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Siegerlandmuseum zeigt Schau zur Fotografie unter Tage

01.02.2016 | 20:00 Uhr
Siegerlandmuseum zeigt Schau zur Fotografie unter Tage
Ein Exponat der Ausstellung "Bildermacher unter Tage" im Siegerlandmuseum: In den Anfängen der Fotografie war an Momentaufnahmen nicht zu denken.Foto: Siegerlandmuseum

Siegen.  "Bildermacher unter Tage": Das Siegerlandmuseum im Oberen Schloss in Siegen widmet den Anfängen der Fotografie im Bergbau eine neue Ausstellung.

Es ist dunkel, sehr dunkel. Der Schacht wird nur erhellt vom fahlen Licht der Lampen, die an den schroffen Felswänden befestigt sind. Die Männer hacken, schaufeln, schuften. Die Gesichter von Staub und Dreck verschmiert, das Atmen fällt hier unten schwer. So oder so ähnlich fühlte sich ein Arbeitstag für die Kumpel in den Gruben und Bergbauanlagen an, die lange Zeit die Industrie in Deutschland und auch im Siegerland prägten.

Heute gerät diese Welt, trotz Führungen und gelegentlicher Erwähnung im Schulunterricht, zunehmend in Vergessenheit. Die Ausstellung „Bildermacher unter Tage – Fotopioniere im Bergbau“, welche am Sonntag im Siegerlandmuseum im Oberen Schloss eröffnet wurde, gibt nun seltene Einblicke in die schwere Arbeit unter Tage und wirft gleichzeitig ein besonderes Licht auf die Anfänge der Fotografie.

Arrangiert wie auf einer Leinwand

Gottfried Theis, Kurator der Ausstellung, hat es geschafft, einige der ersten Fotos, die unter Tage aufgenommen wurden, zu finden und zu einer eindrucksvollen Sammlung zusammenzufügen, welche wie ein Blick durchs Schlüsselloch in eine andere Welt erscheint. Stolz erzählt er am Mikrofon von den Fotografen aus dem Siegerland und der ganzen Republik, deren Werke er hierher gebracht hat. Paul Ney, Heinrich Schmeck, Heinrich Börner, William Zirkler, Peter Weller oder Max Steckel hießen die Pioniere der Bergbaufotografie, denen er hier huldigen will.

Viele sind gekommen, um den Worten Theis’ zur Eröffnung seiner Ausstellung zu lauschen. „Bildermacher unter Tage gibt es solange, wie es die Menschheit gibt“ sagt er und meint damit frühe Höhlenmalereien, die auf den ersten Blick wenig mit Fotografie gemein hatten. Doch folgt man seinen Ausführungen weiter, so scheint der Unterschied zwischen Malerei und Fotografie in dieser Frühzeit zu verschwimmen. Die ersten Kameras ermöglichten noch keine Aufnahmen im heutigen Sinne. Es war noch nicht möglich, einen Sekundenbruchteil aus dem wirklichen Leben einzufrieren und auf ein Bild zu bannen. Stattdessen galt es ein Foto zu choreographieren, schildert Theis. Die Protagonisten wurden arrangiert wie auf der Leinwand eines Malers. Einmal in Pose geworfen, durften sie sich während der Aufnahmezeit nicht bewegen, das Bild wäre sonst verwischt. Alles drehte sich um die perfekte Komposition, die künstliche Wiedergabe der Realität.

Arbeiter im Magnesiumlicht

Beim Gang durch die Ausstellung fällt dies auf fast jedem Foto ins Auge. Die Arbeiter posieren mit ihren Werkzeugen, Karren und Pferden für die Kamera, was den Bildern eine eigentümliche Stimmung verleiht. Grobkörnig und nur erleuchtet von Magnesiumlicht wirken sie gleichzeitig surreal und doch natürlich. Somit trifft es nicht ganz zu, wenn Siegens stellvertretender Bürgermeister Jens Kamieth in seiner Begrüßungsrede sagt, die Pionierfotografie sei ein „reines Abbilden der Realität“ gewesen. Gleichwohl würdigt er die Mühen von Kurator Theis, der viel Arbeit in die Ausstellung investiert habe: „Es wurden Quellen aufgetan, geprüft und katalogisiert. Das kostet viel Zeit, die an anderer Stelle fehlt.“ Das Ergebnis seiner Arbeit war die Mühen offenkundig wert.

Die Ausstellung, die nun bis zum 3. April geöffnet ist, bietet besonders für Freunde der Fotografie eine beeindruckende Dokumentation aus den frühen Tagen dieser Kunst und wirft zugleich ein neues Licht auf eine Vergangenheit, die bislang buchstäblich im Dunkeln lag.

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Max Amos

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2016-02-01 20:00
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