Social-Media-Forschung in Siegen – Sichere Daten via TruNet

Forschungsgruppenleiter Lin Wan und Mitarbeiterin Svenja Schubert erklären in Siegen ihr P2P-Projekt, um via TruNet sicher Daten auszutauschen.
Forschungsgruppenleiter Lin Wan und Mitarbeiterin Svenja Schubert erklären in Siegen ihr P2P-Projekt, um via TruNet sicher Daten auszutauschen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Wissenschaftler der Uni Siegen entwickelt eine Alternative zu Dropbox, Whatsapp und Co, um Fotos und Videos sicher auszutauschen. Der Name: TruNet.

Siegen.. Im September zapften Hacker iClouds der Stars an. Kurz danach tauchten Nacktfotos von Scarlett Johansson, Christina Aguilera, Mila Kunis und Co. auf. Die Promis hatten ihre privaten Bilder in Apples Onlinespeicher abgelegt – an einem vermeintlich sicheren Ort.

Forschungsgruppe arbeitet an Alternative ohne Online-Speicher

Der Skandal zeigte, wie verletzlich Nutzer im Netz sind, wie leicht sie die Kontrolle über Daten verlieren. Im ehemaligen Stadtkrankenhaus in der Kohlbettstraße arbeiten die Forschungsgruppe um Projektleiter Lin Wan und Mitarbeiterin Svenja Schubert derzeit an einer sicheren Alternative, die ohne Online-Speicher wie bei Dropbox, Facebook oder iCloud auskommt. Der Name: TruNet.

Phishing Social-Media-Forscher Lin Wan, Hornbrille, die Haare zur Tolle gegelt, Smartphone auf dem Tisch, erklärt in einfachen Worten, Fachwörter übersetzt er sofort. „Die Technik ist nicht neu.“ Sie nennt sich Peer-to-Peer (abgekürzt: PSP). Daten werden dabei direkt zwischen zwei Laptops ausgetauscht und nur, wenn beide Rechner angeschaltet sind, und Sender und Empfänger vorab dem Austausch zugestimmt haben.

„Die Kommunikation hat also einen Anfang und ein Ende“, erklärt Svenja Schubert. Dies ermöglicht TruNet ein Programm, das die Siegener zusammen mit dem Unternehmen Expeer aus Bonn entwickeln. Es soll schnell, unkompliziert und niederschwellig sein, damit Oma, Tante und Enkel Fotos und Videos von Opas 80. Geburtstag tauschen können.

WeChat die chinesische Version von Whatsapp

„Wenn ich meinen Laptop zuklappe, geschieht nichts mit meinen Daten. Sie bleiben bei mir“, erklärt Lin Wan und erklärt an einem persönlichen Beispiel die Vorteile. Sein Sohn Leon ist drei Jahre alt, Oma und Opa in China möchten den Kleinen natürlich aufwachsen sehen. „Wir nutzen bisher das Programm WeChat.“ Die chinesische Version von Whatsapp.

Aufruf „Ich schicke nur wenige Fotos, ich habe dabei kein gutes Gefühl, weil es nicht sicher ist.“ Anders bei TruNet. Da hätte auch die chinesische Regierung mit ihrer eher speziellen Auslegung von Meinungsfreiheit keine Handhabe. „Die Verbindung wird zwischen zwei Rechnern aufgebaut. Der Staat kann ja nicht alle deutschen IP-Adressen sperren.“

Das Projekt befindet sich in der ersten Phase. Gesucht werden zunächst Teilnehmer, die das Programm testen. Später soll es auch Entwicklungen fürs Smartphone geben. Die Siegener möchten den Dienst gern weiterentwickeln und ein Startup gründen. „Wir werden natürlich nicht nach zwei Jahren alles wegschmeißen“, sagt Projektleiter Lin Wan.