flüchtlinge und für die Breitbandversorgung installiert.

3 Was wird neu, wenn Sie wiedergewählt werden?

Das Leitbild der Stadt wird die Blaupause für den Prozess sein, den ich mit den Bürgern gemeinsam gestalten werde. Wir sind auf dem Weg zu einem familienfreundlichen Industriestandort im Grünen. Wir stehen in der Konkurrenz mit anderen Kommunen und vor den Herausforderungen der demografischen Entwicklung. Ich werde versuchen, eine Handwerks- und Industriemesse zu etablieren, in der Netphener Unternehmen sich präsentieren, und dabei die Uni einbeziehen. Viele Projekte aus der Leader-Bewerbung werden wir weiterverfolgen, auch wenn wir nicht den Zuschlag bekommen haben – das entstandene Netzwerk besteht pber den Tag hinaus, auch davon werden wir profitieren. Auch den zweiten Discounter für die Stadtmitte habe ich nicht aufgegeben: Der neue Rat ist nicht mehr der alte Rat.