SPD und CDU planen über die Bürgermeisterwahl hinaus

In bunter Reihe: Betty Roth, Katrin Fey (beide SPD), André Jung (CDU), Sven Wengenroth (SPD). Ralph Müller (CDU), Michael Stötzel (SPD, von links).Foto:Steffen Schwab
In bunter Reihe: Betty Roth, Katrin Fey (beide SPD), André Jung (CDU), Sven Wengenroth (SPD). Ralph Müller (CDU), Michael Stötzel (SPD, von links).Foto:Steffen Schwab
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Hilchenbach..  „15 und 8 macht 23.“ CDU-Fraktionschef André Jung ­addiert die 15 Sitze der SPD und die acht der CDU, um die gemeinsame Mehrheit beider Fraktionen im 40-köpfigen Rat der Stadt deutlich zu machen. Klar wird damit, dass die Zusammenarbeit, die mit dem einstimmigen Votum der CDU-Mitgliederversammlung für den SPD-Kandidaten Sven Wengenroth dokumentiert wird, über die Bürgermeisterwahl hinaus fortgeführt werden soll: „Eine stabile politische Basis für die nächsten fünf Jahre“, sagt Jung. Fundamentiert werden soll diese in einem „Koalitionsvertrag“, den beide Parteien „mit der gebotenen Eile“ (Jung) ausarbeiten wollen.

„Die Chemie stimmt.“ Dieser Satz fällt im Pressegespräch mit den Spitzen beider Fraktionen und Parteien mehrfach — bei der CDU vor allem auch zur Abgrenzung zu UWG und Grünen, mit denen es weder die politischen „Schnittmengen“ noch die gemeinsame Vertrauensbasis gebe. Auf den Rücksitz des Elektromobils Renault Twizy , das bis Oktober mit dem Nummernschild SI-BM 139 für Wengenroths Wahlkampf angemeldet ist, zwängt André Jung sich nach der Publikation des Fotos auf einer Facebook-Seite zwar nicht noch einmal. Aber, so Sven Wengenroth, „man wird uns in den nächsten Monaten sehr viel zusammen sehen.“ Und meint damit auch Olaf Kemper, den zweiten stellvertretenden Bürgermeister, der sich am Ende gegen eine Bewerbung als CDU-Kandidat entschieden hat. Die Unterstützung Wengenroths sei auch „für uns besser“.

Bekenntnis zur Parteibindung

Dass der CDU-Stadtverband nicht so weit gegangen ist, ihn auch gleich formell mitzunominieren, sodass auf dem Stimmzettel die CDU nicht erscheinen wird, macht Sven Wengenroth wenig aus: „Man kann Gemeinsamkeit auch anders demonstrieren.“ Zum Beispiel auch dadurch, dass gleich die CDU Gastgeber seines überhaupt ersten Medienauftritts als SPD-Bürgermeisterkandidat ist.

Keinen Hehl macht Sven Wengenroth aus seiner Freude über die Unterstützung durch die zweitgrößte politische Kraft in der Stadt. Wenn er zum Bürgermeister gewählt werde, könne er sich auf eine „sichere Mehrheit“ verlassen, „die mir den Rücken frei hält.“ Amtsinhaber Hans-Peter Hasenstab, so die Botschaft, hat die nicht.

Offensiv treten beide Parteien landläufigen Klischees über die Vorzüge nicht parteigebundener Bürgermeister entgegen. Eine enge Anbindung auf Kreis- und Landesebene sei wichtig, sagt André Jung: „Das fängt schon bei der Genehmigung des Haushalts an.“ Sven Wengenroth: „Es geht auch darum, parteigebundene Netzwerke zu nutzen.“

Kommentar : Zusammengehen macht Sinn

Der Bürgermeisterwahlkampf in Hilchenbach wird spannend. Zwei Kandidaten werden es wohl sein, keiner mit Amtsbonus. Ob die Wähler die Wahl haben werden zwischen zwei Einheimischen oder einem Hilchenbacher und einem Auswärtigen, ist noch das Geheimnis von UWG, Grünen und FDP. Dass die Wähler sich nicht von Parteien vorschreiben lassen, wem sie ihre Stimme geben, versteht sich — insofern macht das Vorgehen der CDU, „ihren“ Mitgliedern und Anhängern den SPD-Mann ans Herz zu legen, auf jeden Fall neugierig.


Aus Sicht der beiden Parteien macht das Zusammengehen Sinn: Das Wissen, dass sie in Hilchenbach allein nichts ausrichten kann, vererbt sich in der CDU über Generationen. Ihre beste, weil einflussreichste Zeit hatte sie in den 1980ern und 1990ern, als die Fraktionschefs Wolfgang Ruth (CDU) und Christoph Heilmann gemeinsam mit Stadtdirektor Wolfgang Bell (CDU) alle Strippen zogen. Die SPD wiederum schafft ihrem Bürgermeisterkandidaten einen Mitbewerber vom Hals. Als die CDU 2004 mit Renate Gehrmann eine eigene Kandidatin aufstellte, schaffte es Udo Hoffmann nicht einmal in die Stichwahl. Elf Jahre brauchte die SPD bis heute, um es überhaupt noch einmal zu versuchen.


Bürgermeister Sven Wengenroth hätte eine Ratsmehrheit hinter sich — sein noch nicht bekannter Mitbewerber müsste in den nächsten Jahren gegen sie regieren. Fraglich ist allerdings, wie lange der Pakt von SPD und CDU den Wahltag überdauert. Der erste Anlauf im vorigen Jahr dauerte nur einen Sommer lang, bis die Steuererhöhungs-Verweigerer in der SPD umkippten. Auch dieses Thema kommt zurück. Spätestens 2018. (Steffen Schwab)