Simon Pearce begeistert als Driss das Publikum in Siegen

Simon Pearce spielt den Dris in der Komödie "Ziemlich beste Freunde" im Apollo-Theater Siegen. Das Stück läuft im März und April.
Simon Pearce spielt den Dris in der Komödie "Ziemlich beste Freunde" im Apollo-Theater Siegen. Das Stück läuft im März und April.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Simon Pearce ist aktuell im Apollo als Driss in der Komödie „Ziemlich beste Freunde“ zu sehen. Das Stück verlangt dem 33-Jährigen körperlich einiges ab.

Siegen.. Vier Kilo Gewicht hat Simon Pearce verloren, binnen weniger Wochen. Eine bühnenreife Leistung. Pearce aber nahm ab, weil er ohnehin reif für die Bühne ist. Der Schauspieler ist aktuell im Apollo als Driss in der Komödie „Ziemlich beste Freunde“ zu sehen. Das Stück verlangt dem 33-Jährigen körperlich einiges ab. Doch als Energiebündel geht Pearce auch im zivilen Leben durch.

Pearce macht Fernsehen und Theater

„Mein Terminkalender bereitet mir zur Zeit Kopfzerbrechen“, sagt er lächelnd. Pearce macht Fernsehen und Theater, synchronisiert, ist zunehmend als Comedian unterwegs und gefragt. Schon als Kind stand er vor der Kamera – etwa in einer Nebenrolle in der ZDF-Serie „Zwei Münchner in Hamburg“ mit Uschi Glas und Elmar Wepper – und als Jugendlicher auf der Bühne im Theater links der Isar in München. Es liegt in der Familie: Seine Mutter ist die deutsche Volksschauspielerin Christiane Blumhoff.

Trotz aller Affinität zur darstellenden Kunst fing Simon Pearce nach dem Zivildienst aber ein Lehramtsstudium an. „Da habe ich mir eingebildet: Mach was Sicheres, was Vernünftiges.“ Doch im Jahr 2005, nach dem Tod seines nigerianischen Vaters, entscheidet er sich um, beginnt eine Schauspielausbildung. „Sicher ist eh nix“, kommentiert er den Schritt. „Also mach, was Du wirklich willst.“

Die Rolle als Driss verdankt er – nicht nur, aber auch – seiner Hautfarbe. Das allein würde zweifellos nichts nützen, wenn er in der Theaterversion des französischen Erfolgsfilms „Ziemlich beste Freunde“ nicht neben Martin Hofer bestehen könnte. Hofer spielt den vom Hals abwärts gelähmten Philippe, ist dabei auf einen automatischen Rollstuhl angewiesen und muss seine Rolle mit extrem wenig Bewegung ausfüllen.

Phantasie-Schauspieler: "Wie ein Kind, das spielt"

„Es ist spannend, weil viel Bewegungsarbeit an mir hängenbleibt“, sagt Pearce. Auch sonst ist der aus weniger gutem Milieu stammende Driss zum gebildeten und reichen Philippe ein größtmöglicher Kontrast, den Pearce aus gutem Grund so ungekünstelt auf die Bühne bringt: „Ich bin ein Phantasie-Schauspieler, ich gehe da nicht mit Technik heran“, beschreibt er seine Arbeitsweise. „Wie ein Kind, das spielt: Ich bin in dieser Welt drin.“

Apollo-Theater Während für „Ziemlich beste Freunde“ die Hautfarbe eines der Kriterien für die Rolle war, ist es sonst auch im Jahr 2015 oft noch andersherum. „Es gibt ganz viele Sachen, für die ich nicht in Frage komme“, sagt Pearce. Das allerdings liegt an einer eher bizarren, aber noch relativ weit verbreiteten Besetzungspolitik. Medienmacher folgen oft noch der Devise, „man müsse erklären, warum es eine schwarze Figur gibt. Da muss dann immer ein Extrastrang gesponnen werden“, sagt Pearce. Von einer Selbstverständlichkeit, die schlicht darauf basiert, dass viele Menschen eben schwarz sind, sei das häufig weit entfernt. „Das nervt“, räumt der Schauspieler ein. „Aber es wird besser. Die Denke wird jünger, die Entscheidungsträger werden jünger.“

Rassismus bleibt ein Thema bei Pearce-Auftritten

Es ist nicht der einzige Bereich, in dem Simon Pearce als Schwarzer unschöne Erfahrungen macht. „Deutschland ist schon sehr tolerant – verglichen mit anderen Ländern.“ Die negativen Erlebnisse, die er dennoch hat, greift Pearce bei seinen Comedyauftritten auf. „Ethno-Comedy“ heißt das Genre, in dem Menschen mit Migrationshintergrund – respektive ihre Nachfahren – ihre Alltagserlebnisse humoristisch, satirisch, sarkastisch verarbeiten. „Das war keine bewusste Entscheidung. Ich mache Comedy und erzähle aus meinem Leben.“

Comedy Alles basiere auf tatsächlich Geschehenem, auf realen Beleidigungen, verkrampften Begegnungen – oder auf der Beobachtung, dass er als Schwarzer beispielsweise häufiger bei Polizeikontrollen angesprochen wird, als die Leute um ihn herum. „Mir selbst ist erst beim Schreiben bewusst geworden: Da passiert noch eine Menge Mist. Wenn ich solo auftrete, sind manche Leute echt schockiert.“

Schon in Regensburg ein Erfolg

Als Driss ist Pearce in der aktuellen Spielzeit noch drei Mal in Siegen zu sehen. Danach steht viel Comedy auf dem Plan, später „Ziemlich beste Freunde“ im Turmtheater Regensburg. Dort lief die Inszenierung von Michael Bleiziffer bereits im vergangenen Dezember, bevor sie ins Apollo kam. Darin liegt auch begründet, wieso Pearce in seiner Siegener Zeit die vier Kilo los wurde. „In Regensburg ist die Bühne nur ein Achtel so groß“, sagt der 33-Jährige. Siegen verlangt ihm also acht Mal soviel Weg pro Probe und Aufführung ab.

Folgen Sie uns auch auf Facebook.