Sonne bezahlt die Dachsanierung
14.04.2010 | 19:30 Uhr 2010-04-14T19:30:00+0200Hilchenbach. Drei Hilchenbacher Elektrofirmen wollen den Großauftrag gemeinsam stemmen: Udo Dickel, Matthias Griesing, Holger Menn und ihre Mitarbeiter arbeiten beim Aufbau von fünf Photovoltaikanlagen auf städtischen Gebäuden zusammen.
„Unser aller Ziel ist, dass die Ablage am 30. Juni schnurrt”, sagt Holger Menn.
Die mittelständische Arbeitsgemeinschaft, die sich von Frank Sieper und seiner „Profitsolar” unterstützen lässt, ist ein weiterer Mosaikstein in einer besonderen Form kommunaler Energiepolitik: „Hilchenbach scheint ernst zu machen mit der kommunalen Energiewende”, freut sich Grünen-Kreisvorsitzender Dr. Peter Neuhaus, der selbst Stadtverordneter in Hilchenbach ist. Bürgerwindpark, Bürgersolaranlage, Energiereort, die Vorreiterrolle bei der Rekommunalisierung der Stromversorgung: „Hilchenbach gibt ein Beispiel für andere Kommunen”, findet Grünen-Landtagsabgeordneter Johannes Remmel.
Remmel will in Düsseldorf eingreifen
Und jetzt die Photovoltaikdächer: Sonnenkraft, die auf sechs Dächern der Florenbursschule, der Grundschule Allenbach, der Realschul-Turnhalle, der Turnhalle Dahlbruch und des Klärwerks gesammelt wird, wird von der Nothaushalt-Stadt zu Geld gemacht. Mit der Vergütung für den verkauften Strom finanziert die Stadt nicht nur die 580 000-Euro-Investition, sondern auch die 270 000 Euro teure Sanierung der beiden Turnhallen- und der Florenburg-Dächer. Auf die Zustimmung der Kommunalaufsicht wartet die Stadt allerdings noch.
„Wir waren optimistisch”, berichtet Hans-Jürgen Klein, Fachbereichsleiter der Bürgerdienste. Und jetzt? Im Nothaushalt muss die Stadt zeigen, dass Investitionen „rentierlich” sind. Der entsprechende Erlass erwähnt als Einnahmen aus Gebühren und Beiträgen; an den Erlös aus Stromverkauf haben die Verfasser aber nicht gedacht. Landtagsabgeordneter Johannes Remmel will zur Not auch den kurzen Dienstweg zum Innenministerium beschreiten. Was Modell für andere Kommunen sein soll, dürfe nicht ausgebremst werden. Zumal die Zeit drängt: Die Einspeisevergütung soll gesenkt werden, noch könnte sich die Stadt den alten Preis für 20 Jahre sichern. „Es ist grotesk, dass die Kommunalaufsicht da herumfuhrwerkt”, sagt Remmel. Zumal die Dachsanierung früher oder später sowieso fällig wird: „Was sollen wir denn machen, wenn es reintropft?”, fragt Hans-Jürgen Klein.
Energie-Investitionen bringen Arbeitsplätze
Die Hilchenbacher Ambitionen auf den „European Energy Award” schlagen sich durchaus auch bereits wirtschaftlich nieder: In den Betrieben der drei Elektromeister hängen mindestens die Hälfte der Arbeitsplätze an den Investitionen für erneuerbare Energien. Und die 198 Kilowatt auf 1440 neuen Quadratmetern Kollektorenfläche sollen nicht das Ende der Entwicklung sein. Holger Menn, der die Bürgersolaranlage auf dem Florenburg-Turnhallendach betreibt, erinnert daran, dass trotz Erweiterung auf 74 Kilowatt und 350 Quadratmeter noch mehr Anteile hätten verkauft werden können: „Viele Bürger sind leer ausgegangen.” Umweltschutz verkauft sich gut – „die Erfahrung konnten wir auch beim Bürgerwindpark machen”, berichtet Dr. Peter Neuhaus.
08:21
An dem Begriff rentierlich sollte das Projekt nicht scheitern, das festschreiben nur an den Einnahmen aus Gebühren und Beiträgen ist m. E. zu kurz gedacht und sollte schnellstens überarbeitet werden. Städte und Gemeinden die engagiert nach wirtschaftlichen Möglichkeiten für zu füllende leere Kassen und zusätzlich noch Arbeitsplätze schaffen und sichern sowie den Umweltschutz sinnvoll unterstützen, sollten herausgestellt und gefördert werden. Dagegen stehen Investitionen von insgesamt z. Zt. von 850000 EURO die trotz Nothaushalt finanziert werden müssen und die -bis auf die sanierten Dächer- erst in ferner Zukunft refinanziert oder auch rentierlich sein werden. Die Frage die sich stellt ist wie die Investitionssumme bereitgestellt werden kann, woher kommt die Deckung? Sich ist, die Stadt Hilchenbach ist hier quasi Vorreiter und auf dem richtigen Weg, der Synergieeffekt wird nicht auf sich warten lassen. Auch wenn der teure Solar- Strom weiterhin aus der Steckdose kommt.