Sommerfestival in Siegen – Ein verruchter Hauch von Paris

Rock, Country, Persiflagen auf Volkslieder: Bombastics, ein Trio aus dem Schweizer Tessin.
Rock, Country, Persiflagen auf Volkslieder: Bombastics, ein Trio aus dem Schweizer Tessin.
Foto: Wolfgang Leipold
Was wir bereits wissen
Schrill, schräg, grotesk: Burlesque – Die Veranstalter des Sommerfestivals haben Mut und veranstalten Bühnenprogramm bei knapp über 10 Grad im Siegener Schlosshof.

Siegen.. Von wegen Sommerfestival. Eher Winterzauber. Die Zuschauer im Siegener Schlosshof sitzen eingemummelt wie beim Hahnenkamm-Skirennen im Januar in Kitzbühel.

Die Winterstarre löst sich schon beim Auftritt der Bombastics, dem Trio aus dem Schweizer Tessin. Sie erfüllen alles, was man von Burlesque erwartet. Drei witzige, schräge Typen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können: Der dicke Bassist mit viel zu kleinem Zylinder, der überschlanke, nervös-hyperaktive Möchtegern-Star und die dralle, gelassene Schweizerin mit der Quetschkommode und den Strumpfbändern. Doch sie können auch einiges: Rock, Country, Persiflagen auf Volkslieder aus Russland und Italien.

Ballett Sicherlich ein Höhepunkt des Abends: Ein Blues, so langweilig eintönig, dass bald alle Drei dösend auf dem Bühnenboden liegen, um dann einen Wettbewerb auszutragen nach dem Motto: Wer kommt beim Publikum am besten an? Nach einigen Ausritten durch die Stuhlreihen und über viele Hindernisse sind dann alle wieder zum finalen Akkord nach gut 15 Minuten auf der Bühne versammelt.

Ein trockener Typ der besonderen Art ist Jochen Falk aus Berlin. Er kommt mit einer Klarinette auf die Bühne, ohne sie wirklich spielen zu können. Sein Notenblatt: Klein wie eine Briefmarke. Ebenso wenig kann er Gitarre. Unschlagbar naiv jedoch seine Fähigkeit, keine verbale Peinlichkeit auszulassen. Mit der Klarinette simuliert er einen Mondflug. Die Gitarre legt er weg, um lieber den erfolglosen Fakir Izmir zu mimen.

Lasziv die Hüllen fallen lassen

Zur Burlesque gehört Tanz. Im ehrwürdigen Schlosshof weht ein verruchter Hauch von Paris, wenn Damen gekonnt lasziv ein Kleidungsstück nach dem anderen von sich gleiten lassen und am Ende eine Federboa nur notdürftig viel Haut verdeckt. Oder auch, wenn der männliche Tanzpartner sich als Puppenfigur herausstellt. Dieser kann der Tänzerin wenigstens nicht auf die Füße treten. Originell, aber zu langatmig: Die beiden Italienerinnen mit ihrem Figurenballett. Ihre wichtigsten Körperteile dabei: Hände und Füße.

Unbestrittener Star des Abends ist jedoch der Moderator aus Köln, der seinen Namen so herleitet: Gerd heißt althochdeutsch „Die harte Lanze“, Buurmann auf Holländisch „Nachbar“. Gerd Buurmann also „Die harte Lanze von nebenan“. Er brilliert als großartiger Goethe-Rezitator und Goethe-Rapper. Aus seinem künstlerischen Vorbild macht er kein Geheimnis: Inge Meysel, deren charakteristisches Lispeln er so was von drauf hat, als er die von ihrem Mann verlassene Inge imitiert: „Du machst es dir verdammt leicht, Kurt.“ Furchterregend wird er, als er das Gute-Laune-Lied „Wochenend und Sonnenschein“ in eine gruselige Horror-Geschichte verwandelt.

Programm nicht optimal

Wenn der Abend nicht den Glanz der Burlesque-Show des letzten Sommerfestivals ausstrahlte, lag es nicht an Buurmann. Eher an der Programmzusammenstellung, die den musikalischen Anteil nur auf Parodien beschränkte. Da hätten Musiker aus einer anderen Qualitätsliga sicherlich das Niveau des Abends deutlich gesteigert.

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