Sonnig-fröhlicher Abschied aus Allenbach

Jede Klasse verabschiedet sich mit einem musikalischen Beitrag.
Jede Klasse verabschiedet sich mit einem musikalischen Beitrag.
Foto: WP

Allenbach..  „Tschüss, alte Schule“, singen die Kinder der dritten Klasse. Vor 35 Jahren wurde die Allenbacher Grundschule gebaut, jetzt gibt die Stadt den Schlüssel ab. Am Freitagnachmittag hat die Schulgemeinde mit vielen Ehemaligen Abschied gefeiert.

1743 wird die erste Schule in Allenbach erwähnt. Eine „privative schul“, wie Pastor Seelbach an sein Konsistorium schreibt. Nicht nur die Kirche, auch das Amt wurde vor vollendete Tatsachen gestellt. Amtmann Trainer habe den Bau „durch den Gerichtsdiener verbieten laßen, deme aber eben wenig gehohrsam geleistet worden“. Der Pfarrer sorgte sich, dass die Kinder „bey offt anlaufften großen gewässern“ in der Ferndorf ertrinken könnten.

Heutelacht die Sonne , es steigt ein Fest. „Aber eigentlich aus traurigem Anlass“, sagt Fachbereichsleiter Werner Krönert, der den Bürgermeister vertritt. Zu ändern ist da nichts: 169 Kinder wurden 2000 in Hilchenbach geboren, zehn Jahre später nur noch 81. Für drei Grundschulen reicht das nicht mehr. Krönert tröstet die Kinder, die noch gar nicht traurig sind: Der Weg zur Grundschule nach Müsen sei etwas weiter. Aber auch dort sei es schön. Im September erwartet die beiden neuen Klassen ein Willkommensfest.

1781 brannte die „Dewern-Schoal“ — so der Hausname an der heutigen Siegener Straße 7 — zusammen mit anderen Häusern beim Eisenhammer ab. 1783/1784 wurde am Hof-Stöcken-Weg, sozusagen auf halber Strecke zwischen Allenbach und Haarhausen, die neue Schule gebaut; damit konnte die Haarhäuser Schule aufgegeben werden. 1868 wurde die „Elementarschule“ an derselben Stelle neu gebaut und 1886 aufgestockt. Von 1912 bis 1924 war eine Klasse auch „Übungsschule“ für das in Stift Keppel eingerichtete Lehrerinnenseminar.

1953 wurde die Volksschule durch einen Anbau um eine hauswirtschaftliche Berufsschule erweitert. Im Dachgeschoss baute Hauptlehrer Paul Benfer, der 1925 an die Schule kam, eine heimatgeschichtliche Sammlung auf, den Grundstock für das heutige Stadtmuseum in der Wilhelmsburg.

Heute wirft Siggi Kretzer Kamelle. Sie war die letzte planmäßige Schulleiterin — und sie wird nun, anders als ihr Vorgänger Otto Roth, der 1995 in Pension ging und seiner Schule zum Abschied auch noch einmal die Ehre gibt, für eine Weile wieder in ihr Büro zurückkehren: als Leiterin der privaten b school, hervorgegangen aus einer Elterninitiative. Das Konzept hat die Bezirksregierung inzwischen befürwortet, jetzt hat das Schulministerium das letzte Wort. Siggi Kretzer in ihrer gereimten Ansprache: „Der Traum von der Schule am Kind wird wahr — hurra!“

1981wurde die alte Volksschule abgerissen; sie machte dem Bau der 1984 fertiggestellten Ortsumgehung Platz. 1979 war mit dem Neubau am Stift-Keppel-Weg begonnen worden, der zum Ende des Schuljahres 1980/81 bezugsfertig war. 1995 und 2007 werden Erweiterungsbauten errichtet.

Heuteerinnert Jutta Leuckel, die die Schule mit der Kredenbacher Konrektorin Sandra Klein zuletzt kommissarisch geleitet hat, an die alte Volksschule: 1959 wurden in einer Klasse 50 Kinder unterrichtet. „Das kann man sich kaum noch vorstellen.“ Allein zwischen 1998 und 2013 ging die Gesamtschülerzahl von 172 auf 11 zurück.

2013 beschloss der Rat das Aus für die städtische Grundschule, ein Jahr später wurde das Ende des Schuljahres 2014/15 als Schließungstermin festgelegt.

Heuteverklingt „Yesterday“, das letzte Lied der Klasse 4. „Mir sind ein paar Tränchen gekommen“, gesteht Jutta Leukel. Man verstand sich gut in Allenbach. „Wie bedauern die Schließung sehr. Zum Glück werden hier auch weiter fröhliche Kinderstimmen zu hören sein.“ Die sind jetzt erst einmal fast schon in Ferienstimmung: Familienolympiade ist angesagt für den Rest des Nachmittags. „Genießt den Tag“, ruft Katy Novara, die Schulpflegschaftsvorsitzende. Das lässt sich niemand zwei Mal sagen.

Etwa 80 Kinder hat die Allenbacher Grundschule noch. Die rund 50 Kinder der Klassen 2 und 3 wechseln in die Müsener Stahlberg-Grundschule.

Mit der Schule löst sich auch das vierköpfige Kollegium auf. Eine Lehrerin geht nach Kredenbach, eine nach Kaan, zwei begleiten ihre Klassen nach Müsen.