SMS-Gruppe zieht Bilanz - Kündigungen bislang ausgeschlossen

Die Firma SMS in Hilchenbach fertigt unter anderem Zahnräder und Walzenständer für Walzwerke.
Die Firma SMS in Hilchenbach fertigt unter anderem Zahnräder und Walzenständer für Walzwerke.
Foto: WAZ FotoPool/ Ralf Rottmann
Die SMS-Gruppe mit Stammsitz in Hilchenbach hat sich ein striktes Kostensenkungsprogramm verordnet. Am Dienstag, 23. Juni, wird Bilanz gezogen.

Hilchenbach. Der Riese schüttelt sich. Oder wankt er gar? Diese Frage entscheidet sich bei der Bilanzvorlage des mehr als 140 Jahre alten Produzenten schlüsselfertiger Stahl- und Walzwerke, der SMS-Gruppe, am Dienstag, 23. Juni, in Düsseldorf. Dann wird Burkhard Dahmen, Sprecher der Geschäftsführung der SMS Holding, verkünden, ob in dem lange Jahre von der Konjunktursonne verwöhnten Traditionsunternehmen mit Stammsitz Hilchenbach weiterhin die Moll-Töne dominieren oder ein Silberstreif am Horizont zu erkennen ist.

Personalabbau über Altersteilzeitmodelle abgesichert

Vor allem: Ob es, angesichts der lang anhaltenden Auftragsflaute, bei Kurzarbeit neben dem bereits beschlossenen Personalabbau bleibt. Und ob sich betriebsbedingte Kündigungen auf lange Sicht vermeiden lassen. Betriebsratschef Tobias Tigges hatte noch im Februar Entlassungen ausgeschlossen. Der Arbeitsplatzabbau von mehreren hundert Stellen sei bis 2018 über Altersteilzeitmodelle abgesichert.

Unternehmen Über die Bedeutung des Unternehmens mit 2200 Beschäftigten allein am Standort Hilchenbach-Dahlbruch für die Region besteht kein Zweifel. „SMS Siemag ist in unserem Verband das größte Mitgliedsunternehmen mit langer Tradition und einer Ausbildungswerkstatt, in die kleinere mittelständische Unternehmen gern ihre Produktion verlegen würden“, beschreibt Helmut Hofmann vom Verband der Siegerländer Metallindustriellen die Lage. „Eine Hausnummer, nicht nur im Siegerland. Wenn es dort kriselt, spürt das die ganze Region.“

Kleinere Krisen der Vergangenheit hat SMS stets gemeistert - geräuschlos und sozial verträglich. Ob das auch diesmal klappt, ist angesichts der Dauer der Kundenzurückhaltung - SMS ist hier besonders von Stahlunternehmen abhängig - offen. Die Investitionen stocken überall - in Rußland infolge der Isolierung der Regierung Putin ebenso wie in Asien. Sorge macht die seit längerem geringe Auslastung im Werk Hilchenbach.

Umsatz geht zurück

In Zahlen ausgedrückt: Bereits im Geschäftsjahr 2013 ging das Ergebnis um fast ein Drittel (31 Prozent) auf 178 Millionen Euro zurück - eine Umsatzrendite von fünf Prozent. Der Umsatz mit 3,5 Milliarden Euro und der Auftragseingang (3,3 Mrd.) stiegen nur wegen der Einbeziehung der übernommenen Firma Paul Wurth. Ein Kostensenkungsprogramm läuft bereits - 250 Millionen Euro sollen allein bei den Herstellungskosten eingespart werden, um Produkte Made in Germany günstiger anbieten zu können. Bis jetzt hieß es, betriebsbedingte Kündigungen kämen nur als letztes Mittel in Betracht.

Enervie-Krise SMS leidet offenbar besonders wegen seiner starken Fixierung auf die Stahlindustrie, hat die Überkapazitäten am Markt selbst mit aufgebaut. Außerdem ist das Familienunternehmen (mehrheitlich in Händen der Familie Weiss) riesengroß geworden, hat Struktur und Kultur eines Konzerns angenommen. Heinrich Weiss (72) hält 54 Prozent an dem Unternehmen, seine zwei Schwestern haben ihre Anteile an ihre Kinder abgegeben„Man kann nicht permanent neue Stahlwerke bauen“, sagt Jaxa von Schweinichen, Geschäftsführer des Walzenspezialisten Walzen Irle aus Netphen, der seine Produkte auch an SMS liefert. „Wir merken das auch an unseren Grundausrüstungsaufträgen für neue Walzen.“ Es sei viel gebaut worden, in China sogar zu viel, so von Schweinichen. „Irgendwann erschöpft sich das.“

Großprojekte

Rainer Dango, Geschäftsführer des Anlagenbauers Dango & Dienenthal und ebenfalls SMS-Zulieferer, sieht ebenfalls Probleme in den immer kurzfristiger angelegten Großprojekten, von denen das Hilchenbacher Unternehmen lebe. „Wenn ein oder zwei aus Krisenregionen wie Russland oder der Ukraine wegfallen, dann hat man ein Problem.“ Die Branche sieht er aber auf dem Weg der Besserung und setzt auf 2016: „Wir haben die Talsohle durchschritten, es gibt einen Silberstreif am Horizont.“