Sparkassenüberfall Folge heftiger Spielsucht

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Was wir bereits wissen
Die Spielsucht des Angeklagten begann mit einer Wette auf ein Fußballspiel der Bayern und gipfelte in einem Banküberfall in Siegen. Das ist seine Geschichte.

Siegen..  Manchmal können Details über das Schicksal eines Menschen entscheiden. Hätten die Bayern im März nur ein Tor gegen Borussia Mönchengladbach erzielt, wäre es wahrscheinlich nicht zum Überfall auf die Siegener Sparkasse durch Erdal S. gekommen. Er habe seine letzten 1000 Euro in diverse Sportwetten investiert, erklärte der 38-Jährige am Mittwoch im Landgericht. Er verlor, dachte einen Tag lang über Suizid nach, wollte das seiner Familie nicht antun, und entschied sich schließlich, seine erdrückenden Geldprobleme mit dem Überfall auf die Sparkasse zu lösen.

Staatsanwalt fordert dreieinhalb Jahre

Der Überfall scheiterte, das Securitypack explodierte in seiner Jacke und Erdal S. stellte sich der Polizei am Siegener Bahnhof. Dafür und für die sechs Unterschlagungen in seinem Unternehmen in den Wochen davor, soll Erdal S. nach Ansicht von Staatsanwalt Patrick Baron von Grotthuss drei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Zudem solle der Haftbefehl aufrechterhalten werden, „sonst treffen wir den Herrn S. morgen schon wieder in der nächsten Spielhalle an“. Sollte das Gericht den Haftbefehl dennoch außer Vollzug setzen, beantrage er „äußerst hilfsweise“. Erdal S. eine stationäre Therapie aufzuerlegen.

Verteidiger Björn Lange hielt für den nicht Vorbestraften eine Bewährungsstrafe für vertretbar und ging ebenfalls auf die Spielsucht seines Mandanten ein. Diese gelte im Vergleich zu Drogen- oder Alkoholsucht als leicht. Das Beispiel Erdal S. mache aber deutlich, wie existenzzerstörend diese Abhängigkeit tatsächlich sein könne.

Aus den Aussagen des Angeklagten und dem Gutachten von Psychiater Dr. Michael Mattes ergab sich ein düsteres Gesamtbild. Der 38-Jährige stammt aus einer bürgerlichen Familie, hatte Sozialpädagoge werden wollen, den Wunsch aber einer frühen Hochzeit geopfert. Erdal S. entschied sich für eine Ausbildung zum Lageristen in einem heimischen Möbelhaus. Dort wurde sein Talent zum Verkäufer entdeckt. Dann kam die Spielsucht zum Tragen.

Haus und Hof verspielt

Er habe immer höhere Summen verspielt, berichtete der Angeklagte. Manchmal habe er ganze Nächte in Casinos verbracht, sei dann mehrfach schlafend im Büro angetroffen worden, habe immer mehr Fehler gemacht, wurde schließlich nach zehn Jahren entlassen. Er kaufte ein Haus für seine junge Familie, verlor es durch seine Spielsucht und konnte schließlich auch die Miete der danach bezogenen Wohnung nicht mehr bezahlen. Nach Jahren der Gelegenheitsjobs stellte ihn der Geschäftsführer eines Siegener Küchenstudios an, wo er schon nach wenigen Wochen die erste Unterschlagung beging, über 7800 Euro, und gefeuert wurde. Auf Flehen der Ehefrau und nach Rücksprache mit dem Steuerberater stellte ihn sein Chef wieder ein und musste schließlich abermals rund 18 000 Euro abschreiben. Erdal S. lieh sich Geld von Kredithaien, pumpte Freunde und Verwandte an, stopfte eine Schuldenlücke mit der nächsten Anzahlung von Küchenkunden. Bis er am Ende war. Die Polizisten beschrieben ihn nach der Tat als extrem deprimiert und verzweifelt.

Das Urteil soll Dienstag fallen.

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