Siegerländer bringt seine Software-Idee nach Kanada

Durch das von Felix Heide entwickelte Verfahren zur Bildverbesserung könnten Smartphones in Zukunft noch schmaler und leichter werden.
Durch das von Felix Heide entwickelte Verfahren zur Bildverbesserung könnten Smartphones in Zukunft noch schmaler und leichter werden.
Foto: WP
Uni-Traumnoten, diverse Stipendien, Promotion in Vancouver, erfolgreiches Start-Up: Felix Heide ist ein Überflieger. Der Informatiker aus Afholderbach hat an der Uni Siegen studiert und entwickelte ein Verfahren zur nachträglichen Schärfung digitaler Bilder.

Afholderbach.. Kanada, Massachusetts, San Francisco – Felix Heide jettet für seinen Job durch die Welt. Der 27-jährige Informatiker kommt aus Netphen, genauer: aus dem 200-Seelen-Dorf Afholderbach. Studiert hat er in Siegen. Als Doktorand an der University of British Columbia (UBC) in Vancouver, Kanada arbeitet er an mehreren Softwareprojekten. Ständig unterwegs, geht es für ihn jetzt drei Monate nach Saudi-Arabien. Nebenbei tüftelt er weiter an einem IT-Verfahren zur Verbesserung digitaler Bildaufnahmen.

Schon in seiner Masterarbeit beschäftigte sich Heide mit diesem Verfahren, entwickelte es nach dem Uni-Abschluss weiter und gründete ein Start-Up in Montreal, Kanada. Die Idee: eine Software, die digitale Bilder nachträglich schärft. Um gute Fotos zu schießen, sind keine komplizierten Linsensysteme mehr nötig. „Handys, Tablets und alles, wo Kameras drinstecken, können schmaler, leichter und kostengünstiger sein.“

Investor treibt Geschäfte voran

Mittlerweile hält Heide lediglich Anteile an der von ihm gegründeten Firma. An der Entwicklung arbeitet er jedoch weiter. Investoren treiben das Geschäft voran. Mit allen großen Mobiltelefonherstellern sind bereits Gespräche geführt worden. Das Interesse sei groß. Ob seine Idee in ein, zwei Jahren in jedem Handy steckt, darüber kann oder will Heide nur spekulieren. „Ich mach das ja zum ersten Mal“, wiegelt er ab. Fest aber steht: Innovationen in diesem Bereich werden zügig umgesetzt.

So schnell technologischer Fortschritt, so rasant Felix Heides Karriere: Top-Noten, diverse Stipendien, eigenes Unternehmen, Verkauf an einen Investor. Doch der Überflieger bleibt bescheiden. „Ich hatte viel Glück.“

Nach dem Abitur am Gymnasium Netphen beginnt er das Informatik-Studium in Siegen, schließt den Bachelor mit 1,1 ab. „Typisch Siegerländer, hab ich natürlich zu Hause gewohnt.“ Doch in der Heimat hält es ihn nicht. Die Pause vor dem Masterstudium überbrückt er mit Praktika am Max-Planck-Institut in Saarbrücken und an der UBC in Vancouver.

In Kanada schlägt er sich so gut, dass sein Professor ihn ermuntert, sich nach dem Studium um eine Promotionsstelle bei ihm zu bewerben. Mit der Traumnote 1,0 beendet er den Master – und geht an die UBC. Doch einfach promovieren kann er dort nicht. „Die Kanadier sind da gnadenlos“, sagt Heide. Bevor er loslegen darf, muss er ein zusätzliches Masterstudium absolvieren. Das frisst Zeit, hat aber einen positiven Nebeneffekt: Die Jahrgangsbesten erhalten ein Stipendium. „Zum Glück wird mir alles bezahlt, sonst könnte ich die Promotion nicht finanzieren.“ 7000 Dollar Studiengebühren fallen pro Jahr an, dazu hohe Lebenshaltungskosten.

Im Team mit Top-Leuten

Für seine Doktorarbeit forscht Felix Heide an unterschiedlichen Projekten. „Ich arbeite mit richtig guten Leuten zusammen, das macht unheimlich Spaß“, sagt er. Wie lange er für seine Promotion benötigen wird, weiß er nicht. „Drei Jahre, sieben Jahre, alles ist möglich. Ich arbeite ja nicht die ganze Zeit an einer These und komme zu einem Ergebnis“, erklärt der Afholderbacher. Stattdessen veröffentlicht er wissenschaftliche Abhandlungen, sogenannte Paper, hält Vorträge auf internationalen Konferenzen. Am Ende fließen die Ergebnisse in seine Abschlussarbeit.

Pläne für später hat Felix Heide noch nicht. Den Landwirtschaftsbetrieb seiner Eltern, so viel steht fest, möchte er nicht übernehmen. „In der Wissenschaft bleiben oder ein weiteres Start-Up gründen ist beides ziemlich attraktiv“, sagt er. Die Wahrscheinlichkeit, dass er dauerhaft zurück in seine Heimat kehrt, schrumpft damit auf ein Minimum. Dabei fragt seine Oma schon jetzt: „Wann bist du endlich fertig und kommst zurück?“

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