Signal für Kulturellen Marktplatz

Das ist der Siegerentwurf des Architektonischen Wettbewerbs: Der Kölner Architekt Reinhard Angelis setzt den zweiten Veranstaltungssaal und die Gastronomie vor das Theater. Das Foyer erschließt den Komplex barrierefrei.Foto:Steffen Schwab
Das ist der Siegerentwurf des Architektonischen Wettbewerbs: Der Kölner Architekt Reinhard Angelis setzt den zweiten Veranstaltungssaal und die Gastronomie vor das Theater. Das Foyer erschließt den Komplex barrierefrei.Foto:Steffen Schwab
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Hilchenbach..  Es geht weiter mit dem Kulturellen Marktplatz. Die Stadtverwaltung darf den Auftrag für eine Machbarkeitsstudie vergeben, in der ein Architekturbüro die preisgekrönten Ideen aus dem Architektonischen Wettbewerb in die konkrete Planung von Bauabschnitten umsetzen wird. Das hat der Rat am Mittwoch mit großer Mehrheit beschlossen. Dagegen stimmte nur Martin Krischok (SPD), der Stimme enthielt sich Arne Buch (CDU).

Bürgermeister Hans-Peter Hasenstab bezog sich auf den Runden Tisch in Dahlbruch. „Deutlich“ hätten die Nutzer der verschiedenen Einrichtungen sich „zu diesem Projekt bekannt“. Ihnen sei aber wichtig, dass das Gesamtkonzept umgesetzt werde — also nicht nur der erste Bauabschnitt mit Veranstaltungssaal, Foyer und Gastronomie, sondern auch der zweite, der durch Umbauten und Verlegung der Turnhallen-Nebenräume neben dem Theater ein „Haus der Alltagskultur“ entstehen lässt, wo Jugendtreff, Café International und Vereine Platz finden.

Am nächsten Dienstag werden sich die „Botschafter“ des Projekts, der ehemalige Landrat Paul Breuer und Andreas Weber, der frühere Personalchef von SMS Siemag, mit den Fraktionschefs treffen. Dabei wird wohl um die Finanzierung des städtischen Eigenanteils von 1,2 Millionen Euro im ersten Bauabschnitt gehen; die Hälfte davon sollen Sponsoren und ein noch zu gründender Bürgerverein beibringen. Beide Bauabschnitte kosten zusammen 5,2 Millionen Euro – bei 2,1 Millionen Stadt-Anteil. Verabredungsgemäß stimmte der Rat ohne vorherige Diskussion ab. Im Vorfeld hatte sich lediglich die CDU noch einmal geäußert: Das Ja zur Studie bedeute nicht das Ja zum Bau; die Zustimmung dazu macht die CDU von der Finanzierung des Eigenanteils und vom Erfolg der Botschafter abhängig.

Stationen

Im Juli 2011 wird der Kulturelle Marktplatz mit dem ersten Regionale-Stern zertifiziert. Nun beginnt die Arbeit an einem Dorfentwicklungskonzept mit einer Serie von Dialog-Veranstaltungen, das schließlich im März 2013 vorliegt.
Juli 2013: Das Projekt bekommt den zweiten Stern. Die Gesamtinvestition wird auf 5,3 Millionen Euro festgelegt — etwa ein Drittel der 18,5 Millionen, mit denen auch aus der Hauptschule ein „Haus der Musik“ für die Philharmonie geworden wäre.
August 2013: Erste Wolken — der Kommunal-Soli droht, das Fragezeichen hinter der Finanzierbarkeit wird größer.
Oktober 2013: Kollaps bei den Gewerbesteuereinnahmen. „Wir sind von heute auf morgen verarmt“, sagt Bürgermeister Hans-Peter Hasenstab. Haushaltssperre und Nothaushalt.
Dezember 2013: Der Rat beschließt den Architektonischen Wettbewerb, in der Hoffnung, dass die dabei gewonnenen Pläne irgendwann realisiert werden können. Die CDU ist dagegen. Für den Fall des Scheiterns verlangt die SPD einen „Plan B“ — in der Hallenbadgaststätte hat das Dach schon schlapp gemacht.
Juli 2014: Der Kölner Architekt Reinhard Angelis gewinnt den ersten Preis des Architektonischen Wettbewerbs. Danach wird das Vergabeverfahren, dessen Bestandteil der Wettbewerb ist, ausgesetzt.
November 2014: Der Stadtentwicklungsausschuss lehnt die Vergabe eines Planungsauftrags ab; damit ist die Chance auf den dritten und entscheidenden Regionale-Stern vertan. Die Verwaltung legt ihre Rechnung für den „Plan B“ vor: 1,6 Millionen würde die bloße Sanierung des Gebäudekomplexes kosten, für die es keine Landesmittel gäbe —mehr als der Eigenanteil für den Kulturellen Marktplatz.
März 2015: Im Haushalt stellt der Rat 60 000 Euro für die Machbarkeitsstudie bereit. Die im Dezember ausgesandten Botschafter, Paul Breuer und Andreas Weber, fordern ein „klares Signal“ des Rates für das Projekt, außerdem den Anstoß zur Gründung eines Bürgervereins. Diese Bedingungen erfüllt der Rat, nach dem Runden Tisch im Mai, in seiner Juni-Sitzung.

Kommentar: Keine Sternstunde

Eine Sternstunde war das nicht — die sollte bei diesem Thema in Hilchenbach auch niemand mehr erwarten. Sicher, angemessen wäre es schon gewesen, dem Publikum zu erklären, woher nun auf einmal wieder das große Einvernehmen kommt, nachdem sich Befürworter und Gegner monatelang Wortgefechte geliefert haben. Das Ergebnis heiligt wohl die Mittel. Dürfte sich zumindest Kino-Besitzer Jochen Manderbach gedacht haben, der von der Zuschauerbank aus Beifall klatschte.

Wirklichkeit ist der Kulturelle Marktplatz damit noch lange nicht. Die nächste Ausstiegsmöglichkeit hat die CDU deutlich benannt und haben auch die Skeptiker in anderen Fraktionen vor Augen: den Moment, in dem die Studie vorliegt und sich der Plan als nicht finanzierbar erweist.

Dann schlägt erneut die Stunde derer, die überzeugt von diesem Kulturellen Marktplatz sind. Und die sich im Zweifelsfall auch länger mit einem Schlagloch oder einer klammen Friedhofshalle arrangieren. Weil sie daran glauben, dass dieses Freizeit- und Kulturzentrum das aussterbende Städtchen zukunftsfähig macht. Sie müssen die gewinnen, die gestern nur opportunistisch abstimmten: um das Thema aus dem Bürgermeisterwahlkampf herauszuhalten.