Sogar die Queen tanzt zu den Rolling Stones

Siegen..  Zu den Phänomenen der Musikgeschichte gehört die einzigartige, nahezu ein halbes Jahrhundert dauernde Karriere der Rolling Stones. Natürlich zählt dazu auch die Rivalität zu den anderen Megastars, den Beatles. Doch während diese sich schon nach gerade mal vier Konzertjahren von der Bühne zurückzogen, weitere vier Jahre nur noch in Studios musizierten, um dann gänzlich auseinanderzugehen, sind die Stones auch als betagter Herrenclub immer noch heiß auf große Auftritte. Dabei ist Kreativität seit Jahren nicht mehr ihr Markenzeichen. Sie spielen unentwegt die uralten Hits, teilweise entstanden, als ihre jüngeren Zuhörer noch gar nicht geboren waren.

„Ich doofes, doofes Aas“

Nichts anderes erwarten Stones-Fans. Und die vielen Silvestergäste im zwei Mal ausverkauften Apollo- Theaters bekommen vom Westfälischen Landestheater Castrop-Rauxel genau dies zu hören: einen Querschnitt all der Titel, die diese Gruppe unsterblich gemacht hat, von „Jumping Jack Flash“ über „Honkey Tonk Woman“ bis „Let’s Spend The NightTogether“.

Doch es ist nicht nur ein Musikprogramm mit einer formidablen Stones-Cover-Band und großartigen Sängern. Auch Zeitzeugen und Fans kommen zu Wort. So zwei bodenständige, westfälische Dorfpolizisten aus Altenbögge, die sich an ihren Dienst am 11. September 1965 erinnern. Damals hatten die Rolling Stones in Münster ihr erstes Konzert in Deutschland, nach einigen Vorgruppen gerade mal 25 Minuten dauernd. Oder eine Taxifahrerin. Das Konzert wäre fast ausgefallen, wenn sie nicht den am Kamener Kreuz mit einer Panne liegengebliebenen Bassisten Bill Wyman noch pünktlich nach Münster gebracht hätte.

Ins Zeitzeugen-Programm gehören natürlich die unvermeidlichen blondierten weiblichen Fans mit hohen Stiefeln und kurzen Röcken, die schon vor dem Auftritt in der Garderobe der Stars aufkreuzen: „Mick aß Schinkenbrötchen, Keith trank einen Whiskey nach dem anderen. Mick wurde immer netter. Er wollte mich küssen und ich habe es nicht gemacht. Ich doofes, doofes Aas.“ Doch auch langhaarige Jungen in engen Jeans, die sich zum Leidwesen ihrer Eltern Eintrittskarten gekauft hatten, sind begeisterte Fans. Die Presse bringt diesen 11. September auf den Punkt: „Es war die Hölle. Vergammelte Gestalten auf dem Prinzipalmarkt.“

Auch die Queen hat ihren Auftritt. Gestärkt durch einen Flachmann und gestützt durch Butler James („Dinner for One“ lässt grüßen) singt sie „It’s Only Rock’n’ Roll, but I Like It“. Spätestens da hält es das Siegener Publikum nicht mehr auf den Sitzen. Sie zerlegen diese zwar nicht wie weiland die Stones-Fans in der Berliner Waldbühne, die die Spielstätte auf lange Zeit für Konzerte untauglich machten. Doch viele tanzen sich in eine für den gediegenen Theaterraum ungewöhnliche Ekstase. Und diese setzt sich auch 2015 fort, denn die unermüdlichen Künstler haben sich ihre Zugaben für die erste Viertelstunde des neuen Jahres aufgespart.