Siegener Kindheit in schwierigen Zeiten

Siegen nach dem Bombenangriff alliierter Flugzeuge am 16. Dezember 1944: Für die Fuchs-Kinder ging es danach zur Oma nach Weidenau.
Siegen nach dem Bombenangriff alliierter Flugzeuge am 16. Dezember 1944: Für die Fuchs-Kinder ging es danach zur Oma nach Weidenau.
Foto: Stadtarchiv
Was wir bereits wissen
Richard Fuchs, Autor mehrerer Sachbücher, hat seine Kindheit in einer evangelikalen Familie zwischen zwei Buchdeckel gepackt.

Siegen..  Als 1955 die letzten deutschen Kriegsheimkehrer aus sowjetischer Gefangenschaft nach Hause kommen, beginnt auch für Richard Fuchs ein neues Leben.

Der gebürtige Siegener verlässt seine evangelikale Familie in Breitscheid im Westerwald und jobbt auf Baustellen in Siegen. In seinem Buch „Gott hat viele Fahrräder“ beschreibt der 77-Jährige seine Zeit in den letzten Jahre des Dritten Reichs, der Nachkriegszeit und den ersten Jahren in der Bonner Republik.

Harter Vater

„Die Erziehung war sehr einengend“, sagt Richard Fuchs. Sein Vater, wie die ganze Familie Mitglied in einer Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde, ist Verfechter einer strengen christlichen Erziehung. Das macht ihn und seine Methoden in gewisser Weise berechenbar.

Entfaltung oder gar Spaß spielen jedoch eine eher untergeordnete Rolle: „Fußballspielen war verboten“, schildert Richard Fuchs aus dem evangelikalen Wertekanon, „Eitelkeit war verpönt, und in die Kneipe ging man auch nicht“. Sonntags ging es zwei Mal in die Gemeinde. „Alles andere wäre undenkbar gewesen.“ Menschen, betont der 77-Jährige, „die diese Erziehung durchmachen, leben ein ganz eigenes Leben“.

Prügel? „Davon wurde viel zu häufig Gebrauch gemacht.“ Der strenge Verhaltenskodex des Vaters wirkt auch aus der Ferne. Auch als er zum Volkssturm ausrücken muss, wagen es die Kinder nicht, über die Stränge zu schlagen.

Hartes Leben

Im Rückblick sagt Richard Fuchs, er habe „ein gutes, erfülltes und erfolgreiches Leben geführt.“ Immerhin: Der Verkauf des Verlags, den er in den 1980er Jahren aufbaute, habe ihn finanziell unabhängig gemacht. Der Weg dorthin jedoch war der sprichwörtlich steinige.

Als der Zweite Weltkrieg spätestens mit den Bombardements der Alliierten auch das Siegerland erreicht, wird Richard Fuchs Leben zunehmend von Angst geprägt. Nach dem Angriff am 16. Dezember 1944 auf Siegens Mitte geht es für die sieben Fuchs-Kinder zur Oma nach Weidenau.

Doch diese Zufluchtsstätte bleibt nur eine Zwischenstation. Im Oktober 1945 schließlich geht es nach Breitscheid im Westerwald: „Den Umzug erlebte ich als Schock“, schreibt Richard Fuchs. „Wir waren Zugezogene, hatten kaum Raum in unserer Herberge, ..., waren weitestgehend mittellos, gehörten zu der inzwischen ausgestorbenen, kleinsten christlichen Gemeinde des Dorfs, verstanden den Dialekt nicht“.

Erst 1955 kehrt er der Enge den Rücken.

„Gott hat viele Fahrräder“ ist im Engelsdorfer Verlag erschienen und für zwölf Euro zu haben. ISBN: 978-3-95744-303-8

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